Fanhilfe Karlsruhe beklagt sich "Entwürdigende Kontrollen"? SV Meppen weist Kritik zurück

Beim SVM-Heimspiel gegen den KSC waren unter den 6521 Zuschauern offiziell etwa 500 Gästefans. Foto: Werner ScholzBeim SVM-Heimspiel gegen den KSC waren unter den 6521 Zuschauern offiziell etwa 500 Gästefans. Foto: Werner Scholz

Meppen. Nachspiel in der 3. Liga: Neun Tage nach dem Heimauftritt des SV Meppen gegen den Karlsruher SC (2:3) kritisiert die Fanhilfe Karlsruhe öffentlich die dortigen Einlasskontrollen. Der SV Meppen und die Polizei weisen die Vorwürfe zurück.

Von „entwürdigenden Kontrollen“ schreibt die Fanhilfe auf ihrer Facebookseite. Vor allem weibliche Fans sollen betroffen gewesen sein. „Fans, die das Stadion betreten wollten, wurden teilweise in einen separaten Container geführt und mussten dort ihre Hosen herunterlassen und den Oberkörper entblößen", heißt es. Besonders bei Frauen sei es zu gezielten Griffen zwischen die Beine sowie unter den BH gekommen. "Erst mit dem Eintreffen der aktiven Fanszene konnten durch Vermittlung der Fanhilfe, Fanprojekt und Fanbetreuung die Kontrollen auf das Abtasten der Kleidung und Öffnen der Jacken reduziert werden." 



Man habe Verständnis für die Sicherheitsbestrebungen rund um ein Fußballspiel und damit verbundenen Einlasskontrollen, so die Fanhilfe. "Solange dabei die Würde der Stadionbesucher gewahrt wird. Bei 'Intensiv- oder Nacktkontrollen' ist das definitiv nicht der Fall“, heißt es dazu in der Stellungnahme.

Kontrolle im Container

SVM-Geschäftsführer Ronald Maul weist die Vorwürfe deutlich zurück: "Es sind ein paar Sachen so formuliert, die nicht der Wahrheit entsprechen." Das könne man so nicht stehen lassen, ergänzt er. Bei dem besagten Spiel hätten definitiv keine Einzelkontrollen an weiblichen Fans stattgefunden, betont Maul. Für Frauen gebe es zwar einen eigenen Eingang, der gegen Karlsruhe aber gar nicht genutzt worden sei. 

Dass beim SV Meppen im Zuge der Sicherheitsthematik ein Container angeschafft wurde, der im Gästebereich steht, bestätigt der Geschäftsführer. "Der ermöglicht es uns, einzelne Fans separat zu kontrollieren." Stichprobenartig würden dort Gästeanhänger kontrolliert. Sie würden unter anderem aufgefordert, ihre Jacken zu öffnen und laut Maul hin und wieder auch, ihre T-Shirts oder Pullover hochzuziehen. Das sei aber üblich, mache jeder Verein und gebe es in jedem Stadion. "Einige Vereine machen das in Zelten, die als Sichtschutz dienen."

Ronald Maul in der Halbzeitpause des Karlsruhe-Spiels im Interview mit dem übertragenen Sender. Foto: Lars Schröer


Nach eigener Aussage will die Fanhilfe, die telefonisch nicht zu erreichen war, nun rechtliche Schritte prüfen. Sie bittet alle Betroffenen aus Meppen, sich bei ihr zu melden, damit man Rechtsmittel gegenüber dem dortigen Ordnungsdienst prüfen könne. Sie fordert den SV Meppen auf, das eigene Sicherheitskonzept zu hinterfragen. Maul kündigt gegenüber der Emslandsportredaktion an, dass man weiter an dem Sicherheitskonzept mit stichprobenartigen Einzelkontrollen festhalten werde. "Es ist nicht zu beanstanden und hat aus unserer Sicht auch funktioniert." Im Übrigen sei die Situation für die Karlsruhe-Fans nichts Neues, da sie die Kontrollen bereits aus der letzten Saison kannten. Es habe bei dem Spiel vor Ort auch keine Eskalation gegeben. 

Zudem war ein neutraler Beobachter des DFB im Stadion, weil die Partie im Vorfeld als Risikospiel eingestuft worden war. "Der war die ganze Zeit vor Ort und hat nichts in irgendeinen Bericht geschrieben, was in diese Richtung gehen könnte", sagt Maul.   

