Vorschlag mit zwei 4. Ligen Drittligisten kämpfen um Regionalliga-Reform

Für aufstrebende Vereine wie Rot-Weiß Essen könnte die 4. Liga eine reizvolle Klasse sein. Foto: imago/ Markus EndbergFür aufstrebende Vereine wie Rot-Weiß Essen könnte die 4. Liga eine reizvolle Klasse sein. Foto: imago/ Markus Endberg

Osnabrück. Die Manager der Vereine der 3. Liga tagen am Mittwoch, 13. Februar 2019, in Frankfurt. Das wichtigste Thema: die Reform der Regionalliga und die Folgen für die dritte Spielklasse. Ende 2018 sorgten die Drittligisten mit ihrem Protest „Stillstehen gegen den Stillstand“ für bundesweites Aufsehen. Was planen die Manager jetzt?

Vor eineinhalb Jahren schien alles klar zu sein: Die Clubs der 3. Liga stimmten der Erhöhung der Absteiger von drei auf vier zu; die Regelung greift in dieser Saison erstmals und erhöht den Druck im Kampf um den Klassenerhalt.

Im Gegenzug war vereinbart worden, dass die Zahl der Regionalliga-Staffeln von fünf auf vier reduziert wird. Das würde das Ende der Aufstiegsspiele bedeuten, in denen in Hin- und Rückspiel der Erfolg einer ganzen Saison auf dem Spiel steht. Bei vier Regionalligen könnte das in fast allen Klassen gültige Motto „Der Meister steigt auf“ umgesetzt werden. Es würde allen Vereinen, die den Aufstieg anstreben, mehr Planungssicherheit geben, als es Aufstiegsspiele zulassen. Ganz besonders wichtig für die Absteiger, die den Weg zurück anstreben.

Relegation oder Rotation?

Vier statt fünf Regionalligen – das war und ist der Auftrag der DFB-Arbeitsgruppe, die mit der Umsetzung des Beschlusses vom DFB-Bundestag 2017 beauftragt wurde. Und diese Vorgabe bekamen auch alle Regional- und Landesverbände sowie die Vereine der 3. Liga und der Regionalligen mit auf den Weg in ihre Treffen.

Fest steht bislang, dass die Regionalligen West und Südwest in ihrem jetzigen Zuschnitt erhalten bleiben und einen festen Aufsteiger erhalten. Der Auftrag an die Vertreter aus den Regionalverbänden Nord und Nordost sowie dem Landesverband Bayern ist klar: aus ihren drei Regionalligen zwei zu machen. Wenn sich keine Einigung abzeichne und der Status quo erhalten werden solle, verlangt das DFB-Präsidium nicht nur eine plausible Begründung, sondern auch einen konkreten Vorschlag, wie die beiden Aufsteiger ermittelt werden sollen – Relegation oder Rotation? Aufstiegsrunde oder K.-o.-Spiele?

Sorge vor weiteren Reisen und höheren Kosten

Derzeit sieht es nicht danach aus, als ob es zu einer Reduzierung der Ligen auf der vierten Ebene kommt. Bei Gesprächen mit den Landesverbänden haben sich die meisten Regionalligisten für den Status quo ausgesprochen; sie fürchten weitere Reisen, höhere Kosten und unattraktive Gegner.

Am 19. März kommen in Leipzig die Vertreter der 54 Regionalligisten aus Nord, Nordost und Bayern zusammen; dazu die Verbandsvertreter sowie die Clubs der 3. Liga. Zwischen 100 und 150 Personen werden erwartet. Am Ende der Beratungen soll ein Vorschlag stehen, der dem DFB-Präsidium bis Mitte April vorgelegt werden muss. Daraus wird ein Antrag, der beim DFB-Bundestag am 27. September 2019 zur Wahl steht.

