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Champions League kompakt BVB kassiert Tore wie vor neun Jahren – Königlicher Videobeweis in Amsterdam

Und da passiert es erneut: Fernando Llorente (Nummer 18) nickt zum 3:0 für Spurs ein. Foto: imago/Focus ImagesUnd da passiert es erneut: Fernando Llorente (Nummer 18) nickt zum 3:0 für Spurs ein. Foto: imago/Focus Images

London. Heung-Min Son baut seine unheimliche Serie gegen den BVB aus und leitet ein Debakel für Borussia Dortmund im Achtelfinalhinspiel der Champions League bei Tottenham Hotspur ein. Real Madrid gewinnt mit Glück in Amsterdam.

Die Ergebnisse des Abends:

  • Tottenham Hotspur - Borussia Dortmund 3:0 (0:0)
    Tore: 1:0 Son (47.), 2:0 Vertonghen (83.), 3:0 Llorente (86.)

Kopflos, mutlos, hilflos – Borussia Dortmund hat im ersten Akt der deutsch-englischen Festspiele den Einzug in das Viertelfinale der Champions League fast schon verspielt. Nach zuletzt drei Spielen auf nationaler Bühne ohne Sieg unterlag der Tabellenführer der Fußball-Bundesliga am Mittwoch bei Tottenham Hotspur 0:3 (0:0) und braucht damit im Achtelfinal-Rückspiel in drei Wochen fast schon ein kleines Fußball-Wunder. 

Dortmund-Schreck Heung-Min Son (47.), Jan Vertonghen (83.) und Fernando Llorente (86.) bestraften bei ihren Toren dumme Fehler der Dortmunder – insbesondere von Achraf Hakimi – in der Defensive eiskalt.

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Stimmen:

BVB-Torhüter Roman Bürki: "Immer wenn es gegen robuste Mannschaften geht, haben wir unsere Schwierigkeiten, weil wir nicht dagegenhalten können. Jetzt haben wir schon mehrere Wochen hintereinander Gegentore durch Standards kassiert. Das ist nicht gut verteidigt. Wir setzen uns einfach nicht durch. Wir müssen da rigoros verteidigen." 

Mario Götze: "Das Tor hat uns aus der Ruhe gebracht. In der ersten Halbzeit waren wir da. Es sind Kleinigkeiten, die entscheiden."

Jadon Sancho: "In der ersten Halbzeit haben wir ganz gut gespielt, wir haben wenig zugelassen. In der zweiten Halbzeit haben wir etwas den Fokus verloren. Wenn dir das passiert, kassierst du gegen englische Mannschaften eben Tore. Hoffentlich können wir im Rückspiel den Fokus über das gesamte Spiel halten. Wir müssen hart arbeiten und fokussiert bleiben. Und hoffentlich schießen wir mehr Tore als heute."

Manager Sebastian Kehl: "Wir sind in Konter gelaufen. Es war komplett unnötig, jetzt ist es eine sehr bescheidene Ausgangslage. Das zweite und dritte Gegentor waren komplett unnötig. Hakimi wird sehr enttäuscht sein. Es war aber nicht nur das Problem von Hakimi. Wir haben das Fußballspiel eingestellt und am Ende zurecht verloren. Wir können uns besser präsentieren, Tottenham ist keine Übermannschaft. das macht uns nachdenklich, daran müssen wir arbeiten."

Heung-Min Son (Tottenham Hotspur): "Dortmund hat in der ersten Halbzeit viel besser gespielt. Dass wir in der zweiten Halbzeit früh das Tor gemacht haben, war wichtig für uns. Mit dem 1:0 kam viel Selbstvertrauen in unser Spiel. Aufgrund der zweiten Halbzeit haben wir den Sieg auch verdient. Wir sind einfach glücklich, zuhause 3:0 gewonnen zu haben. Besser geht es nicht."

  • Ajax Amsterdam - Real Madrid 1:2 (0:0)
    Tore: 0:1 Benzema (60.), 1:1 Ziyech (75.), 1:2 (87.) Asensio

Nach der historischen Videobeweis-Premiere (siehe unten) und einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte stehen Toni Kroos und Titelverteidiger Real Madrid vor dem Einzug in das Viertelfinale der Champions League. Die Königlichen setzten sich am Mittwoch im Achtelfinal-Hinspiel bei Ajax Amsterdam mit 2:1 (0:0) durch. Karim Benzema (60. Minute) und der für den Franzosen eingewechselte Marco Asensio (87.) erzielten die Real-Treffer in der Johan-Cruyff-Arena. Den anfangs überlegenen Gastgebern war nur der zwischenzeitliche Ausgleich durch Hakim Ziyech (75.) gelungen.

Damit hat die Auswahl von Coach Santiago Solari im Rückspiel am 5. März beste Chancen auf das Erreichen der Runde der besten Acht.

