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Doping-Skandal bei Ski-WM Spitzensport fürchtet weitere Enthüllungen: "Schatten auf dem gesamten Sport"

Von dpa

Die Dopingermittlungen werfen einen Schatten auf die traumhafte Winterlandschaft und WM-Welt bei der FIS Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld. Foto: imago/EibnerDie Dopingermittlungen werfen einen Schatten auf die traumhafte Winterlandschaft und WM-Welt bei der FIS Nordische Ski-WM 2019 in Seefeld. Foto: imago/Eibner

Seefeld. Der Doping-Skandal bei der Nordischen Ski-WM mit Festnahmen und Hausdurchsuchungen könnte sich massiv ausweiten.

Nach dem Schlag gegen Doping bei der Nordischen Ski-WM muss der Spitzensport weitere Enthüllungen fürchten. Wie die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag berichtet, wurden in der Praxis des am Vortag festgenommenen Sportmediziners in Erfurt auch Fußballer, Schwimmer, Radsportler, Handballer und Leichtathleten behandelt. "Es werden sicherlich auch noch andere Sportarten betroffen sein", hatte am Mittwoch Dieter Csefan vom österreichischen Bundeskriminalamt gesagt und von einem seit Jahren weltweit agierenden Netzwerk und einer "kriminellen Organisation" gesprochen.

Lizenzentzug

Mit sofortiger Wirkung wurde der Arzt-Praxis in Thüringen die Lizenz als "Sportmedizinische Untersuchungsstelle" entzogen. Dabei räumte der Verband eigene Versäumnisse ein. Denn bei der Fortschreibung der ursprünglich bis 2018 laufenden Lizenz um weitere vier Jahre entging dem LSB, dass in der Zwischenzeit der nun festgenommene Arzt in die Praxis eintrat. 

Über weitere Ermittlungsergebnisse und ob die Festgenommenen in Untersuchungshaft bleiben, war am Donnerstagvormittag offiziell zunächst nichts bekannt. DOSB-Präsident Alfons Hörmann sprach von einem "Schatten auf dem gesamten Sport". "Wir sehen es daher als großen Erfolg der Ermittlungsbehörden, dass ein kriminelles Netzwerk mit offenbar großer Reichweite zerschlagen werden konnte", teilte der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes am Donnerstag mit.

Österreichs Presse: "Dümmer geht's nicht"

In Österreichs Tageszeitungen waren die Doping-Razzien und die möglichen Folgen der "Operation Aderlass" am Donnerstag das Aufmacherthema. "Misstrauen ist im Sport die Höchststrafe", schrieben die "Salzburger Nachrichten". Vom "Seefelder Fanal" schrieb "Der Standard". Das "Oberösterreichische Volksblatt" stellte fest: "Und täglich grüßt das Murmeltier - nach den Olympischen Spielen 2002 in Salt Lake City, 2006 in Turin und 2014 in Sotschi sind erneut Teile des heimischen Langlaufteams in einen Dopingskandal verwickelt." Die "Kleine Zeitung" sah "Die Gier nach Geld und Ruhm" als Hauptursache. Der "Kurier" glaubt: "Dümmer geht's nicht."

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Bei der Doping-Razzia in Seefeld waren sieben Personen, darunter fünf Athleten aus Österreich, Kasachstan und Estland, festgenommen worden. Zudem wurden in Erfurt ein deutscher Sportmediziner, dem in seiner früheren Rolle als Radsport-Teamarzt Verwicklungen in Dopingpraktiken vorgeworfen worden waren, und ein mutmaßlicher Komplize festgenommen. Der Mediziner hatte die Vorwürfe in der Vergangenheit bestritten.

Nach Aussagen des DSV-Vorstandsmitglieds Stefan Schwarzbach gibt es keinen Kontakt zwischen dem Mediziner und dem deutschen Dachverband. "Der Arzt, wenn man ihn denn überhaupt noch so bezeichnen mag, hat keine Verbindungen zum Deutschen Skiverband, zumindest keine Verbindungen, die uns irgendwie bekannt wären", sagte Schwarzbach am Donnerstag und ergänzte: "Insofern gehen wir fest davon aus, dass da auch keine (deutschen) Athletinnen oder Athleten in dieses System, das da zerschlagen wurde, involviert waren."

Deutscher Arzt im Fokus der Ermittlungen

Er könne definitiv ausschließen, "dass der Deutsche Skiverband in irgendeiner Weise Zellen hat, beziehungsweise auch nur ansatzweise irgendwelche systematischen Dopingpraktiken praktiziert wurden", sagte er. Auch bei der sportärztlichen Betreuung beim Bund Deutscher Radfahrer habe der verdächtige Arzt "keine Rolle" gespielt, versicherte BDR-Sportdirektor Patrick Moster.

Das ZDF wird trotz der Ereignisse weiter von der WM berichten. "Wir nutzen die Live-Berichterstattung, um auch über diese kriminellen Aspekte im Sportumfeld zu berichten. Ein Ausstieg aus der Berichterstattung hilft nicht weiter", sagte ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann.


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