0:3 gegen U23 von Borussia Dortmund Enochs: Situation beim VfL Osnabrück ist prekär

Von Benjamin Kraus | 09.07.2017, 22:47 Uhr

Testspiel-Ergebnisse in der Saisonvorbereitung soll man nicht überbewerten. Dass eine Fußballelf dreimal hintereinander 0:3 verliert, lässt trotzdem aufhorchen. Vor allem, wenn auch der Trainer unzufrieden ist wie aktuell Joe Enochs beim VfL Osnabrück nach der Pleite gegen die U23 von Borussia Dortmund.

„Es kann nicht unser Anspruch sein, gegen einen Zweitligisten und zwei Regionalligisten dreimal drei Tore zu kassieren und selbst keines zu schießen“, sagte ein sichtlich angefressener Enochs am Samstag nach der Partie in Lünen und mit Blick auf die vorhergehenden Pleiten gegen den FC St. Pauli und den SC Wiedenbrück. Und ergänzte: „Da dürfen wir auch keine Ausreden suchen wie die hohe Belastung in der Vorbereitung, viele Einsätze junger Spieler oder die noch fehlende Feinabstimmung.“

Dinge, die beim Drittligisten im Stadion Schwansbell in Lünen natürlich eine Rolle spielten gegen die zwar klassentiefere, aber mit der ersten Elf agierende BVB-U-23. Die Borussia um den Ex-Osnabrücker Massimo Ornatelli, der ein sehenswertes 23-Meter-Freistoßtor zum 0:3-Endstand erzielte, war in den ersten 20 Minuten einfach klar besser als der mit einer extrem jungen Abwehr um Marcel Ruschmeier, Kamer Krasniqi und Furkan Zorba angetretene VfL: Einzeltechnisch, spielerisch – aber auch in der Zweikampfführung.

„Was mich gestört hat: Bei uns hat keiner ausgestrahlt, dass er das Ding unbedingt klären will. Oder mal ein taktisches Foul macht wie vor dem 0:1. Es kann auch nicht sein, dass wir das Tor wieder direkt nach einer Ecke für uns bekommen wie gegen St. Pauli“, monierte Enochs den ausbleibenden Lerneffekt bei seinen Spielern. Zu allem Überfluss hatte Ruschmeier unbedrängt einen Klärungsversuch auf die Brust des BVB-Stürmers Michael Eberwein gedroschen und das Tor von Patrick Pflücke begünstigt. „Er war angeschlagen, musste ausgewechselt werden. Aber Fußball tut eben auch weh. Die nächsten Monate werden zeigen, wer von den Jungs sich durchbeißt – und wer nicht“, sagte Enochs.

Der Trainer weiß, dass seine Talente Zeit brauchen, um zu reifen – für den Saisonstart in elf Tagen in Karlsruhe sind die meisten von ihnen wohl noch keine ernsthafte Alternative. Das Problem ist aber, dass auch viele der etablierten Kräfte dort noch nicht bei 100 Prozent sein werden – vor allem in der Abwehrreihe, wo nach den Abgängen von Tobias Willers und Anthony Syhre die Personaldecke merklich dünner geworden ist. Alexander Dercho und Nazim Sangaré verpassen nach Verletzungen größere Teile der Vorbereitung – bei Dercho ist fraglich, ob er beim KSC überhaupt schon wieder fit ist. Weil Konstantin Engel wohl in der Innenverteidigung spielen soll, bleibt als etablierter Außenverteidiger eigentlich nur Kim Falkenberg, der aber in Lünen auch erst im Laufe der Partie zu seinem Spiel fand.

Offensiv gab es beim VfL durchaus Lichtblicke – vor allem in Person des über 90 Minuten agilen und dribbelstarken Neuzugangs Christian Bickel. Weil der VfL nach dem Rückstand flüssiger kombinierte, erspielte er sich auch Chancen, das dritte Spiel in Serie ohne eigenes Tor zu verhindern – die Abschlüsse aber gerieten viel zu hektisch (Heider, Krasniqi) oder ein wenig zu unpräzise (Groß, Arslan, Bickel).

„Die Situation ist prekär – das habe ich in einer Vorbereitung so noch nicht erlebt. Ich habe absolutes Vertrauen in meine Spieler. Aber jeder muss jetzt zeigen, dass er unbedingt in die Startelf will. Mit allem, was er hat“, sagte Enochs. Unabhängig davon behält der VfL weiter den Markt im Auge. Den vom „Westfalenblatt“ mit den Lila-Weißen in Verbindung gebrachten Bielefelder David Ulm bezeichnete Enochs als „interessanten Mann, der wohl in der Region bleiben will. Stand jetzt ist er aber zu teuer für uns.“ Der 33-Jährige agiert eher als Zehner oder hängende Spitze – und wäre somit wohl kein passender Ersatz für den Fall, dass Stürmer Kwasi Okyere Wriedt die Lila-Weißen noch verlässt.