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Spieler des Abends: Jan Vertonghen

Was für ein Abend für Tottenhams Verteidiger! Eigentlich ist der Belgier entweder in der Abwehrzentrale oder auf der linken Seite für die Verhinderung von Torchancen und Toren des Gegners zuständig. Gegen den BVB ließ Spurs-Trainer Mauricio Pocchettino seinen Mr. Zuverlässig aber auf der linken Mittelfeldseite ran – und vor allem im zweiten Durchgang entwickelte der 31-Jährige einen bei ihm beinahe noch nie gesehenen Offensivdrang: Das 1:0 durch Son bereitete Vertonghen mustergültig vor, den Treffer zum 2:0 erzielte er technisch perfekt einfach mal selbst. BVB-Rechtsverteidiger Achraf Hakimi kam mit dem Belgier zu keinem Zeitpunkt des Spiels klar und lieferte eine seiner schwächsten Leistungen im BVB-Dress.

Jan Vertonghen trifft zum 2:0. Foto: imago/Sportimage

VAR: Der erste Einsatz

Während der ersten beiden Achtelfinalspiele am Dienstag hatten die Schiedsrichter noch auf die Zuhilfenahme des in der Champions League neu eingeführten Video Assistant Referee (VAR) verzichtet, beim Spiel zwischen Ajax und Real Madrid feierte er dann Premiere: Den Niederländern wurde ein Treffer aberkannt, weil ein im Abseits stehender Spieler Madrids Torhüter Courtois behindert hatte. Eine für die Außenseiter harte, aber richtige Entscheidung des slowenischen Schiedsrichters Damir Skomina. Nicht alle Fans waren begeistert:

Zahl des Abends I: 600

Sergio Ramos bestritt beim Auswärtsspiel in Amsterdam sein 600. Pflichtspiel für Real Madrid. 2005 war der Verteidiger vom FC Sevilla zu den Königlichen gewechselt. Seine beeindruckende Bilanz seither: Vier Champions-League-Titel, vier Meisterschaften und zwei spanische Pokale. Der 32-Jährige erzielte in dieser Zeit 86 Tore für die Madrilenen. Am beeindruckendsten ist aber seine Kartensammlung: 24 Platzverweise und 200 Gelbe Karten kassierte der Mann mit der Nummer vier. 

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Übrigens: Beim Spiel in Amsterdam holte sich Ramos auch noch eine Gelbe Karte ab – in der 90. Minute. Er fehlt damit im Rückspiel, das für die siegreichen Madrilenen ja möglicherweise auch ohne den Kapitän siegreich über die Runden gebracht werden kann. Clever sagen die einen, unsportlich die anderen ...

Zahl des Abends II: 9

Einfach Wahn-Son! Tottenhams Heung-Min Son erzielte kurz nach der Pause das 1:0 für die Tottenham Hotspur – und eigentlich war es vorprogrammiert, dass der Südkoreaner treffen würde: Im elften Pflichtspiel seiner Karriere gegen die Dortmunder erzielte der frühere Hamburger und Leverkusener nämlich schon sein neuntes Tor. Gegen keinen anderen Gegner traf er so häufig. Weiterer Fun Fact (jedoch nicht für die Dortmunder): Die Tottenham Hotspurs gewannen in dieser Saison alle zwölf Spiele, in denen Heung-Min Son traf. Ein wahrer Sieggarant!

Zahl des Abends III: 3

Favre macht es Jürgen Klopp gleich: Der BVB kassierte in seinen letzten drei Pflichtspielen jeweils drei Tore, das gab es zuletzt 2010 unter dem damaligen BVB-Coach Klopp. Im DFB-Pokal hatten die Dortmunder nach 120 Minuten drei Gegentore von Werder Bremen kassiert (3:3), um im Elfmeterschießen zu verlieren (2:4). Am vergangenen Wochenende verspielte der BVB eine 3:0-Führung gegen die TSG Hoffenheim in der Bundesliga –3:3. Nun also das 0:3-Debakel gegen Tottenham.

Geste des Abends: Die Ghettofaust

Zuletzt hatte es BVB-Trainer Lucien Favre ziemlich erwischt: Die Grippe hatte dem Schweizer dermaßen zugesetzt, dass er beim Bundesligaspiel am vergangenen Samstag gegen Hoffenheim nicht auf der Dortmunder Bank sitzen konnte. Vier Tage später war Favre zumindest so weit wiederhergestellt, dass er seine Mannschaft beim Spiel im Wembleystadion coachen konnte. Ein wenig ansteckend war er aber offenbar immer noch, und so verzichtete er gänzlich aufs Händeschütteln. Das bekam Sky-Moderatorin am Ende ihres Interviews ebenso zu spüren wie Tottenham-Trainer Mauricio Pocchettino bei der Begrüßung: Beide bekamen zu ihrer Überraschung einfach eine Ghettofaust, auf Englisch Fist bump, von Favre.

Weitere Tweets des Abends:

Einige Ultras von Ajax Amsterdam machten in der Nacht auf Mittwoch gegen 3 Uhr vor dem Mannschaftshotel von Real Madrid ordentlich Radau, wie man in diesem Tweet sehen kann:

Erstaunlich, wie viele ehemalige Spieler von Ajax Amsterdam sich im Team der Tottenham Hotspur befinden:

Beim Spiel der Dortmunder feierte sich Twitter mal wieder selber:

Ein kleiner Hinweis für den FC Schalke 04, der in der kommenden Woche als Außenseiter gegen Manchester City ran muss:

Dieser BVB-Fan war mit der Leistung des überraschend in der Startelf stehenden Mo Dahoud nicht einverstanden, schon gar nicht mit dessen Schusstechnik:




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