VfL-Profi über Großfamilie und Wohlfühloasen Taffertshofer: Playstation? So was habe ich nicht

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Zweikampfstark: Ulrich Taffertshofer im Duell mit Adriano Grimaldi. Foto: imago/MISZweikampfstark: Ulrich Taffertshofer im Duell mit Adriano Grimaldi. Foto: imago/MIS

Osnabrück. Elf Spiele hat der VfL Osnabrück in der 3. Liga bisher absolviert – doch nur ein Profi hat sie alle von der ersten bis zur letzten Minute auf dem Platz erlebt: Ulrich Taffertshofer, Spitzname „Sheriff“.

Ob er die elf Spiele auch schon in den Knochen spüre? „Nein“, sagt Taffertshofer und lacht. Der Mann ist 26 und topfit. „Aber die drei freien Tage haben trotzdem gutgetan“, gesteht er. Verbracht hat er sie in der Heimat, in Abertshausen bei München. Ein Wiesn-Besuch, versteht sich, der musste sein, und ein Abstecher zum Bruder nach Erding. Die Frage drängt sich auf: Welcher Bruder? Die Taffertshofers sind acht Geschwister. Sechs Brüder, zwei Schwestern. Besucht hat er Jakob, einen der älteren. Ulrich liegt genau in der Mitte. „Ich bin der vierte von oben“, sagt er. Alle haben sie in der Jugend Fußball gespielt, bis auf den ältesten sind sie bis heute aktiv – auch die Schwestern. „Früher daheim“, sagt Taffertshofer, hätten sie immer so lange gespielt „bis einer weint“.

Weint, weil er nicht gegen den größeren Bruder verlieren will. Gegen den kleineren schon gar nicht. Oder weil es mal ein bisschen härter zur Sache ging. Ob er seine Zweikampfhärte aus dieser Zeit hat? Taffertshofer überlegt. „Kann schon sein“, sagt er.

Immer mit vollem Einsatz - damals noch gegen den VfL: Ulrich Taffertshofer gegen Marc Heider. Foto: imago/Eibner


In Unterhaching bekam er wegen seiner robusten Spielweise den Spitznamen „Sheriff“ verpasst – in Anlehnung an den Eishockeyspieler Steve Pinizzotto, der heute in Köln spielt und früher in München war und auf dem Eis keine Gefangenen macht.

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Ganz so rabiat agiert Taffertshofer nicht. Aber wenn der 26-Jährige aus seiner Kindheit erzählt und von seinen Anfängen als Profifußballer, dann erklärt sich vieles. Wieso er so spielt, wie er spielt. Wieso er so ist, wie er ist. Er will als Vorbild überzeugen. Er läuft viel und gerne, ist zweikampfstark und nicht der Lauteste in der Kabine. Aber wenn er was zu sagen hat, findet er Gehör. „Wenn du sieben Geschwister hast, musst du wissen wann und wie du dich bemerkbar machst“, sagt er und fügt an: „Dann weißt du, wie eine Gruppe funktioniert und dass die Größeren mal auf die Kleineren achten.“

"Für mich war es die schönste Kindheit"

Die beiden Jüngsten (14 und 15 Jahre) waren nicht begeistert, als es den großen Bruder in den Norden zog. Bislang wohnte er immer um die Ecke. 1860 München, Burghausen und Unterhaching hießen seine Profi-Stationen. Vereine in der Heimat, in der Nähe des elterlichen Hofes. Dort, wo er mit sieben Jahren das erste Mal die Zugmaschine fuhr, den Schlepper. Dort, wo das Leben vor allem draußen stattfand – vor der Kulisse der Zugspitze, auf den Wiesen, im Wald und am See. „Für mich war es die schönste Kindheit“, sagt Taffertshofer, „Playstation? Habe ich bis heute nicht.“ Viel hat er früher auf dem Hof geholfen. „Den Schlepper ist keiner so viel gefahren wie ich“, sagt er stolz.

In der Kabine nicht der Lauteste, auf dem Feld aber gibt er klare Ansagen: Ulrich Taffertshofer. Foto: imago/osnapix


Und jetzt, wenn er nach Hause kommt? „Dann hab ich Urlaub. Dann wird nur geratscht.“ Ratschen, das macht der Bayer, wenn er erzählt. Und Taffertshofer hat viel zu erzählen aus dem Norden – bisher nur Gutes. Der Erfolg, den der VfL gerade hat, macht die Eingewöhnung leicht. 

Taffertshofer: Das Team lebt

Wieso es so gut läuft? „Weil sich jeder für den anderen reinhaut“, so der Mittelfeldspieler. „Wir haben eine gute Mischung, auch mal explosiv. Das ist gut. Das Team lebt. Und der Trainer findet die richtige Ansprache. Er weiß immer noch, wie Spieler denken.“ Und was denkt der Bayer über Osnabrück? Taffertshofer sagt: „Ich fühl mich total wohl.“

Dabei wollte er im Sommer doch gerade weg aus der „Wohlfühloase“, aus der vertrauten Umgebung, die Geborgenheit gibt, aber auch Routine fördert. Und nun ist er in der nächsten „Oase“? Taffertshofer lacht. Wenn es so sein soll: „Jo mei!“

Die 2. Bundesliga als Ziel – am liebsten mit dem VfL

Der Schritt war dennoch richtig, gab neue Impulse, setzte ein paar Prozent mehr frei. „Und es soll ja nicht Schluss sein“, sagt Taffertshofer. Sein Ziel ist die 2. Bundesliga. Da, wo Bruder Emanuel mit dem SV Sandhausen spielt. Ulrich würde es gerne mit dem VfL schaffen. „Aufstiege sind wunderbar. Das weiß ich aus Haching“, sagt er.

Aber er weiß: Auch wenn der VfL gerade oben steht, der Weg dahin ist weit und unwägbar. „Wir müssen uns alles hart erarbeiten. Und damit dürfen wir nicht aufhören“, sagt Taffertshofer. Schon am Freitag im Test gegen Werder geht der Sheriff deshalb wieder voran.


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