Nach desaströser Chancenverwertung zuvor Borussia Dortmund siegt dank Reus – in der Nachspielzeit

Von dpa

Matchwinner in Berlin: Marco Reus (r.). Foto: imago/Matthias KochMatchwinner in Berlin: Marco Reus (r.). Foto: imago/Matthias Koch

Berlin. Borussia Dortmund verballert bei Hertha eine Torchance nach der anderen. Dann kommen die Nachspielzeit – und Marco Reus. Schalke verliert beim Comeback von Trainer Huub Stevens.

Marco Reus hat mit seinem Tor in der Nachspielzeit Borussia Dortmund doch noch zum Sieg bei Hertha BSC geschossen. Der Nationalspieler erzielte am Samstag den Treffer zum 3:2 (1:2)-Erfolg (90.+2). In einer hektischen Schlussphase sah der Berliner Angreifer Vedad Ibisevic wegen einer Unsportlichkeit die Rote Karte (90.+4).

Damit übernahm das Team von Trainer Lucien Favre (60 Punkte) wieder die Tabellenführung, der FC Bayern (57) kann mit einem Sieg am Sonntag gegen Mainz aber wieder vorbeiziehen. Vor 74 000 Zuschauern im ausverkauften Berliner Olympiastadion waren die Gastgeber durch Treffer von Routinier Salomon Kalou (4. und 35./Handelfmeter) sogar zweimal in Führung gegangen. Thomas Delaney (14.) und Dan-Axel Zagadou (47.) schafften jeweils den Ausgleich - ehe Reus zuschlug. Herthas Jordan Torunarigha hatte zuvor schon die Gelb-Rote Karte gesehen (85.). Hertha ist mit 35 Punkten Zehnter.

Die erstmals nach fast einem halben Jahr als Jäger und nicht als Gejagte angetretenen Dortmunder wurden schon früh geschockt. Torhüter Roman Bürki ließ einen Distanzschuss von Maximilian Mittelstädt prallen, Kalou staubte ab. Die Berliner machten im ausverkauften Olympiastadion von Beginn an deutlich, dass sie mutig mitspielen und eigene schnelle Offensivaktionen kreieren wollten.

Ohne Leitwolf Axel Witsel sowie die ebenfalls verletzten Mario Götze und Paco Alcácer antworteten die Borussen mit hohem Pressing und überfallartigen Angriffen. Wobei sich immer wieder Jacob Bruun Larsen in gute Positionen brachte, aber am stark reagierenden Hertha-Keeper Rune Jarstein scheiterte (13., 22., 54.). Für den Ausgleich zum 1:1 brauchten die Gäste Berliner Hilfe, einen Schuss von Delaney fälschte Verteidiger Karim Rekik unglücklich ins eigene Netz ab. In den Spielen zuvor hatten schon Neu-Nationalspieler Niklas Stark und Vedad Ibisevic ins eigene Tor getroffen, diesmal wurde aber Delaney offiziell zum Torschützen ernannt. 

Hertha blieb für den Meisteranwärter der unbequeme Gegner. Nicht nur diszipliniert und aufmerksam in der Defensive, sondern auch mit sehenswerten Kombinationen Richtung Dortmunder Tor. Doch auch Borussen-Coach Favre, der von 2007 bis 2009 auf seiner ersten Bundesliga-Station die Hertha betreut hatte, sah viele gefährliche Angriffe seiner Elf. Einen Versuch des schnellen Jadon Sancho beförderte wieder Jarstein aus der Gefahrenzone (37.).

Als Julian Weigl, der mit Delaney die Doppelsechs bildete, einen Schuss des agilen Slowaken Ondrej Duda unglücklich mit dem rechten Arm aufhielt, bekam Kalou vom Elfmeterpunkt die Chance auf sein fünftes Saisontor. Und der Ivorer behielt die Nerven. Gut spielte auch Herthas Neu-Nationalspieler Niklas Stark. Nach der erstmaligen Berufung von Bundestrainer Joachim Löw knöpfte er den schnellen BVB-Angreifern immer wieder unaufgeregt den Ball ab. 