Polizei: Keine Anzeige im Kurvengespräch

Die Polizei stützt diese Angaben. In welcher Art und Weise der Ordnungsdienst die Individualkontrollen durchgeführt hat, könne seitens der Einsatzleitung nicht gesagt werden, teilte Einsatzleiter Klaus Albers mit. "Übergriffe oder Hinweise auf respekt- oder würdelose Behandlungen von KSC-Fans sind der polizeilichen Einsatzleitung nicht bekannt geworden und wurden auch nicht angezeigt." Darauf habe der Vertreter des KSC-Fanprojektes in dem sogenannten Kurvengespräch mit Vertretern des DFB, der Polizei und des SV Meppen in der Halbzeitpause nicht hingewiesen. "Solch ein unterstelltes Verhalten der Ordner bzw. Ordnerinnen ist der Polizei auch aus vorherigen Fußballbegegnungen nicht bekannt geworden. Im Gegenteil: die Polizei bescheinigt dem Sicherheitsteam des SV Meppen professionelles Vorgehen." Albers verweist darauf, dass der SV Meppen laut Stadionordnung Individualkontrollen durchführen lassen kann. Diese Kontrollen könnten zwar von Besuchern abgelehnt werden, dann sei aber kein Zugang in das Stadion möglich. Für Einlasskontrollen zeichnet im Übrigen nicht die Polizei, sondern der Veranstalter verantwortlich. In diesem Fall dem SV Meppen, der den Ordnungsdienst damit beauftragt.   

Komplett andere Sichtweise

Als schade und bedenklich stuft Maul die Form der Kommunikation der Fanhilfe ein. Für ihn sei dieser Schritt überraschend: "Logischerweise haben wir da eine komplett andere Sichtweise." Fünf Tage nach dem Spiel habe man ein entsprechendes Schreiben mit der Bitte um eine Stellungsnahme bekommen, so Maul. Daraufhin habe man sich mit den handelnden Personen und den Organisationen, die rund um das Spiel dazugehören, darauf verständigt, wie man mit der aktuellen Situationen umgehe. Der SVM wollte das Thema nicht aufbauschen, um die Diskussion nicht in eine falsche Richtung zu lenken. Sondern die Anfrage beantworten, doch nun ging die Fanhilfe mit dem Thema an die Öffentlichkeit. Für Maul der falsche Weg. 

Seit dem Aufstieg greift der SV Meppen auf einen professionellen Ordnungsdienst zurück. "Weil der auch die vom DFB geforderten Schulungen und Richtlinien sowie Prüfungen machen muss", erklärt Maul. Entsprechende Nachweise müssten geführt werden. 

Der Gästeblock auf der Meppener Nordtribüne ist von dem Bereich der heimischen Fans durch einen Zaun getrennt. Das Bild entstand beim Heimspiel gegen 1860 München. Foto: Dieter Kremer


Fans mit Stadionverbot angehalten

Auch außerhalb des Meppener Stadions soll es zu Problemen gekommen sein. Neun mit Stadionverboten belegte KSC-Fans wollten die Begegnung offenbar in einer Kneipe in Meppen verfolgen. Auf dem Weg dorthin wurde die Gruppe offenbar von der Polizei angehalten und auf direktem Weg zurück zum Gästeparkplatz gebracht. Dort soll es weder die Möglichkeit gegeben haben, das Spiel zu verfolgen, noch Essen oder Trinken zu erwerben. Auch der Gang zur Toilette soll laut Fanhilfe nicht möglich gewesen sein. "Nach unseren Informationen hatte man einen Tisch in einer Fangaststätte irgendwo in Meppen gebucht", so Maul. Weil die aber auch die gängigen Anlaufstellen für die Meppen-Fans seien, sei das von der Polizei nicht zugelassen worden. "Nach Einschätzung der polizeilichen Einsatzleitung hätten diese Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit Provokationen und gegebenenfalls Konfrontationen zwischen den Fanszenen und einen erhöhten Kräfteansatz der Polizei verursacht", begründet die Polizei diese Entscheidung. Für die Dauer des Fußballspiels sei ein mündliches Aufenthaltsverbot für den Bereich der Innenstadt ausgesprochen, sagt Einsatzleiter Albers. "Die Gruppe konnte sich aber auf dem Parkplatz vor dem Gastbereich der Hänsch-Arena aufhalten. Eine Versorgung über andere Gästefans zum Beispiel mit über den Zaun gereichten Getränken war somit gewährleistet und wurde auch durchgeführt. Entsorgungsmöglichkeiten waren in dem Bus, mit dem sie angereist waren und der in unmittelbarer Nähe auf dem Parkplatz stand, ebenfalls gegeben.“   

Am 10. November gastierte der Karlsruher SC beim SV Meppen.

