Jahrhundertelf Rechte Abwehr-Kandidaten

02.11.2012, 14:00 Uhr

Aus diesen sechs Spielern können Sie per Telefon, SMS oder Postkarte den Abwehrspieler (rechts) der Jahrhundertelf wählen: Horst Bruns, Bernd Deters, Frank Faltin, Dieter Feuerpfeil, Gerd Heuermann, Wolfgang Hohmann. Weitere Informationen zu den Kandidaten finden Sie in der Bildbeschreibung.

Horst Bruns

beim SV Meppen von 1977 bis 1991

geb. 23. Oktober 1964

rund 500 Spiele für den SVM

weitere Vereine: TuS Haren, TuS Lingen

Eigentlich hätte man auch einen SVM-Chor des Jahrhunderts wählen können: Wie so viele seiner ehemaligen Mitspieler gerät auch Horst Bruns, der heute in Haren/Fehndorf lebt, immer noch ins Schwärmen, wenn er an den Aufstieg im Jahre 1987 denkt.

„Es standen 24 Leute im Kader. Klar, dass da jeder spielen wollte, aber das war eine völlig irre Nummer, als wir nach dem entscheidenden Sieg in Erkenschwick nach Hause kamen. Im Bus ging es eigentlich noch, aber was sich dann vor dem Stadion abspielte, vergisst Du nie wieder im Leben. Das Fahrzeug kam überhaupt nicht ins Stadion.“

Da waren einige Tausend gekommen, die dire Meppener Mannschaft feiern wollten. „Und dann kamen wir nicht wirklich mit dem Boden in Berührung, sondern wurden von der Menge getragen. Einmalig!“, stellt Bruns fest

In der Kneipe, so erzählt Bruns, ging es noch weiter. Selbst viele Spielerfrauen waren gekommen, um ihre Helden zu herzen.

Der ehemalige Verteidiger, der sich heute noch mit Tennisspielen und Rennradfahren fit hält, hat besonders gute Erinnerungen an seinen Zimmerkumpel Paul Caligiuri. „Ein total netter, toller Typ, mit dem mich immer ein sehr gutes Verhältnis verband. Wenn es zur medizinischen Untersuchung ging, fuhren wir immer zusammen. Leider ging Paul in die USA zurück. So haben wir heute keinen Kontakt mehr.“

Bernd Deters

beim SV Meppen von 1976 bis 2000 als Spieler und seit 2008 als Trainer

geb. 18. August 1961

rund 1000 Spiele für den SVM

weitere Vereine: Germania Twist - SF Schwefingen (Trainer)

Nachdem er 1976 im Alter von 14 Jahren von seinem Heimatverein Germania Twist zum SV Meppen wechselte, sollte Bernd Deters seine gesamte weitere Spielerkarriere dort verbringen. Wie viele Spiele Deters in seinen 24 Jahren beim SV Meppen bestritten hat, ist schwer zu schätzen, es dürften bis an die 1000 gewesen sein, darunter 276 Zweitligaspiele in denen er drei Tore erzielte. Besonders gerne erinnert sich der dynamische Fußballer hier an den 2:0-Sieg gegen Schalke 04 in der Saison 1990/1991 bei dem ihm beide Tore gelangen. „Sowas habe ich selten geschafft“, lacht Deters. Ferner ist ihm der 6:1-Pokalerfolg gegen Eintracht Frankfurt noch in bester Erinnerung.

Heute wohnt Deters in Schwefingen, wo er zeitweise als Trainer aktiv war. Inzwischen trainiert er mit großem Erfolg die Meppener C-Jugend, mit der er letztes Jahr erst die Meisterschaft feierte. Aufgrund seiner Nähe zum Verein pflegt er auch heute noch viel Kontakt zu ehemaligen Mitspielern, wie etwa Josef Menke, Robert Thoben, Jürgen Meiners, mit denen er früher auch noch das ein oder andere „Hobbyspiel“ bestritten hat. „Heute trifft man sich häufig auf Geburtstagen im Freundes- und Bekanntenkreis.“

Frank Faltin

beim SV Meppen von 1971 bis 1995 und von 1996 bis 1999 als Spieler, von 1999 bis 2003 als Trainer

geb. 22. November 1963

rund 1000 Spiele für den SVM

weiterer Verein: BV Cloppenburg

Für das Meppener Eigengewächs erfüllte sich spätestens mit dem Aufstieg in die Zweite Bundesliga 1987 ein Traum. Schon 16 Jahre zuvor begann er beim SVM.