Klar ist schon jetzt: Die Teilung der Regionalliga Nordost und die Verteilung ihrer Clubs auf die Staffeln Nord und Bayern ist der einzige Weg, um aus drei zwei zu machen. Dieses Modell, das auf einem DFB-Bundestag mehrheitsfähig sein könnte, würde die schon zu DDR-Zeiten als Oberliga seit 1950 gewachsene Struktur im Fußball-Osten zerschlagen. Die sportpolitische Brisanz ist greifbar, der Widerstand ebenso.

Einfluss nur über Regionalverbände

Schon befürchten viele, dass am Ende alles so bleibt, wie es in der Übergangsregelung bis einschließlich der Saison 2019/20 festgeschrieben ist: fünf Regionalligen und vier Aufsteiger.

Damit bliebe allerdings die Voraussetzung, unter der die Vereine der 3. Liga der Erhöhung auf vier Absteiger zugestimmt haben, unerfüllt. Einen Rechtsanspruch, das wissen die Manager, die sich derzeit in Frankfurt treffen, hat die Liga nicht; man ist abhängig von den Mehrheiten beim DFB-Bundestag – den öffentlichen Erklärungen und protokollarischen Einträgen zum Trotz. Die 3. Liga kann nur über die Regionalverbände Einfluss nehmen; doch die sind vor allem den Landesverbänden und der Masse der Amateurvereine verpflichtet. Von der Interessenvertretung der Bundesliga und der 2. Bundesliga durch die mächtige DFL ist die dritte Profiklasse abgekoppelt.

Ein eigenes Modell

Also viel Lärm um nichts? Eine Reformdebatte ohne Lösung? Die Drittligisten wollen sich offenbar nicht in die Verweigerer-Ecke drängen lassen und deshalb ein eigenes Modell zur Reform vorlegen.

Möglich, dass darin auch Elemente eines Vorschlags enthalten sind, den der langjährige Clubmanager Helmut Kalthoff (Preußen Münster, Wuppertaler SV, VfL Osnabrück, Hannover 96, Darmstadt 98) erarbeitet hat und der auch in den Gremien der Verbände und des DFB kursiert. Kernpunkt ist die Einführung einer 4. Liga in zwei Staffeln (Nord und Süd) mit je 16 Vereinen als Unterbau der 3. Liga, darunter sechs Regionalligen mit je 16 Clubs.

Grafik: Britta Hente/NOZ


Der Charme des Modells liegt auf der Hand. Für beide Ebenen gilt: Der Meister steigt auf, alle Zweitplatzierten haben eine Aufstiegschance in der Relegation. Ein zweigleisiger Unterbau der bundesweiten 3. Liga entspricht dem pyramidalen Aufbau des Systems besser als fünf Regionalligen.

Wer die aktuellen Tabellen durchforstet, kann sich eine attraktive Besetzung der beiden 4. Ligen leicht zusammenreimen, die dazu eine gute Plattform sein könnten für die U-23-Mannschaften der Proficlubs. Für Traditionsclubs wie den VfB Lübeck, Chemnitzer FC, RW Oberhausen, RW Essen, Waldhof Mannheim, 1. FC Saarbrücken, Kickers Offenbach und Alemannia Aachen, aber auch für aufstrebende Vereine wie SC Weiche Flensburg, Viktoria Köln, SV Rödinghausen und TSV Steinbach könnte die 4. Liga eine reizvolle Klasse an der Stelle des Übergangs zum Profifußball sein.

Debatte ohne Denkverbote

Ganz aufzulösen werden die Probleme, die sich seit vielen Jahrzehnten an der Nahtstelle zwischen Profitum und Amateurfußball auftun, niemals sein. Gerade deshalb sollte eine Debatte ohne Vorurteile und Denkverbote möglich sein.

Gelegenheit dazu gibt es nicht nur nach dem wohl wegweisenden Treffen „Nord/Nordost/Bayern“ in Leipzig am 19. März, sondern schon beim Amateurfußball-Kongress, den der DFB am 22./23./24. Februar in Kassel veranstaltet.


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