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14.03.2019, 20:23 Uhr ÄRGER ÜBER FRÜHES AUS IN DER CHAMPIONS LEAGUE

FC Bayern ist vorerst weg von der Landkarte

Von Malte Schlaack


Desillusioniert: Bayern-Torwart Manuel Neuer nach dem Aus in der Champions League gegen Liverpool. Foto: Witters/Lennart PreissDesillusioniert: Bayern-Torwart Manuel Neuer nach dem Aus in der Champions League gegen Liverpool. Foto: Witters/Lennart Preiss

München. Das erste Mal seit acht Jahren nicht im Viertelfinale der Champions League. Ausgeschieden nicht durch Pech, sondern völlig verdient. Es gab sicher schon bessere Tage für den FC Bayern München. Daraus machten alle Beteiligten aber auch keinen Hehl.

Die 1:3-Niederlage im Rückspiel des Achtelfinals gegen den FC Liverpool (Hinspiel 0:0) stellt nicht gerade eine Zäsur für den FC Bayern dar – immerhin sind sowohl die Meisterschaft als auch der DFB-Pokalsieg noch greifbar nahe. Dennoch kamen nach dem unangenehm deutlichen Aus einige durchaus substanzielle Fragen auf. Nicht nur für die geschlagenen Münchener.

Wie konnte das passieren? Nach dem starken Hinspiel wählten die Bayern eine abwartende und recht defensive Taktik. Zu defensiv für manchen Geschmack. „Wir hatten nicht so viele Chancen. Deswegen haben wir auch keine Argumente, um weiterzukommen“, meinte Robert Lewandowski. Der Stürmer allerdings war nicht unerheblich dafür verantwortlich, dass nach vorne nichts ging. Bekam er mal einen Ball, machte er erstaunlich wenig damit und begann frühzeitig sich zu beklagen.

Liverpool wirkte gefestigter, spielerisch sowie gedanklich besser und ja, auch frischer. Der oft erwähnte Umbruch bei den Bayern hat an Dringlichkeit gewonnen.

Wie reagierten die Verlierer? Bayern-Präsident Uli Hoeneß hatte im Bauch der Allianz Arena in der Mixed-Zone schon einige große Auftritte, bei denen er sich, in welche Richtung auch immer, über seinen Club äußerte. Nur eins war er dabei nie gewesen: wortkarg. Das sah nach dem Spiel gegen Liverpool anders aus. Die vielen Pressevertreter und Kamerateams hatten sich gerade erst in Position gebracht, als Hoeneß lediglich verlauten ließ: „Liverpool hat einfach besser gespielt und verdient gewonnen“, meinte der mächtige Boss, schob ein „Mehr möchte ich nicht sagen“, hinterher und war schon wieder verschwunden.

Viele Spieler drückten sich derweil an der Reporterschar mit einem ebenso gequälten, wie entschuldigenden Lächeln vorbei. Die, die stehen blieben, fanden allerdings deutliche Worte: „Es war kein so bitteres Ausscheiden wie in den vergangenen Jahren“, sagte Mats Hummels, „diesmal sind wir verdient ausgeschieden.“

Dass sein Abwehrspieler damit recht hatte, daran ließ auch der Trainer keinen Zweifel. „Wir haben unsere Grenzen aufgezeigt bekommen“, meinte Niko Kovac. Ein Satz, den man vom FC Bayern so nicht kennt. Dennoch richtete Kovac den Blick vorsichtig nach vorne – musste er ja schließlich auch. „Es gibt noch zwei Titel in dieser Saison zu vergeben, und die wollen wir beide holen“, sagte er. Als die Bayern im Jahr 2011 das letzte Mal im Achtelfinale der Champions League ausgeschieden waren, hieß der Meister einige Monate später übrigens Borussia Dortmund.

Und die Gewinner? „Dieser Sieg bedeutet mir alles“, sagte ein glücklicher Jürgen Klopp und hob zu einer höheren Bedeutung an: „Wir sind zurück auf der Landkarte des internationalen Fußballs.“ Geschafft hatte es Liverpool, indem sie die Bayern von dieser Landkarte vorerst verschwinden ließen.


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