Preußen Münster nach geplatzter Vision Billige Talente und Stadionumbau statt Stars und Bundesliga-Arena

Von Alexander Heflik

Liefen in Lotte (um Adam Straith) der Musik hinterher: Philipp Hoffmann (rechts) und Preußen Münster. Foto: imago/osnapixLiefen in Lotte (um Adam Straith) der Musik hinterher: Philipp Hoffmann (rechts) und Preußen Münster. Foto: imago/osnapix

Osnabrück. Preußen Münster ging als Wundertüte in die Saison. Keiner hatte die Preußen als Aufstiegsanwärter auf dem Radar, kein Trainer traute ihnen eine führende Rolle zu. Zwei Tage vor dem Derby gegen den VfL Osnabrück (Samstag, 14 Uhr) steht der Verein – ja, wie steht er eigentlich da?

Der Herbst war goldig, als der SCP die Aufstiegsränge ins Visier nahm. Der Advent mit vier Niederlagen am Stück der Absturz. Im neuen Jahr haben die Preußen offenbar ihre Mitte gefunden. Remis in Jena (0:0), toller Sieg über Kaiserslautern (2:0), Winterdepression in Lotte (0:1). Gerade die Pleite in Lotte schmerzt – Platz vier wäre mit einem Sieg in Reichweite gerückt. Aber gegen die massive Verteidigung der Sportfreunde reichte Münsters spielerischer Ansatz mit Dreierkette, offensiven Außen und drei zentralen Stürmern nicht aus. „Ich hatte das Gefühl vor der Pause, die meisten Ballkontakte zu haben“, sagte Torwart Max Schulze Niehues.

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„Den Sieg hatten wir nicht verdient“, sagte Abwehrchef Ole Kittner, der große Probleme mit dem Ex-Osnabrücker Gerrit Wegkamp im Lotter Trikot hatte. Tagesgeschäft in Münster, der SCP ist schwer ausrechenbar – und beispielsweise abhängig davon, ob Schlüsselspieler wie Offensivkraft Martin Kobylanski in Spiellaune kommen. 

Drei Millionen für Personal 

Sportchef Malte Metzelder hat derweil viele andere Dinge zu tun. Er sucht einen neuen Trainer. Marco Antwerpen, vor einem Jahr für Benno Möhlmann von Viktoria Köln geholt, wird seinen im Sommer auslaufenden Vertrag nicht verlängern, bei 13 Spielern enden auch am 30. Juni die Kontrakte. Der 47-jährige Antwerpen will nicht auf Dauer den Weg der Preußen gehen. Denn Metzelder, dem Gebot der klammen Kasse folgend, will „Jugend forscht“ beim SCP weiter auf die Spitze treiben. Münster kann aktuell knapp drei Millionen Euro für Personal ausgeben, Tendenz für die nächste Spielzeit: sicher nicht steigend. Der Gesamtetat dürfte bei 7,6 Millionen Euro liegen. Keine große Hausnummer in Liga drei, eher zweite Hälfte im Budget-Ranking.

Metzelders Mantra bleibt: Es wird nur so viel ausgegeben, wie vorhanden ist. Die Zeiten, als der SCP die Topspieler der Liga verpflichten konnte, sind vorbei. Abgänge wie die der Leistungsträger Rene Klingenburg, der im Derby gegen den VfL wieder fit sein soll, oder auch Kobylanski sind praktisch sicher. Der SCP will mit einem neuen Scoutingsystem um den früheren Torwart Kieran Schulze-Marmeling sowie den Ex-Lotter-Videoexperten Pascal Koopmann die Regionalliga, Oberliga und U-19-Bundesliga „besser abgrasen“ als zuletzt. Man schaut eher nach Unterhaching, wie dort mit kleinen Mitteln viel erreicht wird, als nach Karlsruhe oder Wehen Wiesbaden, wo der Euro lockerer ausgegeben wird.

Stadionumbau statt Neubau

Metzelder, der seine Profikarriere in Münster startete und beim FC Ingolstadt beendete, hat nicht nur den Kaderumbau vor der Brust. Nach Jahrzehnten Stillstand gibt es einen Stadionumbau: Rund 40 Millionen Euro wird die Stadt Münster am alten Standort verplanen, es war ein überraschender Coup der schwarz-grünen Ratsmehrheit. Der Neubau einer Erstliga-Arena 15 Kilometer vor der Stadt platzte. Nun also die kleinere Variante für maximal 20 000 Fans, der Verein gab dafür eine Garantie, in Münster zu bleiben. Die Arena-Projektgruppe soll in diesem Jahr den Grundstein für den Umbau legen, 2022 oder 2023 könnte er fertig sein. Eine neue Perspektive für den SCP, Metzelder will bis dahin ein Nachwuchsleistungszentrum installiert haben. „Wir können vielleicht nicht immer beim Geld mithalten, aber wir bieten auch die Universitätsstadt Münster, verfügen über eine Eliteschule mit Internat“, umreißt der 36-Jährige Standortvorteile gerade für junge Akteure. In Münster werden jetzt eben kleinere Brötchen gebacken.


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