Nach Debakel in Champions League Eine Woche zum Vergessen: Verspielt der BVB jetzt alles?

Kim Patrick von Harling und dpa

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Bauchlandung: Jadon Sancho und der BVB stecken in einer Krise. Foto: imago/Moritz MüllerBauchlandung: Jadon Sancho und der BVB stecken in einer Krise. Foto: imago/Moritz Müller

Dortmund. Aus im DFB-Pokal, ein 0:3 in der Bundesliga verspielt und eine deftige Demontage in der Champions League: Der Glanz von Borussia Dortmund ist ab, nun droht der hässliche Alltag, Bayern München lauert im Titelrennen.

Roman Bürki verspürte wenig Lust auf diplomatische Worte. Aus Frust über den schwachen Auftritt seiner Mannschaft beim 0:3 (0:0) im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Tottenham Hotspur redete der Torhüter von Borussia Dortmund Tacheles. "Immer wenn es gegen robuste Mannschaften geht, haben wir Schwierigkeiten, weil wir nicht dagegenhalten können. Das müssen wir auf jeden Fall verbessern", klagte der Schweizer.  

So lief die Champions League am Mittwochabend

Tatsächlich kann der BVB fast ausschließlich über die Technik und Schnelligkeit punkten. Jadon Sancho, Mario Götze, Christian Pulisic und Co. können ihre Gegenspieler schwindelig spielen, keine Frage. Doch gegen Tottenham offenbarte sich die große Schwäche. Bürkis Analyse trifft zu, gegen einen Klub aus der Premier League – der vermeintlich "robustesten" Liga in Europa – muss man körperlich dagegenhalten können. Über einen "Brecher" in der Offensive verfügt der BVB jedoch nicht ansatzweise.

Unerfahrenheit

Damit verlieh Bürki seiner Sorge Ausdruck, dass der Bundesliga-Tabellenführer nun auch im Kampf um die Meisterschale ins Straucheln geraten könnte. Auch das naive Defensivverhalten verheißt wenig Gutes. Naivität ist genau das, was dem BVB auch in der Bundesliga das Genick brechen könnte. Gegen Tottenham ließ Favre eine Mannschaft von der Leine, die einen Altersdurchschnitt von gerade einmal 24,3 Jahren aufwies. Zum Vergleich: Tottenham verzeichnete eine Startelf mit einem Altersdurchschnitt von 27,1 Jahren. Fehlende Robustheit und Erfahrung – eine gefährliche Kombination

Mehr noch als beim Aus im DFB-Pokal gegen Bremen (2:4 i.E.) oder dem 3:3 gegen Hoffenheim bekam der BVB im Londoner Wembley Stadion binnen einer Woche die Grenzen aufgezeigt. "Es war eine sehr schmerzhafte Niederlage", bekannte Lizenzspielerchef Sebastian Kehl und bezeichnete die Ausgangslage für das Rückspiel am 5. März gegen die "Spurs" als "sehr bescheiden".

Bereits zum dritten Mal in Serie kassierte sein Team drei Gegentreffer. Doch bei allem Frust versuchte der Coach, dem unverkennbaren Abwärtstrend nicht zu viel Bedeutung beizumessen: "Ich mache mir keine Sorgen. Solche Phasen gehören in einer Saison dazu, dann läuft es nicht top."  

Ähnlich sah es Kehl: "Natürlich ist in der Mannschaft Enttäuschung zu spüren. Dennoch lassen wir uns nicht von unserem Weg abbringen." Der einstige BVB-Profi verwies auf die Ausfälle von Leistungsträgern wie Marco Reus, Manuel Akanji, Lukasz Piszczek, Julian Weigl und Paco Alcácer. "Uns fehlen einfach die Stabilisatoren."

Durchhalteparolen

Doch so ganz abgeschlossen hat Mario Götze mit dem Thema Champions League trotz der deutlichen Niederlage offenbar noch nicht. "Zu Hause ist alles möglich. Da sind wir eine Macht", sagte der Weltmeister von 2014 voller Hoffnung auf ein Fußball-Wunder im Rückspiel.


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