Heider und Menga geben Fehler zu Unruhe beim VfL: Chronik eines Manipulationsversuchs

Von Stefan Alberti, Benjamin Kraus und Harald Pistorius | 22.05.2017, 07:47 Uhr

Eine schlichte Pressemitteilung, um 15.30 Uhr am 20. Mai 2017 vom Server des Deutschen Fußball-Bundes in die Medienwelt geschickt, beschert dem VfL Osnabrück und vor allem drei seiner Profis gravierende Probleme. Titel: „DFB-Kontrollausschuss ermittelt gegen Spieler des VfL Osnabrück“. Die Chronik der letzten Tage und die wichtigsten Aussagen der Beteiligten und Betroffenen.

 Samstag, 13. Mai: Der VfL Osnabrück verliert sein vorletztes Spiel beim FSV Zwickau mit 0:1 und hat damit die letzte Chance verpasst, noch in den Aufstiegskampf eingreifen zu können. Kurz danach – so sagen es später Addy Waku Menga und Marc Heider aus – bekommen sie von einem Mitspieler erste Kurznachrichten. Darin werden sie darauf aufmerksam gemacht, dass man nun für einen Sieg gegen Paderborn eine Geldprämie von der U23 des SV Werder Bremen einfordern könne. Klar ist: Werder kann den Abstieg nur vermeiden, wenn die mitbedrohten, aber einen Punkt besser platzierten Paderborner in Osnabrück nicht gewinnen.

 Mittwoch, 17. Mai: Lothar Gans spricht zu der Mannschaft, anwesend sind alle einsatzfähigen Spieler. Er weist auf die besondere Bedeutung der Partie hin. Gerade nach der 1:2-Heimniederlage gegen Fortuna Köln gehe es darum, sich mit einer guten Leistung zu verabschieden. Gans verweist außerdem auf die Vorgeschichte des Duells gegen die Paderborner, die 2009 in Osnabrück den Aufstieg in die 2. Bundesliga perfekt machten. Außerdem erinnert Gans an die Gebote der Fairness im sportlichen Wettbewerb.

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 Donnerstag, 18. Mai: Über Björn Schierenbeck, den Leiter des Bremer Nachwuchsleistungszentrums, geht die Information von zwei Teammitgliedern der Werder-U23 über die Kontaktaufnahmen durch zwei VfL-Spieler an den DFB-Ombudsmann. Diese vom Verband unabhängige Stelle hat der DFB nach dem Skandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer geschaffen, sie ist seit 2011 mit dem Bielefelder Rechtsanwalt Dr. Carsten Thiel von Herff besetzt. Ihm sollen alle Auffälligkeiten mitgeteilt werden, die auf eine bevorstehende Spielmanipulation hinweisen können. Es besteht eine Meldepflicht seitens der Spieler und Trainer.

Am späten Abend informiert der Ombudsmann den für Rechtsfragen zuständigen 1. Vizepräsidenten des DFB, den Juristen Dr. Rainer Koch. Der setzt den Kontrollausschuss, die Ermittlungs- und Anklageinstanz der DFB-Gerichtsbarkeit, in Kenntnis und beauftragt das Gremium mit der unverzüglichen Aufnahme der Ermittlungen. Am selben Abend werden die VfL-Verantwortlichen von dem Besuch des DFB informiert.

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 Freitag, 19. Mai: Die Kontrollausschuss-Mitglieder Dr. Wolfgang Zieher und Dr. Björn Schiffbauer sprechen in Osnabrück zusammen mit dem Ombudsmann von Herff mit der gesamten Mannschaft und dann in Einzelsitzungen mit den drei tatverdächtigen Spielern. Danach geht die Empfehlung an den VfL, die drei nicht in das Aufgebot für das Paderborn-Spiel zu nehmen; ansonsten müsse man die Spieler mit einer Vorsperre belegen. Der VfL entspricht diesem Wunsch und unterstützt nach eigener Darstellung die Ermittler in jeder Hinsicht.

 Samstag, 20. Mai: Tobias Willers und Addy Waku Menga fehlen im Aufgebot, das normalerweise 18 Spieler umfasst. Offizielle Begründung: Magen-Darm-Infekt. Am Freitag hatten sie beim Abschlusstraining noch in der A-Elf gestanden. Trainer Joe Enochs nominiert nur 17 Spieler, es fehlen die verletzten Halil Savran, Robert Kristo, Jules Reimerink, Marius Gersbeck, Christian Groß und Marc Heider sowie der vor zwei Wochen suspendierte Mohamed El Bouazzati. Vizekapitän Groß wird von Geschäftsführer Jürgen Wehlend in der ARD-Sportschau ausdrücklich entlastet.

Nach dem 0:0 gegen den SC Paderborn, der wegen des gleichzeitigen 1:0-Sieges von Werder gegen Aalen absteigen muss, verschickt der DFB jene Pressemitteilung, aus der hervorgeht, dass der DFB und die Staatsanwaltschaften in Bochum und Osnabrück gegen drei VfL-Spieler ermitteln.

Nach der Pressekonferenz zu den sportlichen Themen äußert sich Geschäftsführer Jürgen Wehlend zu dem Vorgang.

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 Sonntag, 21. Mai: Die komplette Mannschaft trifft sich mit den Verantwortlichen im Stadion. Es kommt zu einer Aussprache, in der Marc Heider und danach Addy Waku Menga ihre Darstellung der Dinge geben. Der Unmut etlicher Spieler richtet sich gegen „den dritten Mann“, dessen Name keiner öffentlich nennt.

Am frühen Abend entschließen sich nach Beratung mit Wehlend, Gans und Enochs die Spieler Heider und Menga dazu, ihre Rolle in dem Fall öffentlich zu erklären. Sie geben Anrufe in Bremen zu, sprechen von einem „Riesenfehler“ und einer „großen Dummheit“, betonen aber, sie hätten keine Manipulation versucht. Sie seien von einem Mitspieler, dessen Namen sie nicht nennen wollen, bedrängt und angestiftet worden. Das hätten sie so den DFB-Ermittlern geschildert und das auch mit der Einsicht in ihre Whats-App-Chats belegt. Warum sie seinen Namen nicht nennen? Menga: „Er soll sich selbst erklären, Verantwortung übernehmen und so verhindern, dass seine Teamkollegen mit Spekulationen belastet werden.“

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