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Das 2:2 konnte Hertha Abwehr nicht verhindern. Nach Ecke von Sancho köpfte der bullige, 1,96 Meter große Franzose Zagadou den Ball ein - Mittelstädt konnte ihn nicht entscheidend stören. Jetzt lieferten sich beide einen sehenswerten Schlagabtausch. Berlins Liverpool-Leihspieler Marko Grujic traf nur den Pfosten (57.), zudem wollte Hertha nach einem Schubser gegen Duda Elfmeter (59.).

Im Gegenzug schoss Sancho den Ball völlig freistehend am Tor vorbei. Dortmund stürmte wütend und vergab zahlreiche hochwertige Chancen. Christian Pulisic (71. und 74.) sowie Achraf Hakimi (79.) vergaben zunächst den Sieg. Delaney traf nur noch die Latte (88.), Reus erzielte den Siegtreffer.

Schalke-Konkurrenz punktet

Der FC Schalke 04 hat unterdessen den Huub-Effekt nicht genutzt. Beim Comeback-Spiel von Trainer Huub Stevens unterlagen die Königsblauen am Samstag gegen RB Leipzig mit 0:1 (0:1) und sind somit am 26. Spieltag wie Hannover 96 ein Verlierer im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga. Während S04 durch die Niederlage sogar auf den 15. Platz abrutschte und nur noch drei Punkte vor dem Relegationsrang liegt, punkteten die direkten Konkurrenten aus Augsburg und Stuttgart.

Der FC Augsburg drehte gegen Hannover 96 im direkten Duell das Blatt und verbuchte durch das 3:1 (0:1) drei ganz wichtige Punkte. Der VfB Stuttgart trotzte 1899 Hoffenheim beim 1:1 (0:1) immerhin einen Zähler ab und versetzte den Europacup-Hoffnungen der Kraichgauer einen Dämpfer. Der VfL Wolfsburg erhöhte seinen Vorsprung vor Hoffenheim durch einen 5:2 (1:1)-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf auf vier Punkte und festigte damit den für einen internationalen Startplatz möglicherweise wichtigen siebten Rang.

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Für Schalke begann der Neuanfang mit den Club-Legenden Stevens, Mike Büskens und Gerald Asamoah auf der Trainerbank vielversprechend. Ein frühes Tor von Mark Uth (2. Minute) wurde wegen einer Abseitsstellung aber nicht anerkannt. Schalke kämpfte, Schalke zeigte Leidenschaft. Doch Leipzig traf ins Tor und das unter gütiger Mithilfe der Gastgeber. Mehrfach konnte der Ball nicht aus der Gefahrenzone befördert werden, bevor Timo Werner (14.) einschoss. Alles Aufbäumen nutzte vier Tage nach dem 0:7 bei Manchester City nichts, am Ende gab es trotz konzentrierter Leistung keine Punkte.

Auch Hannover zeigte in Augsburg einen Aufwärtstrend und führte durch ein Tor von Hendrik Weydandt (8.) früh. Die Gastgeber demonstrierten aber Nervenstärke und kamen durch die Treffer von Sergio Cordova (65.), Jonathan Schmid (78.) per frechem Freistoß und André Hahn (86.) zum Sieg. Während Augsburg mit 25 Punkten Schalke (23 Punkte) überholte, hat Hannover nach der nächsten Pleite schon sechs Zähler Rückstand auf den VfB Stuttgart (20) auf dem Relegationsrang. Der 1. FC Nürnberg könnte schon mit einem Punkt am Sonntag bei Eintracht Frankfurt die Niedersachsen wieder zum Schlusslicht der Bundesliga machen.

Steven Zuber (66.) traf für Stuttgart im Derby gegen 1899. Andrej Kramaric (42.) hatte zuvor mit seinem 46. Tor den Hoffenheimer Club-Rekord von Sead Salihovic eingestellt. Dennoch reichte es für die Remiskönige der Liga nur zum elften Unentschieden der Saison.


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