„Wenn was passiert, dann passiert‘s“ SV Meppen: Mehrere Zweitligisten buhlen um Torjäger Girth

Von Dieter Kremer | 12.06.2018, 19:08 Uhr

Meppen Verliert Fußball-Drittligist SV Meppen seinen Torjäger Benjamin Girth? Oder erfüllt der 26-jährige gebürtige Magdeburger seinen bis 2019 laufenden Vertrag? Mehrere Zweitligisten sind an Girth interessiert. Die Verantwortlichen des SVM drängen auf eine schnelle Entscheidung.

Bis vor 14 Tagen habe man sich nicht unbedingt darüber Gedanken machen müssen, sagt SVM-Sportvorstand Heiner Beckmann. „Da war es eigentlich klar, dass Benni auch in der nächsten Saison bei uns spielen wird.“ Aber nach den 19 Toren des Stürmers im ersten Drittligajahr sei klar gewesen, dass Anfragen kommen würden. „Auf der einen Seite ist es natürlich bei jedem Spieler so, dass er so hoch wie möglich spielen möchte“, so Beckmann. Das treffe auch auf Girth zu. „Wenn er mit 26 Jahren noch mal die Möglichkeit hat, irgendwo in der 2. Liga unterzukommen, ist es klar, dass er darüber nachdenkt. Aber wir würden unsere Lebensversicherung abgeben, wenn wir Benni gehen lassen.“ Auf der anderen Seite habe man dem Verein gegenüber auch eine finanzielle Verpflichtung. „Wenn wir nicht gesprächsbereit wären, würde er im nächsten Jahr ablösefrei gehen. Deshalb muss man dann abwägen.“ Aufgrund seiner Wertschätzung, die er beim SV Meppen genießt, sei Girth eigentlich nicht zu bezahlen. Beckmann bestätigt Verhandlungen, aber es gebe noch keine Entscheidung. „Es sind mehrere Vereine im Boot, die ihn gerne haben möchten.“ Welche Vereine und wie viele genau, will Beckmann nicht sagen. Nur so viel: „Es sind Zweitligisten. Wenn er wirklich gehen sollte, wäre es die sportliche Perspektive, die er dort vielleicht sieht.“ Ansonsten fühle sich Girth sehr wohl in Meppen, unterstreicht Beckmann.

Schnell Klarheit

„Bis Ende der Woche sollte es dann eigentlich klar sein, wohin die Reise geht“, wollen Beckmann und Co. möglichst frühzeitig eine Entscheidung. Schließlich müsse man selbst auch planen, in welche Richtung es beim SV Meppen geht.

Köpke-Ersatz in Aue?

Seit Tagen wird Girths Name immer wieder in Zusammenhang mit Zweitligist FC Erzgebirge Aue genannt. Angreifer Pascal Köpke, Sohn von Bundestorwarttrainer Andreas Köpke, hat den Klub für rund zwei Millionen Euro Ablöse in Richtung Hertha BSC verlassen. Doch die Auer suchen nach dem Rücktritt von Hannes Drews nach erfolgreicher Relegation gegen den Karlsruher SC erst noch nach einem neuen Trainer.

Gelassener Girth

Dass es Anfragen gibt, verneint der Stürmer am Dienstag im Gespräch mit der Emslandsportredaktion nicht. Ansonsten hält sich Girth bedeckt. „Was kann man großartig zu solchen Spekulationen sagen? Es sind einfach Spekulationen.“ Natürlich sei es nach einer solchen Saison und zwei Jahren, in denen man gut gespielt habe, normal, dass Interesse aus höheren Ligen bestehe. „Aber mehr gibt es da gerade aktuell nicht zu sagen.“ Sein aktueller Stand sei, dass er sich auf die Saison in Meppen vorbereite. Er habe bereits in der letzten Saison gesagt, dass er bei diesem Thema ganz entspannt sei, demonstriert Girth Gelassenheit. „Ich lasse da auch nicht so viel an mich rankommen. Wenn was passiert, dann passiert‘s.“ Ihm sei klar, dass er Interesse geweckt habe. „Aber man tut gut daran, glaube ich, dass man trotz des Interesses ruhig bleibt.“

Ehrlicher Austausch mit dem Trainer

Zu Meppens Trainer Christian Neidhart pflegt Girth ein offenes Verhältnis: „Wir stehen ganz normal im Austausch und gehen die Sache auch zusammen vernünftig an. Reden auch über solche Sachen. Aber es ist ja jetzt nicht so, dass einer dem anderen Druck macht. Sondern wir sehen die Sache so: Wenn es Gespräche geben sollte, dann kann man darüber auch reden.“ Er habe ein gutes Verhältnis zum Trainerteam und zu den Verantwortlichen des SV Meppen. Auch am Ende der vergangenen Saison sei er offen und ehrlich mit ihnen umgegangen. „Und so gehe ich auch aktuell und in der Zukunft mit den Personen um. Dass alles offen und ehrlich kommuniziert wird.“ Es gebe keine Heimlichtuerei.

Girth ist 26 Jahre alt

Dass er kein ganz junger Spieler mehr ist, sondern mit 26 Jahren eher eine der nächsten Chancen auf höherklassigen Fußball nutzen muss, findet Girth nicht: „Klar, kann man sagen, dass ich nicht mehr Anfang 20 bin. Aber heutzutage kann es im Fußball schnell gehen und man kann mit 27 oder 28 noch die Chance wahrnehmen.“ Vier Jahre jünger zu sein, wäre vielleicht besser, so Girth. „Aber so ist der Lauf der Zeit.“ Er mache sich jetzt nicht so viele Gedanken, ob er 26 sei oder ein anderes Alter habe.

Sechsstelliger Marktwert

Wie Neidhart am Rande des Jena-Heimspiels im Gespräch mit der Telekom mitteilte, verfügt Girth nicht über eine Ausstiegsklausel. Laut Transfermarkt liegt der aktuelle Marktwert des Torjägers bei 400.000 Euro. Sollte ein anderer Klub Girth verpflichten wollen, würde der SV Meppen also eine stattliche Ablösesumme kassieren. Wieviel Geld der SV Meppen fordern würde, will Beckmann nicht sagen. „Muss man dann schauen, wie sich das entwickelt.“