VfL-Kultkneipe Aus dem ehemaligen Hüggelmeyer wird eine Spielhalle

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Hier war einmal ein wichtiger Treffpunkt der Fanszene des VfL Osnabrücks – nun wird aus dem ehemaligen "Hüggelmeyer" eine Spielhalle. Foto: Corinna BerghahnHier war einmal ein wichtiger Treffpunkt der Fanszene des VfL Osnabrücks – nun wird aus dem ehemaligen "Hüggelmeyer" eine Spielhalle. Foto: Corinna Berghahn

Osnabrück. Über Jahrzehnte war das Hüggelmeyer direkt in der Nähe zum Stadion an der Bremer Brücke die VfL-Fan-Kneipe schlechthin. Doch ein Nachfolger scheiterte nach wenigen Monaten und auch eine Shisha-Bar konnte sich nicht halten. Nun werden die Räume zu einer Spielhalle umgebaut.

An die ehemalige VfL-Kultkneipe Hüggelmeyer erinnert bald nichts mehr: Aktuell werden die Räume an der Ecke Oststraße/Bremer Straße umgebaut, da hier in Zukunft eine Spielhalle eröffnen soll. Die knallgelben Schilder kündigen den neuen Laden an, dessen Eröffnungstermin noch nicht feststeht.

Das war schon alles drin

Dabei war der Ort einst DIE VfL-Kneipe: 1878 kam der Tischler Heinrich Hügelmeyer auf die Idee, an dieser Stelle die „Schenkwirtschaft H. Hügelmeyer“ zu eröffnen, um an den an seinem Haus vorbeiziehenden durstigen Arbeitern Geld zu verdienen. Damals lag das Bahn-Ausbesserungswerk nur einen Steinwurf entfernt am damaligen Kanonenweg, der heutigen Oststraße, und das Stahlwerk gleich hinter der Hase boomte nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71. 

Die Gaststätte Hügelmeyer im Jahr 1892. Erst in den 1920er-Jahren wanderte der Eingang an die Ecke zur Oststraße. Foto: Sammlung Helmut Riecken

Sein 1905 geborener Sohn, der spätere Kult-Gastwirt Heini Hüggelmeyer, setzte sich 1931 für den Bau eines Fußballstadions in unmittelbarer Nähe ein. Das doppelte G in seinem Namen entstand übrigens durch den Fehler eines Standesbeamten, der dieses bei der Hochzeit von Heini und seiner Frau fälschlicherweise eintrug. (Weiterlesen: Wie die Gaststätte Hüggelmeyer zum zweiten "G" kam)

Die Gaststätte Hüggelmeyer im Jahr 1978. In der Bildunterschrift hieß es damals: "So modern bietet sich die Gaststätte Hüggelmeyer an der Bremer Brücke dar. Die Gaststätte besteht seit 100 Jahren. Foto: Petschkuhn

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus bis auf die Grundmauern zerbombt. Heini Hüggelmeyer hatte jedoch Glück und wurde früh aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen. 1949 wurde die Gaststätte in einem eingeschossigen Notbau mit Flachdach wiedereröffnet. 1968/69 erfolgte dann der Neubau in heutiger Gestalt. Am 1. September 1978 feierte Hüggelmeyer hundertjähriges Bestehen. 

Sport und Gastlichkeit: So titelte unsere Zeitung zum hundertjährigen Bestehen von Hüggelmeyer am 1. September 1978.

Seit 2012 Geschichte

Nach dem Tod Heini Hüggelmeyers im Jahr 1992 verkaufte seine Tochter das Haus, doch das endgültige Ende der Kneipe folgte erst im Jahr 2012: Nachdem der langjährige Wirt Paul Hammoor 2011 in den Ruhestand ging, wurde sie nur wenige Monate später als „Hüggelmeyer - Hoffs Sportgaststätte“ wieder eröffnet. Plan war, dass nicht mehr nur der männliche Ostkurven-Dauerkartenbesitzer mit großem Bierdurst angelockt werden sollte, sondern jeder, der an Sport interessiert war.

Als Lila-Weiß an der Ecke Oststraße/Bremer Straße noch dominierte, wie hier im Jahr 2011. Foto: Gert Westdörp

Doch das familienfreundliche Konzept scheiterte – ausgerechnet auch an einem zweckentfremdeten Kinderfahrrad. Wütende Fans schmissen dieses beim Heimspiel des VfL gegen Preußen Münster durch eines der Fenster – und sorgten so neben diversen Einbrüchen und Vandalismus dafür, dass die Kneipe nach nur fünf Monaten im Januar 2012 wieder geschlossen wurde.

Noch hängt das Logo der Shisha-Bar. Foto: Corinna Berghahn

2015 folgte die Shisha Bar "Oriental", die schon seit längerer Zeit geschlossen ist. Noch erinnern einige der in lila-weiß gehaltenen Schilder der Bar an den VfL Osnabrück. Doch damit wird bald Schluss sein: In Zukunft dominiert hier die Farbe des Geldes, nämlich gelb.


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