Mit TuS acht Jahre in einer Klasse TuS Lingen und SV Meppen am Mittwoch im Pokalderby

Von Uli Mentrup | 21.07.2014, 09:30 Uhr

Der SV Meppen ist seit mehr als 50 Jahren die Nummer eins im emsländischen Fußball. Die Position hat ihm der TuS Lingen mehrfach streitig gemacht. Zuletzt spielte er in der Saison 1956/57 in einer höheren Klasse als die Kreisstädter. Am Mittwoch treffen die beiden Alt-Rivalen, die zurzeit zwei Ligen trennen, um 19 Uhr im NFV-Pokal im Lingener Emslandstadion aufeinander.

Nur zwei Jahre spielte Lingen höherklassig als der SVM: 1954/55 in der Amateurliga (Meppen: Bezirksklasse) und 1955/56 (Amateuroberliga West/Bezirksklasse). Nur acht Jahre verbrachten die Kontrahenten gemeinsam in einer Klasse: in der Amateurliga II West 1951/52 (SVM 2., TuS 11.), in der Amateurliga 8 in den Serien 1957/58 (6., 4.), 1958/59 (4., 5.), 1959/60 (5., 2.), 1960/61 (1., 2.), in der Landesliga 1978/79 (1., 13.), in der Oberliga Niedersachsen/Bremen 2000/01 (11., 18.) sowie in der Oberliga Niedersachsen West 2008/09 (4., 17.). Die Bilanz der Lingener kann sich sehen lassen mit fünf Siegen und sechs Niederlagen. Im NFV-Pokal-Wettbewerb hat der TuS seit 2000 die Nase sogar mit 2:1 vorn.

In der ersten gemeinsamen Serie (51/52) kämpfte der SVM trotz des 5:2-Erfolgs im Hinspiel (Bernd Robben schoss drei Tore) um den Klassenerhalt, den der Gastgeber nicht mehr schaffen konnte. Nach dem 0:0 musste Meppen ins Entscheidungsspiel gegen Haste und hielt die Liga.

Für große Kulissen sorgten die Derbys in den vier gemeinsamen Jahren in der Amateurliga 8 (56/57 bis 60/61). Die beiden emsländischen Klubs spielten eine starke Rolle. Der erste von vier Heimsiegen gelang Lingen im März 1958 vor 3000 Zuschauern an der Wilhelmshöhe (2:1). In der Hinrunde hatte der SVM 4:2 gewonnen.

1959/60 platzierte sich Lingen im internen Ligenrennen letztmals vor Meppen. Der TuS wurde Vizemeister dank einer starken Angriffsleistung mit 111 Treffern, der SVM, der in dieser Serie beide Derbys verlor und 13 Punkte weniger sammelte, belegte Rang fünf. Danach lieferten sich beide Teams im Kampf um den Titel und die Vormachtstellung im emsländischen Fußball ein packendes Rennen. Meppen hatte mit einem Punkt Vorsprung knapp die Nase vorn. Im Hindenburgstadion drehten „Männi“ Rocks und Gerd Sand die Partie in der Schlussphase. Im Rückspiel sorgte Hippel für die Lingener Führung, doch der spätere SVM-Manager Gerd van Zoest glich noch aus. Meppen holte den Titel und schaffte in der Aufstiegsrunde die Qualifikation zur Amateur-Oberliga West.

Die Wege der Klubs trennten sich für 18 Jahre. In der Saison 1970/71 betrug der Unterschied drei Klassen. Der TuS verkürzte mit vier Meisterschaften und drei Aufstiegen von 1971 bis 1975 auf eine Klasse. Denn der SVM war 1972 in die Regionalliga Nord hochgerückt, die er 1978 wieder verlassen musste. In dem Jahr trafen die Rivalen in der Landesliga aufeinander. Die Partien endeten Unentschieden. In Meppen hatten die rund 4000 Zuschauer, die damals Landesliga-Rekord bedeuteten, wenig Freude am Spiel. Im dichten Nebel sahen sie kaum etwas vom Derby. „Geisterspiel im Konturenkabinett“ titelte die Presse. Der Gast, in dessen Team mit Karl-Heinz Dankert, Heinrich Heine, Helmut Harlacher, Klaus-Dieter Jacobs oder Spielertrainer Klaus Iwanzik bekannte Akteure standen, ging durch einen Distanzschuss von Heinrich Krämer in Führung. Für den von Hans-Dieter Schmidt gecoachten Gastgeber glich Hubert Hüring aus. „Das wird unsere schwerste Aufgabe in diesem Jahr“, hatte der Torschütze schon vor der Partie geahnt. Im schwachen Derby sorgte der Unparteiische für Meppener Frust, weil er zwei Treffer nicht anerkannte.

