VfL Osnabrück, SV Meppen, SF Lotte Das sagen die regionalen Drittligisten zur wirtschaftlichen Lage

Von Harald Pistorius, Christian Detloff und Dieter Kremer

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Der Geschäftsführer des VfL Osnabrück, Jürgen Wehlend. Foto: KemmeDer Geschäftsführer des VfL Osnabrück, Jürgen Wehlend. Foto: Kemme

Osnabrück, Meppen, Lotte. Die attraktivste 3. Liga aller Zeiten: Seit zehn Jahren gibt es in Deutschland eine landesweite dritte Spielklasse im Profifußball. Das sportliche Niveau und die Zuschauerzahlen stimmen – aber es ist viel schwieriger, wirtschaftlich über die Runden zu kommen, als in der Bundesliga und in der 2. Bundesliga. Das sagen die regionalen Drittligisten VfL Osnabrück, SV Meppen und die Sportfreunde Lotte über die wirtschaftliche Lage.

Wie beurteilen Sie unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten die Entwicklung der 3. Liga in der jüngsten Zeit (Ligasponsor, Ligaball, TV-Vermarktung)?

Jürgen Wehlend, Geschäftsführer des VfL Osnabrück: DFB und die Klubs der 3. Liga machen zehn Jahre nach ihrer Gründung erste Schritte in die richtige Richtung. Die zentralen Einnahmen der Klubs aus der Ligavermarktung steigen. Bescheiden, aber sie steigen. Aber es ist noch ein langer Weg, um die 3. Liga an der Nahtstelle zwischen Amateur- und Profifußball wettbewerbs- und lebensfähig aufzustellen.

Andreas Kremer, Vorstandssprecher SV Meppen: Wir sehen in diesen Aktivitäten eine deutliche Stärkung der Marke 3. Liga, die Wertigkeit der Liga steigt und bietet für Partner ein attraktives Umfeld – auch durch die mediale Aufmerksamkeit, die die Telekom und die ARD verschaffen.

Manfred Wilke, Sportlicher Leiter Sportfreunde Lotte: Der DFB ist sehr bemüht, die Einnahmen zu steigern und dabei durchaus erfolgreich. Der Unterschied der finanziellen Ausstattung ist im Vergleich mit dem, was die DFL den Zweitligisten zur Verfügung stellen kann, immens. Diese beiden Welten sind zu weit auseinander gedriftet.

Was ist Ihrer Ansicht nach das größte Problem, wenn es um das wirtschaftliche Überleben in der 3. Liga geht?

Wehlend: Die Liga wächst zu langsam, stagniert seit vier Jahren bei einem Gesamtumsatz von 150 Millionen Euro. Da sind im Vergleich allein die TV-Einnahmen der 2. Bundesliga mit rund 180 Millionen Euro höher. Die Vermarktung und die Zuschauerzahlen durchschnittlicher Drittligisten scheinen ausgereizt. In ihrem Kern leidet die 3. Liga unter einem strukturellen Defizit von rund einer Million Euro pro Klub. Und der vierte Absteiger verschärft das sportliche und damit auch das wirtschaftliche Risiko der durchschnittlichen Drittligisten.

Kremer: Die Etats der 3. Liga haben eine Bandbreite zwischen fünf und 15 Millionen Euro. Grundsätzlich sehe ich beim SV Meppen kein Problem. Wir sind solide aufgestellt, handeln auch weiterhin mit Augenmaß und gehen keine finanziellen Risiken ein, die wir nicht vertreten können. Wer sich für das Ziel Aufstieg finanziell überhebt, handelt grob fahrlässig. Das Ziel kann man sich setzen, aber nicht um jeden Preis.

Wilke: Dass den Drittligisten nicht genügend Geld, vor allem Marketingeinahmen, zur Verfügung steht. In einigen Regionen funktioniert es, wir können die Marketinggelder nur über den sportlichen Erfolg steigern. Doch trotz des sportlichen Erfolgs, den wir in der Saison 2016/17 hatten – mehr geht für uns einfach nicht – haben sich die Einnahmen nicht wie erhofft verbessert. Entsprechend müssen wir auf allen Ebenen, dazu gehören auch die sozialen Medien, noch mehr versuchen, uns und unsere Partner positiv darzustellen.

Halten Sie es für realistisch, dass die 3. Liga irgendwann eine Liga unter dem Dach der DFL wird?

Wehlend: Faktisch sieht es eher nach einer zunehmenden Abschottung der Top 36 unter dem Dach der DFL aus. Die Schere zwischen den Einnahmen beider Spielklassen ist von rund zwölf Millionen Euro (2008/09) auf über 35 Millionen Euro gestiegen. Die DFL hat sich auf diesem Weg verselbstständigt und das gemeinsame Ziel wurde aus den Augen verloren. Diesen strategischen Systemfehler kann man natürlich beheben, indem man entweder alle Profiligen bei der DFL organisiert und auch finanziert oder zumindest für eine nachhaltige Finanzierung der 3. Liga mit Unterstützung der DFL unter dem Dach des DFB sorgt. Dafür wären meines Erachtens 20 bis 25 Millionen Euro ausreichend, verteilt nach einem leistungsorientierten Schlüssel statt mit der Gießkanne. Das wäre ein klares Bekenntnis zur Bedeutung der 3. Liga.

Ronald Maul, Geschäftsführer des SV Meppen: Prinzipiell halte ich das schon für eine realistische Möglichkeit, aber es ist Zukunftsmusik. Wichtig für uns ist, dass sich die 3. Liga weiter so gut entwickelt wie bisher. Wirtschaftlich wie sportlich ist sie doch mit Beginn der Saison 2018/19 die attraktivste 3. Liga, die es je gab. Dies weiter auszubauen und auf lange Sicht zu etablieren, sollte nun die wichtigste Aufgabe sein, unter welchem Dach auch immer.

Wilke: Da sich im Fußball grundsätzlich alle Dinge weiterentwickeln, kann ich mir dies schon gut vorstellen. Die DFL sollte allein schon deshalb Interesse daran haben, weil ja auch die 3. Liga eine Profiliga ist. Wir haben letztlich 56 Vereine im deutschen Profifußball. Wir wären durchaus dafür, dass die 3. Liga entsprechend unter die Fittiche der DFL wechselt.


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