Verunreinigung im Derby-Zug nach Osnabrück Westfalenbahn: Toiletten wegen Vandalimus automatisch gesperrt

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Am Samstag sollen alle Toiletten im Entlasterzug der Westfalenbahn verschlossen gewesen sein. Symbolfoto: Dieter KremerAm Samstag sollen alle Toiletten im Entlasterzug der Westfalenbahn verschlossen gewesen sein. Symbolfoto: Dieter Kremer

Osnabrück. Nach den Vorfällen am vergangenen Samstag im Osnabrücker Bahnhof, als einige Personen in den Zug urinierten, wird deutliche Kritik an der Westfalenbahn laut. Nach Angaben von mehreren Personen seien alle Toiletten im Zug verschlossen gewesen. Die Westfalenbahn bestätigt auf Anfrage gesperrte Toiletten.

Ein Mann aus Dörpen, der anonym bleiben möchte, hat sich am Dienstag telefonisch bei der Emslandsportredaktion gemeldet. Sein 16-jähriger Sohn sei in dem Entlasterzug, der zum Drittligaderby zwischen dem VfL Osnabrück und dem SV Meppen eingesetzt wurde, mitgefahren. Nach den Schilderungen seines Sohnes hätten einige Mädchen und Frauen im Zug aus Verzweiflung geweint, weil sie zwei Stunden lang nicht zur Toilette gehen konnten. „Es war keine einzige Toilette offen“, so der Vater. Nach seinen Worten waren sie abgeschlossen. Der Anrufer ärgert sich: „Die Jungs werden jetzt dargestellt, als ob sie sich nicht benehmen können.“ Aber man habe gar keine andere Wahl gehabt, als in die Ecke zu gehen. „Sollen die sich in die Hose machen?“, fragt der Vater.

Nach Ausfahrt weitere Sperrungen

In einer Pressemitteilung verteidigt die Westfalenbahn am Dienstag ihr Vorgehen. Auf der mittleren Zug-Traktion, heißt es dort, habe es bereits vor Abfahrt Probleme gegeben, sodass diese Toilettenbereiche gesperrt waren. "Circa 20 Minuten nach der Ausfahrt Meppen erfolgten aufgrund von Vandalismus weitere automatisierte Toilettensperrungen", so eine Sprecherin der Westfalenbahn.

Auch bei der Ankunft in Osnabrück sei es nach Angaben des Anrufers nicht möglich gewesen, auf die Toilette zu gehen. Nach dem Aussteigen sei die Gruppe der Bahnreisenden sofort von der Polizei zu den Bussen geführt worden. Man habe die Gruppe nicht verlassen dürfen, um zur Toilette gehen zu können oder um etwas zu essen, so der Anrufer. „Es muss doch die Möglichkeit geben, einmal austreten zu können, um seinen Bedürfnissen nachzugehen“, ärgert sich der Vater. „Irgendwo hört es auf.“

"Niemand konnte auf die Toilette"

Auf der Facebookseite der Meppener Tagespost und in Mails an die Emslandsportredaktion stützen mehrere Personen die Version des Anrufers. "Es waren Frauen, Kinder, Senioren im Zug. Niemand konnte irgendwie auf die Toilette", kommentierte "Florian Peters" den Artikel auf der Facebookseite der Meppener Tagespost.



Tobias Sedlatschek aus Meppen, der mit einer Gruppe von sechs Erwachsenen und zwei Kindern im Zug saß, bestätigt die Aussagen des Anrufers aus Dörpen. Zum Unmut aller Bahn reisenden seien sämtliche Toiletten auf dem Hin- und Rückweg verschlossen gewesen. „Angeblich ein technisches Problem“, sagt Sedlatschek. Man könne sie elektronisch momentan nicht ent- und verriegeln, habe es geheißen. Viele Personen seien auf der Suche nach einer Toilette von vorne nach hinten durch den Zug gerannt und hätten offensichtlich Probleme gehabt. Am Bahnhof in Lingen seien Hunderte nach dem Halt aus dem Zug gestürmt, um sich zu erleichtern. „Sie hätten mal die beschämenden Blicke von anderen Reisenden in Lingen am Bahnhof sehen müssen.“ 

Mulmige Aktion

Das Zünden der Pyrotechnik im Zug erlebte Sedlatschek hautnah mit: „Wir saßen direkt daneben und haben diese Gruppe wohl mitbekommen.“ Aber identifizieren könne man die mutmaßlichen Täter nicht, ergänzt er. „Sie haben gewartet, bis der Zug fast leer war, und dann irgendwas angezündet.“ Weil sich eine Tür nicht öffnen ließ, sich beim Aussteigen ein Rückstau bildete und die Rauchentwicklung schnell größer wurde, löschte Sedlatschek mit seinem Getränk die Pyrotechnik. Zusätzlich wurde es ausgetreten. Einen Feuerlöscher habe es nicht gegeben. „Wenn der Zug noch voller gewesen wäre, hätte es ganz schnell zu einer Panik kommen können. Erst recht, wenn jemand gestolpert wäre.“ Das sei eine sehr mulmige Aktion gewesen, so Sedlatschek. „Alle mussten sich ihre Schals vor den Mund halten, weil es so stark gequalmt hat.“

Zug wurde gereinigt

Daniel Hunfeld, Sprecher der Bundespolizei Bad Bentheim, hatte am Montag berichtet, dass der Zug der Westfalenbahn während des Spiels gereinigt werden musste, weil unter anderem in den Zug uriniert worden sei.

Fast 1000 bahnreisende Fans aus dem Emsland registrierte die Polizei am Samstag. Etwa 700 von ihnen nutzten den Entlasterzug des SV Meppen. „Man muss auch sagen, dass sich die Masse gut benommen hat“, sagt Hunfeld. Etwa 20 Chaoten hatten für fünf Körperverletzungen, acht gefährliche Körperverletzungen, drei Beleidigungen, acht Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz und eine Brandstiftung gesorgt.

Zwölf Sicherheitskräfte im Zug

Nach Angaben der Westfalenbahn wurde der Zug von einem Kundenbetreuer der Westfalenbahn, zwölf Sicherheitskräften und zwei Beamten der Bundespolizei begleitet. Der Brand habe zwischen 40 und 60 Sekunden gedauert. Die Bundespolizei habe einen Brandtrupp angefordert, doch der Brand sei schon gelöscht gewesen. "Die Türstörung lag bereits vor Abfahrt des Zuges vor und war mit einer entsprechenden Beschilderung versehen."

Flaschenwurf vor dem Lautern-Spiel

Bereits am 15. Dezember ist es vor dem Drittligaspiel des SV Meppen gegen den 1. FC Kaiserslautern in der Meppener Innenstadt zu einem Zwischenfall gekommen. Gegen kurz vor 12 Uhr warf ein bislang unbekannter Täter aus dem Fanmarsch der Meppener Szene heraus eine volle Bierflasche auf einen Polizeibeamten. In Höhe des Kinos an der Hasestraße war es kurz nach Marschbeginn zu einer Auseinandersetzung gekommen. Der zivile Beamte wollte dabei schlichtend eingreifen. Dabei wurde er von einer offenbar gezielt geworfenen Bierflasche an der Schulter getroffen und erheblich verletzt. Die ersten Ermittlungen ergaben, dass die Flasche vermutlich von einem Täter geworfen wurde, der nicht aus engeren Fanszene stammen dürfte. Die Beamten gehen davon aus, dass es sich vielmehr um einen Mitläufer handeln müsste. Hinweise, die zur Identifizierung des Unbekannten führen könnten, werden unter der Rufnummer 05931/9490 entgegengenommen.


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