Beim Duell in Lingen bekam Abwehrspieler Alo Weusthof, der später Trainer bei beiden Vereinen war, eine Sonderaufgabe. Er musste den torgefährlichen Hajo Schlömer an die Kette legen. Am Vatertag 1979 sorgten Scholz und Heine für die TuS-Führung. Beim 0:1 brach sich SVM-Keeper Bernd Kugler das Bein. Meppen schaffte durch späte Treffer von Hüring und Hermann Eiting den Ausgleich,

Es folgte der Meppener Höhenflug – elf Zweitligajahre inklusive. Die Lingener kamen nach dem Aufstieg in die Oberliga (3. Liga) 1991 bis auf eine Klasse heran. Aber erst 2000 trafen die Rivalen wieder aufeinander. In der Serie waren die Lingener chancenlos, die während der Saison auf finanzielle Konsolidierung setzten und sich gleich von einer kompletten Mannschaft trennten. Der SVM stellte einen Insolvenzantrag, blieb aber viertklassig. Vor 2000 Fans gewann der SVM das Heimspiel. Dabei hatte der spätere Meppener Metin Aydin das Team von Martin Rattka, in dem mit Jan Hüring, Bernfried Wiechers oder Damir Bujan Ex-SVM-Spieler standen (Ecco Vorholt lief sich angeschlagen nur warm), in Führung gebracht. Aber zweimal Metin Aydin und Ragne da Paixao sorgten in einem schwachen Derby für die Wende zugunsten der Elf von Alo Weusthof. „Ein Hauch von emsländischer Fußballdämmerung“, titelte die Emslandsportredaktion. Vor 1500 Zuschauern setzten sich die Meppener in einem trostlosen Spiel in Lingen mit dem neuen TuS-Trainer Branko Dragutinovic 3:0 durch. Tore: Michiel Adams, Jürgen Meyerrenken und Josef Schröer. „Wichtig sind die Punkte“, kommentierte der heutige TuS-Coach Wolfgang Schütte vorsichtig, der damals Ihrhove trainierte.

Vor dem nächsten Aufeinandertreffen in der fünftklassigen Oberliga Niedersachsen West in der Saison 2008/09 heizte der TuS die Stimmung an, weil der Gegner Elmar Bruns nicht zum Nachbarn wechsel ließ. „Eine Schweinerei“, erklärte TuS-Chef Gregor Menger, zumal der TuS in den Jahren zuvor sieben Jugendspieler nach Meppen ziehen ließ. Nach dem 3:2-Sieg Ende Januar 2009 sprach niemand mehr davon. SVM-Präsident Reinhard Meiners erklärte frustriert: „Die Meppen-Seele leidet. Das wird man dem SV noch in 50 Jahren vorhalten.“ Rainer Kremer hatte mit seinem zweiten Treffer in der Schlussminute für Lingener Glücksgefühle gesorgt und den SVM in die Hölle geschickt. Josef Arning hatte das Team von Georg Schultejans, der mit Tobias Fiedler einen neuen Libero aus dem Ärmel gezaubert hatte, in Führung geschossen, Stefan Raming-Freesen und Andreas Gerdes trafen für den Gast. Dessen Trainer Hubert Hüring dachte sogar über den Rücktritt nach.

Die Stimmung der Kreisstädter war auch nach dem Rückspiel nicht besser. Denn Josef Arning und Patrick Foppe glichen die Führung von Andreas Gerdes-Wurpts und René Wessels jeweils aus. Meppens Bernd Grotlüschen sah die Rote Karte. Und Lingens Manuel Wittmoser wunderte sich: „Vor dem Spiel ging es nur um die Höhe des Meppener Sieges.“ Doch zum Klassenerhalt reichten in dieser Saison auch vier Punkte gegen den „großen Bruder“ nicht.

Wenig Freude hatte der SV Meppen in den letzten Pokalpartien gegen den TuS. Von drei Begegnungen seit dem Jahr 2000 gewann der Gegner zwei. Zwar hatte SVM-Trainer Weusthof rechtzeitig zum Duell am 9. August 2000 die Freigabe für Ragne da Paixao erhalten, doch am Ende siegte die Mannschaft vom Thomas Böttche, der elf Jahre beim Gegner gespielt hatte. Michael Klose und Frank Kemper trafen für den TuS, Jürgen Meyerrenken glich zwischenzeitlich aus. Als Meppen die Chancen nicht nutzte, schlug Lingen zu.

Kein Erbarmen kannte der TuS-Trainer Schultejans, der mit der zweiten Mannschaft des SVM dreimal Meister geworden war und zweimal den Bezirkspokal gewonnen hatte, am 19. August 2003. Meppens Sportlicher Leiter Rainer Persike ahnte, dass der Gast gehörig motiviert sein würde: „Für Lingen ist es das Spiel des Jahres.“ Andreas Rudi, Dennis Brode, der sich als TuS-Torjäger einen Namen gemacht hat, sowie Mario Thale trafen zum 3:0. Ein geiles Gefühl“, lachte Norbert Koers, der später das Meppener Trikot trug. „Ein sportlicher Offenbarungseid“, sagte SVM-Präsident Frank Jehn fassungslos. Coach Andreas Helmer und Kotrainer Frank Faltin traten zurück. Jens Friedemann wurde Nachfolger.

Auf drei Siege gegen Meppen verwies Gregor Menger vor dem Pokalduell am 7. August 2007. Der TuS-Vizepräsident bezog gleich ein Freundschaftsspiel ein, bei dem Christoph Niemeyer im 28. Januar 2006 das einige Tor erzielt hatte. Die Glücksmomente zählten für das zumeist klassentiefere Team doppelt. Doch auf dem Rasen fehlte ein Quäntchen Glück im Elfmeterschießen. Manuel Wittmoser und Heinz Frimming, der noch immer für den TuS spielt, verschossen. Beim SVM sorgten die niederländische Fraktion mit Johan Wigger, der auch am Mittwoch dabei sein dürfte, René Wessels und Kevin Mooibroek sowie der Ungar Endré Varga für Nervenstärke.

Am Mittwoch sind die Karten neu gemischt. Aber: Pokalspiele und Derbys sollen bekanntlich ihre eigenen Gesetze haben...