Kommentar zum Manipulationsverdacht beim VfL Das wäre Verrat am Fußball, am Verein und an den Fans

Meinung – Harald Pistorius | 21.05.2017, 14:06 Uhr

Als wenn der VfL Osnabrück nicht genug aktuelle Sorgen hätte: Offenbar haben drei Spieler zusätzlich Geld für das Selbstverständliche im Sport verlangt: die Verpflichtung, immer alles zu geben im Interesse eines fairen Wettbewerbs. Weil die Manipulations-Prophylaxe des DFB funktionierte, wurde Schaden verhindert. Bestätigt sich der Verdacht, werden die Spieler nicht nur vom DFB bestraft. Zu Recht, meint unser Kommentator.

Am Anfang steht die Unschuldsvermutung. Gegen drei Fußballprofis des VfL Osnabrück ermitteln der DFB-Kontrollausschuss und der Staatsanwalt. Es gibt einen konkreten Verdacht auf versuchte Spielmanipulation. Über die Namen der drei wird derzeit spekuliert, mancher meint Anhaltspunkte, Indizien und Hinweise zu kennen. Wir nennen die Namen der drei Spieler nicht. Erst, wenn die Ermittler des Sportrechts und/oder der Justiz Anklage erheben oder die Namen in einem anderen Zusammenhang veröffentlichen, werden wir das auch tun.

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Nicht nur die Öffentlichkeit hat ein – zunächst mal durch menschlich verständliche Neugier ausgelöstes – Interesse daran, die Namen zu erfahren. In erster Linie geht es dem Rest der Mannschaft darum, einen Generalverdacht vom Team fernzuhalten. Man muss ja nicht mal sonderlich bösartig sein, um zu vermuten, dass da drei für alle eine Zusatzprämie rausholen sollten.

So ist es dem ersten Anschein nach wohl nicht gewesen. Das zeigt sich schon daran, dass die Ermittlungen des DFB sich von Beginn an ganz konkret bezogen auf drei Spieler, verbunden mit der dringenden Empfehlung, das Trio gegen den SC Paderborn nicht einzusetzen. Der Rest, so darf man schlussfolgern, war sauber – und natürlich auch einige weitere derer, die verletzt nicht zur Verfügung oder aus anderen Gründen nicht im Kader standen.

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Sollte sich der Verdacht bestätigen, kann es für die drei keine Ausreden geben. Von Unwissenheit kann keine Rede sein, denn nach dem Hoyzer-Skandal gehören Belehrungen von Fußballprofis über die Gefahren und die Folgen von Spielmanipulationen zum Standardprogramm der Vorbeugung. Auch beim VfL hat es in der Woche vor dem Saisonfinale solche Gespräche gegeben.

Keine Ausrede erlaubt

Und auch mit dem Hinweis, man habe sich schließlich nicht für eine Niederlage bezahlen lassen wollen, sondern für einen Sieg, verfängt nicht. Das Angebot an die Bremer verstößt massiv gegen moralische Grundlagen des Sports und unterscheidet sich – wenn überhaupt – nur in Nuancen von der Bereitschaft, sich für eine Niederlage schmieren zu lassen.

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Dummheit? Unbedarftheit? Ein schlecher Scherz? Nein, nichts davon taugt als Ausrede für Profis, die immer und zu jeder Stunde verpflichtet sind, ihr Bestes zu geben. Für sich, für die Mannschaft, für den Verein, für die Zuschauer. Und für einen sauberen Fußball, der sich keinen Millimeter entfernen darf von den ungeschriebenen Gesetzen, die seine Popularität und Glaubwürdigkeit ausmachen.

DFB-Vorbeugung hat gegriffen

Die Vorbeugungsmaßnahmen des DFB haben gegriffen. Die von den Osnabrücker Profis kontaktierten Bremer Spieler informierten den für solche Fälle eingesetzten Ombudsmann, der mit seinem Anruf bei Vizepräsident Rainer Koch die Ermittlungen auslöste. Der Umgang der ermittelnden Kontrollausschussmitglieder mit dem Fall in Osnabrück war durchdacht und klar. Allein die Informationspolitik – kurz nach Spielende wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht – verstörte zumindest den VfL und die Staatsanwaltschaft, weil nach deren Aussage ein anderes Vorgehen vereinbart gewesen sein soll. Hier liegt der Verdacht nahe, dass ein bisschen PR in eigener Sache gewünscht war und dafür ein Zeitpunkt gewählt wurde, der hohe Aufmerksamkeit garantierte.

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Der VfL Osnabrück kooperierte von der ersten Minute an so, wie es sich gehört. Dem Verein ist – zumindest nach derzeitigem Stand – kein Vorwurf zu machen, im Gegenteil. Trotz des erkennbaren Ärgers und der offenkundigen Enttäuschung über die drei verdächtigen Spieler verkniffen sich die Verantwortlichen jede Andeutung dazu, um wen es sich handelt. Am Sonntag beraumte Geschäftsführer Jürgen Wehlend ein Gespräch mit der gesamten Mannschaft und dem kompletten Trainer- und Betreuerstab an.

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Wenn aus dem Verdacht Gewissheit werden sollte, müssen die drei Spieler mit Strafen durch den DFB rechnen. Es drohen – je nach Tatanteil – längere Sperren und deftige Geldstrafen. Wahrscheinlich greifen die Bestimmungen des gerade verabschiedeten Gesetzes zu Wettbetrug und Spielmanipulation, die die strafrechtliche Verfolgung von Vergehen (und den Versuch dazu!) in diesem Bereich deutlich erleichtern.

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Unabhängig davon könnte es im Fall einer Verurteilung – gleichgültig, ob durch das DFB-Sportgericht oder die staatliche Justiz – für die drei Spieler beim VfL Osnabrück keine Zukunft geben. Wenn es tatsächlich in der Mannschaft Spieler gegeben haben sollte, die in einer Situation, in der der Verein extrem um seine sportliche Glaubwürdigkeit kämpft, auf diese Weise abkassieren wollten, wäre das ein Schlag ins Gesicht für Mitspieler, Trainer und Fans.