Rolle des Fußballs in Nazizeit Fans des VfL Osnabrück besuchen ehemaliges KZ Neuengamme

Von Benjamin Kraus | 31.01.2020, 08:23 Uhr

Sie waren unterwegs auf Spuren, die bedrücken und betroffen machen, weil sie nicht zuletzt für einen der Ihren direkt in den Tod führten. Elf Fans des VfL Osnabrück haben das ehemalige Konzentrationslager Neuengamme besucht – jenes Lager, das auch Felix Löwenstein, der ehemalige Spielausschussobmann und Sponsor des VfL, nicht überlebt hat.

Die Aktion war eine von vielen, die das Bündnis „Tradition lebt von Erinnerung“ rund um den VfL Osnabrück (VfL-Museum, Fanprojekt, Fanabteilung, Violet Crew) im Rahmen der Aktionstage „!Nie Wieder“ durchgeführt hat, die an die Schrecken der nationalsozialistischen Herrschaft von 1933 bis 1945 erinnern. Tina Schröter und Dennis Germer vom Fanprojekt sowie Josh Weichert, Fanbeauftragter des VfL, hatten die Fahrt der elfköpfigen Gruppe in das ehemalige KZ bei Hamburg organisiert – ein Ausflug mit speziellem Fußballbezug: Der Studientag in Neuengamme stand unter dem Motto „Fußball in den Konzentrationslagern und in der nationalsozialistischen Gesellschaft.“

„Wir haben einen guten Eindruck bekommen von der Atmosphäre, die im Lager zu dieser Zeit geherrscht haben muss. Von der Duldung der Geschehnisse durch die Bevölkerung in einem keinesfalls abgeschotteten Lager, deren Insassen ja für Industrie und Rüstung Zwangsarbeit leisten mussten. Vom vorauseilenden Gehorsam, der jene Zeit beherrscht hat – und welche Rolle der Fußball dabei spielte“, berichtet Schröter vom Tag in Neuengamme. Der begann mit der Erarbeitung von Informationen dazu, wie das NS-Regime den Fußball instrumentalisiert hat – etwa per Gleichschaltung des zu jener Zeit sowieso bereits recht völkisch geprägten Deutschen Fußball-Bundes.

Bei der Besichtigung der Außenbereiche standen zunächst die Fußballspiele im Mittelpunkt, die auf dem Appellplatz des KZ Neuengamme - wie in anderen Lagern - ausgetragen wurden und eine nicht unwichtige Funktion für die Hierarchie unter den Häftlingen hatten – auch bei den Aufsehern, etwa über ein Bestrafungs- und Belohnungssystem. Die Verlesung mehrerer Opferbiografien bei der Besichtigung der Baracken der Internierten sowie der Opferausstellung gab den Insassen des KZ ein Gesicht. Hier erinnerten sich die Osnabrücker auch an Felix Löwenstein, der als Jude 1935 aus dem VfL ausgeschlossen wurde und 1945 in Sandbostel, einem Außenlager von Neuengamme, an einer Blutvergiftung starb.

Beeindruckt hat die Teilnehmer zudem der Gedenkort in Neuengamme, an dem Angehörige mit frischen Blumen, Anstecknadeln und Fotos das Andenken an die vielen Opfer lebendig halten, sodass die Verluste auch in den Biografien der heutigen Generation greifbar werden. „Das Feedback der Teilnehmer war positiv, auch aus Fankreisen gibt es weitere Interessenten – wir überlegen, bei Gelegenheit erneut eine Neuengamme-Fahrt zu organisieren“, sagt Schröter.

Hier gibt es Infos zum Angebot für Fußballgruppen für einen Studientag in Neuengamme