Eine Saisonbilanz Dem SV Meppen fehlte Personal und Konstanz

Von Uli Mentrup | 03.06.2016, 19:00 Uhr

Der SV Meppen verfehlt das Saisonziel in der Regionalliga Nord als Fünfter um einen Rang. Doch die blau-weiße Gemeinde trägt Trauer. Die Enttäuschung ist wohl auch größer als sonst, weil die Spannung früh wie selten weg und der Abstand nach Punkten zur Spitze groß war.

Der Rückstand auf Tabellenführer VfL Wolfsburg II, der erneut die Drittliga-Qualifikation verpasste, betrug am Ende satte 24 Punkte. Wegen einiger ausgefallener Spiele hinkte der SVM von Beginn an in der Tabelle hinterher. Beste Platzierung war Rang zwei nach dem Heimsieg gegen den BV Cloppenburg nach dem fünften Spieltag, schlechteste Position acht nach dem ersten und dritten Spieltag.

Die Verletztenmisere

Ein unglaubliches Phänomen, das fast die ganze Saison, aber insbesondere die Rückrunde überschattete. „So etwas habe ich noch nie nicht erlebt“, sagt Trainer Christian Neidhart. Er musste vor allem in der Defensive oft umstellen. Das ist eine Erklärung für etliche individuelle Fehler, die zu insgesamt 42 Gegentoren führten – zu viele für ein Topteam, das in den ersten 17 Spielen nur 16 Treffer kassierte. Etliche Spieler fielen mehrere Monate aus wie etwa Max Kremer, Dennis Geiger, Johan Wigger, Thorben Deters oder Marcel Thomas. In Hildesheim fehlten vor dem Anpfiff acht Spieler, die zum größten Teil zum Stamm zählten, nach dem Schlusspfiff sogar zehn. „Bei einem Training waren nur neun Spieler da“, erinnert sich Kotrainer Mario Neumann.

Der Höhepunkt

Der 1. FC Köln erwies sich als attraktiver Gegner in der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde. Die Kasse klingelte bei ausverkauftem Haus. Allerdings passte schon dieses Highlight irgendwie zur Saison. Nach dem frühen 0:1 und der umstrittenen Roten Karte gegen Torwart Benny Gommert vor dem 0:2 hielt die Spannung auch in diesem Wettbewerb nicht lange. Die besten Punktspiele zeigte der SVM in der Rückrunde gegen spielstarke Konkurrenz wie in Flensburg oder in Braunschweig. Dort wirkte er abgeklärt und ausgesprochen spielfreudig.

Die Tiefpunkte

Der DFB-Pokal machte Appetit auf den nächsten Auftritt auf der nationalen Bühne. Doch da muss der SVM wieder Hunger leiden. Denn die 1:4-Niederlage beim Oberligisten Egestorf/Langreder sorgte für eine unsanfte Bodenlandung und Missstimmung. Im Punktspielbetrieb setzte der SVM fast alle Hoffnung in der zwingend erforderlichen Aufholjagd auf die Heimpartie gegen den VfB Oldenburg zu Beginn der Rückrunde. Die 1:5-Pleite ausgerechnet im Bezirksderby gegen den ungeliebten Rivalen wirkte wie ein Tiefschlag. „Ein kollektiver Blackout“, erkannte Trainer Christian Neidhart. Danach war die Stimmung endgültig im Keller.

Unnötige Niederlagen

Höhere Ambitionen verspielte der SVM etwa bei den unnötigen Niederlagen in St. Pauli, in Goslar oder gegen Havelse. Bei Hannover 96 II oder in Hildesheim – jeweils ohne acht Akteure – wurde die letzte Entschlossenheit vermisst. Ausgerechnet in der Offensive, die es immerhin auf 57 Tore brachte (viertbester Liga-Wert), fehlte es hier an Durchschlagskraft. Ansonsten erfüllte sie die Tor-Aufgaben weitgehend.

Starker Start

Mit 23 Punkten aus zehn Spielen sorgte der SVM für den besten Start unter Neidhart. Doch in den zwei Mal zwölf Partien danach reichte es nur noch zu jeweils 16 Zählern. Zunächst stand der SVM kompakter, gewann Spiele, die auf der Kippe standen, wie etwa gegen Hildesheim (2:0). Danach fehlte die Konstanz. Gerade gegen die zumeist defensiv orientierten Gegner fand er nicht immer spielerische Lösungen. Oft setzte er auf lange Bälle, war leichter auszurechnen. Insgesamt zeigt sich Neidhart angesichts schwieriger Bedingungen aber nicht unzufrieden mit der Bilanz gegen die defensive Konkurrenz. Selbst Weiche Flensburg baute trotz noch vorhandener Titelambitionen im Emsland auf eine handfeste Abwehrstrategie.

Vierter der Heimbilanz

Zwölf Mal spielte der SVM zu null (Oldenburg 20, Flensburg 14, Drochtersen 14, Wolfsburg 13). Daheim verlor der Meppen nur zwei Partien, musste sich aber mit fünf Remis begnügen. In der Heimbilanz reichte es mit 35 Punkten zu Rang vier, auswärts war der SVM mit 20 Zählern Achter.

Die Zuschauer

Der Schnitt sinkt auf 1251 Zuschauer pro Heimspiel. Der schlechteste Wert seit der Saison 2000/01 (1088). Es kamen rund 140 Fans weniger pro Partie in die Hänsch-Arena als in der vergangenen Saison. Nach dem Spiel gegen Oldenburg mit der Bestmarke von 3489 Zuschauern lockte nur das unmittelbar folgende Derby gegen Cloppenburg noch eine vierstellige Kulisse. In den letzten sechs Partien blieb der Besuch dreistellig.