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15.03.2019, 15:28 Uhr KOMMENTAR ZUR PRESSEKONFERENZ DES BUNDESTRAINERS

Die Plauderstunde mit Alexa Löw

Ein Kommentar von Harald Pistorius


Bundestrainer Joachim Löw bei der Pressekonferenz am Freitag beim DFB. Foto: dpa/Björn RoesslerBundestrainer Joachim Löw bei der Pressekonferenz am Freitag beim DFB. Foto: dpa/Björn Roessler 

Frankfurt . In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz hat sich Bundestrainer Joachim Löw vor dem Start der Qualifikation für die Fußball-Europameisterschaft 2020 der Öffentlichkeit gestellt. Es gab nicht viel Neues, meint unser Kommentator, der aber noch etwas anderes vermisste.

"Wir haben uns entschieden, gewisse Entscheidungen zu treffen und sie dann auch durchzuführen..." Wir wollen nicht alles an einem Satz festmachen, aber Sprache ist verräterisch. Wer so redet, ist in seinen Gedanken nicht klar. Wer sich so umständlich erklärt und so oft wiederholt, dem fällt es schwer, seine Pläne und Handlungen auf den Punkt zu bringen.

Allein dafür war diese Pressekonferenz hilfreich: Nicht nur in gedrechselten Pressemitteilungen  zu lesen, was Joachim Löw die Öffentlichkeit wissen lassen möchte, sondern ihn dabei zu sehen und zu hören, wie er um jedes Wort ringt - immer bedacht, niemandem zu nahe zu treten, unangenehme Dinge anzusprechen oder gar auch mal spontan zu reagieren. 

Denn auch das war zu sehen - oder besser: nicht zu sehen. Empathie, Begeisterung, Witz und Mut strahlte der Bundestrainer zu keinem Zeitpunkt aus. Weniger Emotionalität und Authentizität könnte nicht mal ein Sprachcomputer verbreiten. Vielleicht ist sich mancher Journalist in dem Dialog vorgekommen wie beim Gespräch mit Alexa. 

Inhaltlich Neues hatte Löw nicht zu bieten. Die Aussagen zum Umgang mit den Münchener Weltmeistern Thomas Müller, Mats Hummels und Jerome Boateng brachten keinen Erkenntnisgewinn. Er will die drei nicht mehr, er plant nicht mehr mit ihnen - auch, weil er den jungen Spielern bei ihrer Entwicklung den Weg freihalten will von alten Leitwölfen, die es nicht mehr bringen, aber sich ihren Platz im Team immer noch freibeißen können. 

Video: Drei neue für Löw


Fragwürdig bleibt die  Entscheidung dennoch, denn Löw beraubt sich auf einen Schlag der Qualität und vor allem der Erfahrung dreier Fußballer von internationalem Format. Und auch die Kritik am Stil der Aktion und am Umgang mit drei Weltmeistern ließ er an sich abperlen. 

Und sonst? Was der Bundestrainer über neue Wege in der Nachwuchsförderung und die Ausbildung der jungen Profis zu sagen hatte, blieb vage oder oberflächlich. Oder beides. Schneller werden, handlungsschneller werden, mehr Dribblings zulassen und kognitive Fährigkeiten (Wahrnehmung, Denken) fördern. Vom ranghöchsten Fußballlehrer des Landes darf man ein bisschen mehr erwarten. 

Nicht nur bei diesem Thema. 




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