Gut erinnert sich Faltin an eine Begegnung als SVM-Talent mit Klaus Basikow: Nach einem Training auf dem B-Platz lud der Herrencoach die Talente zum Elfmeterschießen gegen Bernd Kugler. „Ich habe den Ball versenkt“, lacht Faltin. Das passt zu seiner Laufbahn. Er gehörte schnell zur Kreis- und zur Niedersachsenauswahl. A-Jugendtrainer Rainer Persike schulte den offensiven Mittelfeldspieler und Stürmer Faltin nach einem Wachstumsschub zum Abwehrspieler um. „Er brauchte wohl einen kopfballstarken Verteidiger“, vermutet der Spieler, der sich auf der neuen Position schnell zurechtfand. Vielleicht, weil er genau wusste, wie die Gegenspieler dachten. Die Umstellung von der B- zur A-Jugend war groß. „Rainer Persike hat uns wie eine erste Mannschaft trainiert“, sagt Faltin, der gerade als gebürtiger Meppener hoffte, den Sprung in die Erste zu schaffen.

Das gelang beinahe reibungslos. Vor dem ersten Punktspiel war der Abwehrrecke gegen den FC Barcelona mit Weltstar Diego Maradona gefordert. Sein Gegenspieler war Quiny, der spanische Fußballer des Jahres 1979. Faltins erstes Highlight. Das zweite folgte sofort: Nach einer guten Vorbereitung kam er als 18-Jähriger schon im ersten Punktspiel gegen den FC St. Pauli zum Einsatz. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“ 30 Punktspiele absolvierte er in seiner ersten Herrensaison unter Trainer Hans-Dieter Schmidt. „Ich hab ihm und Rainer Persike viel zu verdanken“, weiß der Fußballer.

Die Meppener Mannschaft verbesserte sich Jahr für Jahr um ein oder zwei Plätze, wurde Nordmeister und stieg in die 2. Liga auf. „Wir haben uns keinen Kopf gemacht“, vermutet Faltin den fehlenden Druck als einen Grund. Der SVM ging locker an die Aufgabe. „Zum Spiel in Berlin sind wir mittags abgeflogen und noch in der Nacht zurückgekehrt. Das gäbe es heute wohl nicht mehr“, meint Faltin, Die Mannschaft hatte sich vorgenommen, mindestens bis zum letzten Heimspiel gegen die Hertha im Rennen zu bleiben. „Wir wollten eine volle Hütte.“ Das Stadion war ausverkauft. In Erkenschwick wurde der Aufstieg perfekt gemacht. „Wir haben eine Supersaison gespielt und sind in der Aufstiegsrunde ungeschlagen geblieben“, betont Faltin.

Dritter Höhepunkt war der erste Sieg beim VfL Osnabrück am 27. Oktober 1991. „Ich bekomme heute noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt „Falle“. „Das war ganz wichtig für uns Spieler und erst recht für die Fans.“ Zwei der ersten drei Derbys nach dem Aufstieg hatten die Meppener in Osnabrück äußerst unglücklich mit 2:3 verloren. Ein zwischenzeitliches 1:1 war kein Trost. Aber das 3:1 (Tore: zweimal Damir Bujan, einmal Arne Helmer) hat sich in die Erinnerung eingebrannt.

Nach einem Kurzgastspiel in Cloppenburg kehrte Faltin zu seinem Stammverein zurück. „Das war klar.“ Er spielte noch mit Josef Menke in der Zweiten, trainierte drei Jahre die A-Junioren und war unter Helmer Ko-Trainer der Ersten in der Regionalliga. „Ich bin immer Vereinsmitglied geblieben“, drückt er seine Verbundenheit aus. Seit 41 Jahren.

Dieter Feuerpfeil

beim SV Meppen von 1960 bis 1965

geb. 24. August 1941

rund 150 Spiele für den SVM

weitere Vereine: VfR Rheinsheim, SF Salzgitter

Dieter Feuerpfeil muss nicht lange überlegen. Höhepunkte seiner Zeit beim SV Meppen waren die Meisterschaft in der Amateurliga 8 und der zweite Platz in der Amateuroberliga Niedersachsen West drei Jahre später.

Der aus Rheinsheim in der Nähe von Karlsruhe nach Meppen umgezogene Abwehrspieler kickte noch ein Jahr in der SVM-Jugend. „Da habe ich sehr schnell Freunde gefunden“, erinnert er sich. In einer kleinen Stadt wie Meppen kannten sich die Spieler gut. Das öffentliche Interesse an Verein und Fußballern war vergleichsweise groß. „Ich habe mich hier immer wohl gefühlt.“

Trainer Horst Witzler war für die Entwicklung Feuerpfeils wichtig: „Er war das non plus ultra. Er hat viel verlangt, er hat uns aber auch viel gegeben“, sagt Feuerpfeil, der sich daran erinnert, dass Witzler nach (zu) vielen Gegentoren Sondertraining verordnete.

