Brutale Ignoranz als Strategie VfL Osnabrück: Warum niemand auf Willers‘ Nachricht einging

Von Benjamin Kraus | 11.07.2017, 21:00 Uhr

Warum hat nur keiner der Fußballer was unternommen? Diese Frage haben sich viele Osnabrücker Fans gestellt, als sie im Zuge der Verurteilung von Ex-VfL-Verteidiger Tobias Willers zu vier Monaten Sperre wegen Spielmanipulation durch das DFB-Sportgericht erfuhren.

 Willers hatte Mitspieler Marc Heider aufgefordert, sich in Bremen zu erkundigen, was der Werder-U23 ein Sieg des VfL gegen ebenfalls abstiegsgefährdete Paderborner wert sei – diese Aufforderung aber ging per WhatsApp-Gruppe an alle Osnabrücker Spieler, noch während der Rückfahrt aus Zwickau, wo der VfL das vorletzte Spiel 0:1 verloren hatte und alle Aufstiegshoffnungen begraben musste.

„Ich war verletzt und selbst nicht im Mannschaftsbus. Aber ich weiß genau, wie gedrückt dort die Stimmung gewesen ist, weil ich zu Hause selbst angefressen war nach der Niederlage“, sagt Halil Savran. Dem Kapitän ist es ein Anliegen, im Namen seiner Mannschaft zu erklären, warum „die brutale Ignoranz gegenüber Tobias Willers die absolut richtige Antwort“ an diesem Tag gewesen sei.

„Man muss sich das vorstellen: Nach der Niederlage ist das Saisonziel unerreichbar, man ist mega gefrustet – und dann kommt so eine Nachricht eines Kollegen.“ Ob man diese nun als Scherz hätte verstehen sollen oder als Aufforderung, bei der Liga-Konkurrenz um Geld zu bitten, ist dabei für Savran nicht entscheidend. „Für mich ist es einfach völlig absurd, sich direkt nach einem verlorenen Spiel mit so einer Sache zu beschäftigen.“

Die totale Ignoranz der Nachricht habe er daher als starkes Zeichen aller Kollegen verstanden. „Der Satz wirkte ja wie weggeschmissen. Ich finde es daher völlig unangebracht, der Mannschaft nur im Geringsten einen Vorwurf zu machen,“ so Savran. Erst, als Willers die Mitspieler Heider und Addy Menga einzeln anschrieb, kontaktierten diese ihnen vertraute Personen bei Werder. Bremen meldete den Manipulationsversuch.

„Schon in den Wochen vor dem Zwickau-Spiel hatte ich – wie andere Führungsspieler – etliche Dispute mit Willers“, lässt Savran zudem durchblicken, dass mit dem Abwehrspieler schon länger Konflikte schwelten. Worum es dabei ging, will der Kapitän nicht öffentlich sagen: Das seien Internas, die in der Mannschaft bleiben sollten. „Mit dem Urteil ist die Sache hoffentlich erledigt und wir können uns voll auf die Vorbereitung konzentrieren. Alle, die nun im VfL-Trikot auflaufen, haben auf jeden Fall das Vertrauen der Fans verdient“, so Savran.

Dass die VfL-Profis die Willers-Nachricht nach dem Zwickau-Spiel bewusst wegignoriert haben, sei vom DFB-Vertrauensanwalt bei der Untersuchung der Vorfälle als legitime Strategie bezeichnet worden, erklärte VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend zur Sache. Dennoch seien in der Aussprache am Sonntag nach dem Paderborn-Spiel selbstkritische Töne der Fußballer zu hören gewesen. Tenor: Willers war mit seinem Verhalten schon länger sauer aufgestoßen – und man hätte früher dagegen vorgehen sollen.

 Kommentar: gerechte Strafe für VfL-Profi Willers