Kampfgeist, Geduld, Flexibilität Tabellenführer der 3. Liga – was macht den VfL so stark?

Von Susanne Fetter und Johannes Kapitza

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Gemeinsam stark: Der VfL bejubelt am Samstag den 2:0-Sieg gegen Lautern und die Verteidigung der Tabellenspitze. Foto: Helmut KemmeGemeinsam stark: Der VfL bejubelt am Samstag den 2:0-Sieg gegen Lautern und die Verteidigung der Tabellenspitze. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Nach dem 11. Spieltag führt der VfL Osnabrück die Tabelle der 3. Fußball-Liga an – durchaus überraschend, wenn man Platz 17 in der Vorsaison und die Quoten der Wettanbieter bedenkt, die den VfL vor der Saison nur knapp vor den Abstiegsplätzen sahen. Die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune kann sich zurzeit auf mehrere Qualitäten verlassen.

Die Abwehr: Fünf Gegentore hat der VfL bisher kassiert, siebenmal zu Null gespielt – das Osnabrücker Bollwerk ist das beste der Liga. Die Ursachen sind vielfältig. „Die Kette steht gut und wenn was durchkommt, bin ich dafür zuständig“, fasst Torwart Nils Körber zusammen. Thioune stellt sein Team auf jeden Gegner individuell ein – und kann bei Bedarf die Taktik schnell anpassen. Wichtiger Abwehr-Anker ist Neuzugang Maurice Trapp. Der Innenverteidiger belegt in der Kicker-Rangliste als bester Feldspieler Platz sieben. Neben ihm hat Adam Sušac an Sicherheit gewonnen.


Die Abwehr steht, der Kampfgeist stimmt: So wie hier Felix Schiller und David Blacha gegen Münchens Adriano Grimaldi, werfen die Osnabrücker alles rein, was sie haben. Foto: imago/Sven Simon


Der Kampfgeist: Kaiserslauterns Stürmer Timmy Thiele betonte nach der Niederlage beim VfL: „Die Osnabrücker haben alles reingeschmissen und mit Leidenschaft verteidigt.“ Und das gilt nicht nur für die Abwehr, sondern für die ganze Mannschaft. Den Grundstein legten Thioune und Sportdirektor Benjamin Schmedes, die bei der Zusammenstellung des Kaders einige Kämpfertypen wie David Blacha und Ulrich Taffertshofer dazuholten und offenbar die richtige Ansprache ans Team gefunden haben. Motivation bringen auch die Fans, die langsam aber sicher wieder mehr werden an der Brücke. 10 827 Zuschauer beträgt der Schnitt bei Heimspielen bisher. „Natürlich gibt uns das noch extra Körner“, erklärt Blacha.



Die Geduld: Das 2:1 gegen Würzburg fiel in der Nachspielzeit, genau wie der 2:2-Ausgleich gegen 1860 München. Auch von einem 0:2-Rückstand gegen 1860 ließ sich der VfL nicht aus der Ruhe bringen und wartete auf seine Chancen. Die Fans werden dabei auf die Folter gespannt: Von 14 Toren des VfL fielen nur zwei vor der Pause (beim 3:0 gegen Münster). Dass Stürmer Marc Heider erst im neunten Spiel sein erstes Tor erzielte, machte ihn nicht nervös – „weil immer jemand in der Mannschaft da war, der uns die Siege oder wenigstens einen Punkt eingefahren hat“, sagt der Kapitän.

Mit viel Geduld: Gegen Würzburg trifft Manuel Farrona Pulido (l.) spät zum Sieg. Er ist einer von sieben Profis, die in dieser Saison schon für den VfL ein Tor erzielt haben. Foto: Helmut Kemme


Die Effizienz: Sieben Spieler haben die insgesamt 14 Tore, diese Zahl ist eher Liga-Durchschnitt, erzielt. Das macht den VfL schwer auszurechnen. Dominant sind die Lila-Weißen trotz Tabellenführung nicht immer. Mittelfeldspieler Blacha findet das nicht schlimm. „Die optische Überlegenheit kann Lautern gerne mitnehmen, wir behalten dafür die drei Punkte“, sagte er nach dem 2:0 am vergangenen Samstag.

VfL-Spieler Farrona Pulido im Interview: Hier wächst gerade was 

Die taktische Flexibilität: In der Verteidigung bevorzugt Thioune eine Viererkette. Gegen die stark besetzte Doppelspitze von 1860 München, gegen Münster und in der Schlussphase in Meppen bildete die Dreierkette ein massives Abwehrzentrum. In Jena war dieser Systemwechsel einem personellen Engpass geschuldet. Die Null stand trotzdem. „Wir sind in der Lage, unsere Ordnung in kürzester Zeit umzustellen“, sagt Thioune. Defensiv ziehen sich zwei Sechser zurück, mit Ball schaltet sich mindestens einer in die Offensive ein. Die Flügelbesetzungen sind variabel. Die Mannschaft macht die Wechselspiele gerne mit. „Wir müssen auch mal was ausprobieren“, sagte Blacha, als das Experiment gegen Kaiserslautern mit nur einem Sechser Stabilität kostete.

Mehr als ein guter Ersatz: Der junge Felix Agu. Foto: David Ebener


Die personellen Alternativen: Erst fiel Alexander Dercho aus, dann auch noch Konstantin Engel. Hinten links in der Abwehr tat sich ein Loch auf, das der 19-jährige Felix Agu unbekümmert stopft. Als Maurice Trapp in Jena krank fehlte, sprang Tim Möller (19) ein und erledigte seine Sache ordentlich. Torwart Philipp Kühn ist eine verlässliche Alternative für Nils Körber. Wenn Dercho und Engel zurückkehren, wird der Konkurrenzkampf angefacht. Das gilt auch in der Offensive, wo Alexander Riemann und Sebastian Klaas noch in die Startelf drängen wollen. „Jeder ist wichtig. Wir können uns gegenseitig ersetzen“, sagt Marcos Álvarez, der in der Liga erst zweimal die vollen 90 Minuten absolvierte.

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