1965 zog Feuerpfeil aus beruflichen Gründen nach Salzgitter. Aber Meppen und besonders dem SVM ist er verbunden geblieben. Er besucht die meisten Auswärtsspiele der Emsländer in der Nähe von Salzgitter. Telefonisch hält er Kontakt zu Martin Wessels. „Wir sind gute Freunde.“

Gerd Heuermann

beim SV Meppen von 1983 bis 1994

geb. 26. Dezember 1967

rund 200 Spiele für den SVM

weitere Vereine: SC Osterbrock, Eintracht Nordhorn (Spieler) - Eintracht Nordhorn, Concordia Emsbüren (Trainer)

An die 2. Bundesliga hat Gerd Heuermann als Jugendspieler keinen einzigen Gedanken verschwendet. „Die war nie Thema.“ Umso überraschender verlief für ihn selbst die Entwicklung. Immerhin absolvierte der lange Abwehrrecke 110 Zweitligaeinsätze für Meppen, in denen er drei Tore schoss.

Heuermanns Laufbahn begann beim SC Osterbrock. In der Jugend wechselte er zum SVM, weil er dort höherklassig spielen konnte. „Aber damals habe ich auch nicht an die spätere Zeit bei den Herren gedacht.“ In der A-Jugend spielte er an der Seite von Eckhard Vorholt.

Als der SV Meppen ins Profigeschäft aufrückte, machte Heuermann gerade sein Abitur. „Mal schauen, wie es in der 2. Liga zugeht“, wollte er sich die Möglichkeit nicht entgehen lassen. „Aber es hätte ja auch sein können, dass es keinen Sinn gemacht hätte“, blieb er vorsichtig. Doch es passte. „Ich war zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, grinst er.

Und der SV Meppen blieb länger als von vielen erwartet in der Zweiten Bundesliga. „Uns hat der Ehrgeiz ausgezeichnet, die Bereitschaft, immer alles zu geben. Wir waren vielleicht nicht die begnadeten Fußballer, aber wir wussten, was uns stark macht.“ Meistens kämpfte der SVM um den Klassenerhalt. „Es war oft sehr spannend.“

In der Anfangsphase nach dem Aufstieg war für Heuermann die Verpflichtung von Paul Caligiuri und Marko Myyry wichtig. „Zwei Volltreffer.“

„Es war damals einfach eine geile Zeit“, erinnert sich Heuermann, der heute den Bezirksligisten Concordia Emsbüren trainiert. Die Spiele gegen den VfL Osnabrück, das 0:0 im November 1988 auf Schalke oder die Tore von Bernd Deters beim 2:0 gegen die „Knappen“ am 9. September 1990. „Als wir zu den Heimspielen gekommen sind, waren oft schon tausende Spieler im Stadion“, erinnert sich Heuermann. Doch am ersten Spieltag der Saison 1992/93 endete die Karriere unerwartet: Gleich zu Beginn der Partie in Braunschweig prallte der Emsländer mit einem Gegenspieler zusammen. Den Namen weiß Heuermann nicht mehr, nur das Datum: „Es war der 11. Juli.“ Der Meppener zog sich schwere Verletzungen zu, musste mehrfach operiert werden. „Eine zeitlang konnte ich den rechten Fuß nicht richtig bewegen.“ Seine Zweitliga-Laufbahn war beendet. Aber verbittert ist der stets gut gelaunte Heuermann nicht.

Wolfgang Hohmann

beim SV Meppen von 1974 bis 1988 und von 1990 bis 1993

geb. 24. Dezember 1963

rund 550 Spiele für den SVM

weitere Vereine: Grenzland Twist, TuS Lingen (Spieler) - Concordia Schöninghsdorf, SC Adorf, SV Neugnadenfeld, Grenzland Twist (Trainer)

Das lädierte Knie lässt es heute nicht mehr zu, dass der einstige Verteidiger noch gegen die Kugel tritt. Aber Wolfgang Hohmann erinnert sich zuerst an die tolle Jugendzeit bei den Blau-Weißen:

„Das war schon prima, dass da jedes Mal Rainer Persike, Gerd van Zoest, Paul Schmolke,

Josef Niemann, Werner Schaa oder der kürzlich verstorbene Eddi Vehring mit ihrem Auto vor der Tür standen und mich abholten. Das war so verlässlich und machte vor allen Dingen menschlich den Verein aus.“

Wie für alle ehemalige Spieler war auch für Hohmann der Aufstieg in die Zweite Bundesliga 1987 die aufregendste Zeit im Verein. Dazu kam natürlich das Spiel gegen den FC Barcelona mit Trainer Udo Lattek. „Ich war an dem Abend gegen Barcelona meistens im Mittelfeld unterwegs, hatte keinen direkten Gegenspieler. Aber Du wusstest, dass dort eine Truppe auf der anderen Seite stand, gegen die man nie wieder spielen würde. Der Aufstieg und dieser Abend bleiben immer haften.“

Großes Lob verteilt Hohmann vor allen Dingen an die beiden Trainer Hans-Dieter Schmidt und Rainer Persike: „Beide haben aus uns herausgeholt, was nur ging. Das war sportlich wie menschlich große Klasse.“

Heute trifft Hohmann seine ehemaligen Mitspieler nur noch selten: „mal durch Zufall in der Stadt

oder bei einem Spiel.“