Die Karlsruher Fanhilfe wurde im Januar dieses Jahres gegründet, um bei Problemen mit Polizei und Justiz Unterstützung zu bieten. in zahlreichen Fanszenen in Deutschland gibt es die Fanhilfe schon. Die deutschen Fanhilfen stehen untereinander in Kontakt und treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Austausch. 


Die Stellungnahme der Polizei im Wortlauf:

„Die Kontrollen von Personen am Einlass oder innerhalb des Stadions obliegen dem Veranstalter, hier dem SV Meppen bzw. den von ihm beauftragten Personen bzw. Ordnern. Nach der allgemein zugängigen Stadionordnung der Stadt Meppen für das Stadion kann der SV Meppen auch Individualkontrollen von Personen (z.B. bei Fußballspielen) durchführen (lassen). Nach der Verordnung können diese Kontrollen zwar abgelehnt werden, dann ist aber kein Zugang in das Stadion möglich. In welcher Art und Weise der Ordnungsdienst des SV Meppen beim Spiel gegen den KSC diese sog. Individualkontrollen durchgeführt hat, kann seitens der Einsatzleitung nicht gesagt werden. Übergriffe oder Hinweise auf respekt- oder würdelose Behandlungen von KSC-Fans sind der polizeilichen Einsatzleitung nicht bekannt geworden und wurden auch nicht angezeigt. Der Vertreter des KSC-Fan-Projektes hat in dem sog. Kurven-Gespräch mit Vertretern des DFB, der Polizei und des SV Meppen in der Halbzeitpause darauf nicht hingewiesen. Solch ein unterstelltes Verhalten der Ordner bzw. Ordnerinnen ist der Polizei auch aus vorherigen Fußballbegegnungen nicht bekannt geworden. Im Gegenteil: die Polizei bescheinigt dem Sicherheitsteam des SV Meppen professionelles Vorgehen.

Für die Sicherheit außerhalb des Stadions zeichnet grundsätzlich die Polizei verantwortlich. Am Einsatztag wurden, wie bei Risikospielen üblich, die Gästefans mit ihren Fahrzeugen und Bussen auf den dafür vorgesehen Gästeparkplatz gelotst. Einer der Busse hielt aber kurzfristig an und ließ neun Personen, wie sich später herausstellte, handelte es sich um Stadionverbotler, aussteigen. Nach eigenen Angaben beabsichtigten diese, am Haupteingang des SV Meppen, also am Eingang der heimischen Fanszene vorbei in die Innenstadt von Meppen gehen. Angeblich sei dort eine Gaststätte angemietet worden. Nach Einschätzung der polizeilichen Einsatzleitung hätten diese Personen mit hoher Wahrscheinlichkeit Provokationen und ggf. Konfrontationen zwischen den Fanszenen und einen erhöhten Kräfteansatz der Polizei verursacht. Der Gruppe der Stadionverbotler wurde deshalb zur Verhinderung von Gefahren, die sich aus dieser Gruppe heraus oder gegen diese Gruppe ergeben hätten (z.B. durch Meppener Fans), für die Dauer des Fußballspiels ein mündliches Aufenthaltsverbot für den Bereich der Innenstadt ausgesprochen. Die Gruppe konnte sich aber auf dem Parkplatz vor dem Gastbereich der Hänsch-Arena aufhalten. Eine Versorgung über andere Gästefans z.B. mit über den Zaun gereichten Getränken war somit gewährleistet und wurde auch durchgeführt. Entsorgungsmöglichkeiten waren in dem Bus, mit dem sie angereist waren und der in unmittelbarer Nähe auf dem Parkplatz stand, ebenfalls gegeben.“

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