Frings: Jeder darf Tore schießen Abwehrspieler des SV Meppen gefährlich wie nie

Da jubeln die Abwehrspieler Yannick Osée, Lars Bünning und Jeron Al-Hazaimeh (hinten v.l.) mit Mittelfeldspieler Marcus Piossek.Da jubeln die Abwehrspieler Yannick Osée, Lars Bünning und Jeron Al-Hazaimeh (hinten v.l.) mit Mittelfeldspieler Marcus Piossek.
Werner Scholz

Meppen. „Bei mir darf jeder Spieler ein Tor schießen. Das ist nicht verboten“, sagt Trainer Torsten Frings. Diese Einladung haben besonders viele Fußballer des SV Meppen angenommen, die sonst eher selten vorn in der Torjägerliste auftauchen.

Die interne Torjägerliste: Dass der SVM nicht über den Toptorjäger verfügt wie in den vergangenen Jahren mit Benjamin Girth (19 Treffer), Nick Proschwitz (14) oder Deniz Undav (17), wissen die Fans. Im internen Ranking ergibt sich aktuell ein ganz anderes Bild: Sechs Spieler liegen mit jeweils drei Treffern vorn: Lars Bünning, René Guder, Luka Tankulic, Hassan Amin, Valdet Rama und Steffen Puttkammer. Auffällig: Bünning, Amin und Puttkammer, der gegen Bayern II einen Doppelpack schnürte, sind Abwehrspieler. Aus der Viererkette im Defensivverbund haben auch Janik Jesgarzewksi, Yannick Osée und Jeron Al-Hazaimeh getroffen.

12 von 32 Toren

In dieser Saison haben Meppens Spieler aus der defensiven Viererkette so viele Tore erzielt wie nie zuvor in der 3. Liga. Nach 29 Partien sind es zwölf von insgesamt 32 – also knapp 40 Prozent. In der Saison 2019/20 waren es sieben von 69, davor sechs von 48, im Aufstiegsjahr gerade vier von 50. Ein bemerkenswerter Wandel.

Bei Standards immer gefährlich

Das sagen Frings und Puttkammer: „Neun von zwölf Toren nach Standards. Das sagt alles“, erklärt der Trainer. Bei Standardsituationen seien die Abwehrspieler immer vorne. „Da sind sie gefährlich aufgrund ihrer Körpergröße.“ Defensivspieler könnten sich situativ auch im Spiel mit nach vorn einschalten.

Zahlenspiele

  • Bei Spielen, in denen nur Abwehrspieler getroffen haben, hat der SV Meppen zwölf Punkte geholt. Wenn nur Offensivspieler trafen, waren es elf.
  • In den ersten sechs Partien hat kein Abwehrspieler ein Tor geschossen. Die letzten drei Treffer haben Defensivakteure erzielt. Offensivspieler warten schon seit fünf Spielen auf ein Tor.
  • Die Abwehrrecken erzielten zehn der zwölf Tore in der Hänsch-Arena.

„Das ist eine Qualität“

Im Vergleich zu den vergangenen Jahren habe sich bei den Standards „nichts großartig verändert“, meint Abwehrrecke Steffen Puttkammer. Torwarttrainer André Poggenborg habe nach Absprache im Trainerteam die Aufgabe federführend übernommen. Vergangene Saison sei mehr aus dem Spiel heraus passiert. Jetzt gehe viel über Standards. Dabei verfüge der SVM über mehrere Spieler, Cdie Tore schießen können. Das ist eine Qualität.“

Werner Scholz
Torjubel Marke Steffen Puttkammer.

Schützen werden eingeteilt

Die Standards: „Standardsituationen sind eine wichtige Möglichkeit für uns Tore zu erzielen“, betont Frings. „Darüber geht in der Liga viel“, ergänzt Puttkammer. „Wir legen großen Wert darauf.“ Sie sind offensiv und defensiv fester Bestandteil des Trainings. „Die Spieler, die die ruhenden Bälle im Spiel treten, machen es auch im Training.“ Zuletzt meist Luka Tankulic und Hassan Amin. „Wir haben mehrere Standardschützen, aber vor dem Spiel wird das klar eingeteilt“, betont Frings.

Werner Scholz
Zuständig für Standards ist Luka Tankulic (am Ball).

Laufwege einstudieren

Das Training: Beim Üben geht es darum, Laufwege einzustudieren, damit die Spieler wissen, „in welcher Zone sie sein müssen“, sagt Frings. „Wenn die Ecken nicht kommen, kann man noch so gut einlaufen“, ergänzt Puttkammer. Für den 32-Jährigen ist die Gegneranalyse, mit der sich die Spieler nach der offiziellen Besprechung noch individuell beschäftigen, genauso wichtig: „Wie verteidigt er, ist es eine Raumdeckung, eine Manndeckung oder eine gemischte Raum-Manndeckung. Da sprechen wir uns genau ab.“ Thema könne auch sein, wie „wir einen Gegenspieler aus dem Spiel nehmen.“

Werner Scholz
Gefragt als Standardschütze: Hassan Amin.

Nicht ausrechenbar werden

Die Varianten: Weil der Gegner sich intensiv mit dem SVM beschäftigt, brauchen die Emsländer verschiedene Varianten. Sonst würden sie zu leicht ausrechenbar. Bayern-Trainer Holger Seitz etwa wies seine Abwehr mehrfach lautstark darauf hin, dass Marcus Piossek sich zum langen Pfosten orientiere. „Wir haben immer mehrere Möglichkeiten“, betont Frings.

Training im Mannschaftsverbund

Kein Sondertraining: Die Standards werden im Mannschaftsverbund trainiert. Ein Sondertraining, um Abwehrspieler torgefährlicher zu machen, gibt es nicht. Puttkammer achtet gerade nach überstandener Knieverletzung auf Stabilisations- und Kraftübungen. „Das gibt mir ein gutes Gefühlt auch bei Standards.“


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