Die Fussball-Kolumne Herberger-Statistik korrigiert: Der DFB bewegt sich doch!

Von Udo Muras

Der ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger. Foto: imago images/RustDer ehemalige Bundestrainer Sepp Herberger. Foto: imago images/Rust

Frankfurt. Als Historiker ist unser Kolumnist ein Freund der Fakten. Lange kämpfte er für die Richtigstellung einer Statistik beim Deutschen Fußball-Bund: Sepp Herbergers Länderspiele wurden falsch gezählt. Es war ein zähes Ringen, aber am Ende ein Erfolg. Wie es dazu kam...

Nach der verkorksten WM haben viele, die sich berufen fühlten, den DFB aufgefordert seine Fehler zu korrigieren. Der über 100-jährige Verband, immerhin der größte der Welt im Sport, lässt sich aber gewöhnlich nicht treiben. Jogi Löw und Oliver Bierhoff sind jedenfalls immer noch da und der Präsident wäre es auch noch, wenn er eine andere Uhr getragen hätte. Genug davon. Ich kann nun aus eigener Erfahrung berichten, dass sich der DFB eben immer erst mal ein Bild macht, in aller Ruhe, aber durchaus in der Lage ist, einen Fehler zu korrigieren. Wenn er ihn als solchen erkennt. Seit Oktober 2016 habe ich ja bereits versucht, dem Altbundestrainer Sepp Herberger, der das Wunder von Bern inszenierte, ein paar Länderspiele wegzunehmen. Weniger weil es mir Freude macht, sein Lebenswerk zu beschädigen als vielmehr der Wahrheit zu dienen. Darf ein Journalist ja gelegentlich auch mal machen.

Fünf Spiele zu viel

Auch in dieser Kolumne wies ich seitdem mehrfach darauf hin, dass die Statistik, die in allen Almanachen des Kicker steht – und darüber kommt eigentlich nichts mehr – und die der DFB gerne übernahm, falsch sein muss. Herberger wurden fünf Spiele zugerechnet, in denen er nicht im Amt, teils nicht mal im Stadion war. Wie das?

Es lag an den Wirren der Zeit nach dem Rauswurf von Trainer Otto Nerz nach Olympia 1936. Als die Presse nicht frei war und auch nicht für Aufklärung sorgen konnte, war es möglich, eine dermaßen brisante Personalie – wer trainiert eigentlich die Nationalmannschaft?– drei Monate nicht zu beleuchten. Spätere Statistiker gaben Herberger dann einfach alle Spiele nach dem Nerz-Rauswurf, dabei kam der noch mal zurück. Es war ein Hauen und Stechen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, das nur in Herbergers erhaltenen Briefen beschrieben wurde, aus seiner Sicht.

Herbergers Vorgänger: Otto Nerz (r) neben seinem Nationalspieler Andreas Kupfer. dpa/Schirner


So einleuchtend es war, dass die Zahl von 167 Länderspielen für den Alten von der Bergstraße nicht stimmen konnte, so schwer war es, eine Lösung zu finden. Und deshalb dauerte es auch so lange. Als der Kolumnist im August 2018 das Thema wieder mal anschob, weil Löw nun mit Rekordhalter Herberger gleichgezogen habe, obwohl er längst vorbeigezogen war, wollte der DFB auch nicht länger mit der Ungewissheit leben. Verbandsstatistiken müssen verlässlicher sein als ihre Nebenkostenabrechnung! Die Sepp-Herberger-Stiftung des DFB wurde gebeten, mal was zu unternehmen. 

Hilfe vom Professor

Die verpflichtete einen Mittelalterprofessor aus Mannheim und es gibt gar keinen Grund, warum Sie jetzt lachen. Dr. Hiram Kümper ist immerhin Fan des VfL Bochum und hat mal eine Herberger-Ausstellung mitorganisiert. Außerdem verläuft er sich nicht in den Archiven, sondern findet was er sucht. Es war allerdings nichts mehr zu finden, was nicht schon gefunden war. Und so kam das hohe Haus auf Kümpers Expertise hin zu dem Schluss, Herbergers Spiele erst ab seiner offiziellen Ernennung am 2. November 1936 zu zählen. Nun fragt der Laie: ab wann auch sonst? Aber 80 Jahre hat sich das keiner gefragt oder es keiner so genau wissen wollen. Und auch von den Fußballfans heute wollen es wahrscheinlich nur die wenigsten wissen. Doch mir war wichtig, Ihnen mitzuteilen: der DFB bewegt sich doch!


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