Versuchte Manipulation verhindert DFB-Vize Koch: „VfL Osnabrück war überaus kooperativ“

Von Benjamin Kraus | 21.05.2017, 22:44 Uhr

Dr. Rainer Koch ist als Vizepräsident beim Deutschen Fußball-Bund zuständig für rechtliche Angelegenheiten – und war von Beginn an über die versuchte Manipulation des Drittliga-Spiels VfL Osnabrück gegen den SC Paderborn informiert. Hier erklärt der 58-Jährige, warum der DFB den VfL am Freitag besucht hat und direkt nach der Partie die Öfentlichkeit informiert hat.

 Herr Dr. Koch, ist die Anzeige einer versuchten Spielmanipulation von Fußballern des VfL Osnabrück der konkreteste, den es seit der Etablierung des Ombudsmannes im Jahr 2010 beim DFB gegeben hat?  

Soweit ich das weiß, ja. In dieser Konkretheit kann ich mich jedenfalls auf die Schnelle an keinen vergleichbaren Fall erinnern.

 Sie haben davon am Donnerstagabend erfahren – und dann musste schnell gehandelt werden. 

In der Tat – und dabei hat sich bewährt, dass wir auf solche Situationen vorbereitet sind und einen klaren Ablaufplan haben. Der DFB-Kontrollausschuss hat am Freitagmorgen den Ermittlungsauftrag erhalten. Seine Mitglieder Dr. Wolfgang Zieher und Dr. Björn Schiffbauer sowie Ombudsmann Dr. Carsten Thiel von Herff haben sich sofort in den Zug nach Osnabrück gesetzt. Sie haben den Verein und die Mannschaft des VfL in Kenntnis gesetzt. Danach haben Sie einzeln mit den betreffenden Spielern gesprochen.

 Der Hinweis auf die versuchte Spielmanipulation ist vonseiten des SV Werder Bremen gekommen. Von wem konkret? 

Dazu kann ich aufgrund der laufenden Ermittlungen des DFB-Kontrollausschusses nichts sagen – ich bitte da um Verständnis.

 In einem ersten Interview zur Sache im Deutschlandfunk haben Sie gesagt, dass die Sicherung eines integeren Wettbewerbs die Maxime für das weitere Handeln des DFB gewesen ist. 

Das war und ist so. Das ist ja auch im Interesse aller Beteiligten. Es stand ja an diesem Wochenende einiges auf dem Spiel – hier konkret ganz entscheidende Partien im Abstiegskampf der 3. Liga. Wir haben erreicht, dass diese korrekt über die Bühne gegangen sind im Sinne eines fairen Wettbewerbs, weil wir so vorgegangen sind, wie es unsere Ablaufpläne vorsehen.

 Der DFB hat dem VfL empfohlen, die drei verdächtigen Spieler nicht einzusetzen – was ja durchaus ein Eingriff in den Wettbewerb ist… 

…aber was wäre die Alternative gewesen? Auch bei einer Roten Karte nach einer Verfehlung oder einem Regelverstoß auf dem Feld verfügt der Verband ja über diese Form des Eingriffes. Es kam jedenfalls nicht infrage, die betreffenden Spieler einfach auflaufen zu lassen – nach den Erkenntnissen, die wir hatten.

 Diese sollen recht konkret gewesen sein… 

Hier bitte ich wiederum um Verständnis, dass ich nicht ins Detail gehen kann – und auch die Namen der Verdächtigen nicht nennen kann, schon allein aus Datenschutzgründen und um die weiteren Ermittlungen nicht zu stören.

 Weiterlesen: Vergleich mit Wettskandal 2009 hinkt 

 Als die Partien des letzten Spieltags abgepfiffen waren, sind sie recht zügig mit der Information über die versuchte Spielmanipulation an die Öffentlichkeit gegangen. Warum? 

Die Spiele waren vorbei, der Wettbewerb der 3. Liga war für diese Saison abgeschlossen und konnte nicht mehr berührt werden. Weil so ein Fall aber nicht ewig geheim zu halten ist, haben wir uns beim DFB entschlossen, im Interesse aller Beteiligten die Öffentlichkeit zu informieren. Es ging darum, gegenüber der Öffentlichkeit die Abläufe transparent, sauber, fair und gewissenhaft darzulegen, damit nicht etwa irreführende Gerüchte entstehen und Fragmente der Sache an die Öffentlichkeit dringen – und dann vielleicht ein falsches Bild der Faktenlage entsteht.

 Beim VfL hat man sich nach unseren Informationen ein wenig überrumpelt gefühlt von der Veröffentlichung des Vorgangs relativ zeitnah nach Schlusspfiff. 

Der VfL ist rechtzeitig vor der Veröffentlichung der Pressemitteilung vorab informiert worden, dass wir das machen werden. Der Verein konnte sich also darauf einstellen und hat ja dann auch sehr schnell mit einer eigenen Mitteilung reagiert. Im Übrigen muss ich dazu sagen, dass sich der Verein im Verlauf des ganzen Vorgangs überaus kooperativ verhalten hat.

 Wollten Sie so vielleicht auch den Druck auf den Verein und die betreffenden Spieler erhöhen, sich zu erklären? 

Damit hatte die Veröffentlichung nichts zu tun. Wir wollten unserer Transparenzpflicht nachkommen und keine falschen Spekulationen aufkommen lassen.

 Seitens des SC Paderborn wurde nach Bekanntwerden der Vorgänge in Osnabrück geäußert, dass man unter diesen Voraussetzungen überhaupt nicht angetreten wäre. 

Ich denke nicht dass Paderborn oder andere Vereine einen begründeten Einspruch gegen die Spielwertung einlegen können, weil alles sauber, geordnet und korrekt abgelaufen ist.

 Was können Sie zum weiteren Verlauf der Ermittlungen sagen? Im Interesse aller dürfte es doch sicherlich sein, wenn diese möglichst bald einen offiziellen Abschluss finden. 

Hier gilt wie immer in solchen Fällen: So schnell wie möglich, aber so sorgfältig wie nötig. Der Kontrollausschuss ist zuständig, ich bekomme lediglich die Berichte. Deswegen kann ich zum weiteren operativen Vorgehen nichts sagen.

 Inwiefern hilft Ihnen bei den Ermittlungen das neue Gesetz, dass auch den Versuch einer Spielmanipulation durch Profifußballer unter Strafe stellt? 

Wir als Verband haben jahrelang beim DFB darauf gedrängt, dass der Bundestag hier Gesetzesänderungen vornimmt – wobei wir sportrechtlich davor ja schon unsere eigenen Bestimmungen hatten. Wenn es etwas Gutes an der aktuellen Geschichte gibt, dann ist es die Sensibilisierung aller für solche Vorfälle. Denn es liegt im Interesse aller – der Vereine, der Fußballer und der Fans – dass sich so etwas nicht wieder holt und wir einen sauberen Sport genießen können.

 Kommentar: Das wäre Verrat am Verein, am Fußball, an den Fans