Champions-League-Übertragung Warum pocht ausgerechnet Bayern München auf ein Free-TV-Spiel?

Alexander Barklage und dpa

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Von 2012 bis 2018 übertrug das ZDF zumindest eine Champions-League-Partie pro Spieltag. Foto: imago/Sven SimonVon 2012 bis 2018 übertrug das ZDF zumindest eine Champions-League-Partie pro Spieltag. Foto: imago/Sven Simon

Hamburg. Bayern-Boss Rummenigge fordert, dass die Champions League zurück ins frei empfangbare Fernsehen soll. Dabei profitiert gerade der FC Bayern von den Geldern aus dem Wettbewerb. Was steckt dahinter?

Wer am Mittwochabend den Auftritt von Borussia Dortmund im Londoner Wembley-Stadion gegen Tottenham Hotspur im Free-TV sehen will, wird wieder einmal enttäuscht. Seit Saisonbeginn werden die Champions-League-Spiele nicht mehr im frei empfangbaren Fernsehen übertragen, sondern nur noch im Pay-TV. Der Bezahlsender Sky und der Streamingdienst DAZN teilen sich seit August 2018 die Senderechte der europäischen Fußball-Königsklasse. Der Fußballfan muss für Live-Spiele in der Königsklasse zahlen. Lässt sich diese Entwicklung wieder rückgängig machen und warum macht sich ausgerechnet der Einnahmen-Krösus Bayern München für mehr Champions-League im Free-TV stark?

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"Champions League zurück ins Free-TV"

In einem Interview mit der "Sport Bild" fordert Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge eine Rückkehr der Champions-League ins Free-TV. Man müsse bei der UEFA alles in die Waagschale legen, damit in Deutschland ab der nächsten Rechteperiode wieder mindestens ein Livespiel, idealerweise ein Topspiel, im Free-TV zu sehen sei. Der Vorstandsvorsitzende vom deutschen Rekordmeister FC Bayern München verwies auf sinkende Zuschauerzahlen, da die Champions League seit dieser Saison nicht mehr frei empfangbar im ZDF zu sehen sei. Die nächsten TV-Senderechte werden im Jahr 2020 für die Zeit von 2021 bis 2024 vergeben. Ob das ZDF für diese Rechteperiode ein Angebot abgeben wird, darüber wollte sich der Fernsehsender auf Anfrage dieser Redaktion nicht äußern.

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Das ZDF hatte sechs Jahre lang von 2012 bis 2018 die Free-TV-Rechte an der Champions-League und übertrug zumindest immer ein Live-Spiel an einem Mittwochabend. Gleich in ihrer ersten Saison erreichten Borussia Dortmund und Bayern München das Champions-League-Endspiel. Am 25. Mai 2013 verfolgten das Finale im Londoner Wembley-Stadion 21,61 Millionen Zuschauer – absoluter Einschaltquoten-Rekord für das ZDF. Auf Platz zwei liegt das "Finale dahoam", das ein Jahr zuvor immerhin 16,79 Millionen Zuschauer vor den Fernseher lockte. 2012 wurde das Endspiel noch von Sat.1 übertragen. Vor dem ZDF und Sat.1 übertrug RTL die Champions League.

Sky zufrieden mit Einschaltquoten-Entwicklung

Von solchen Einschaltquoten kann der Pay-TV-Sender Sky natürlich nur träumen. Es hat sich für den Sender bislang noch nicht ausgezahlt, dass kein einziges Champions League-Spiel mehr im Free-TV gezeigt werden darf. In der vergangenen Saison schauten am bewährten Sendeplatz am Mittwochabend noch im Schnitt 8,02 Millionen Fernsehzuschauer das Live-Spiel (20.45 Uhr) auf ZDF und Sky. Davon schalteten 6,86 Millionen im Free-TV (ZDF) und plus 1,16 Millionen bei Sky ein. In der aktuellen Königsklassen-Saison schauen auf Sky mittwochs noch nur durchschnittlich 1,28 Millionen Fußballfans die Live-Übertragungen auf Sky zu. Der Streamingdienst DAZN gibt keine Einschaltquoten heraus. 

Ein Bild aus der Vergangenheit: Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge wird vor einem Champions-League-Spiel im ZDF von Moderator Oliver Welke (l) und Experte Oliver Kahn (r) interviewt. Foto: imago/MIS
Insgesamt ist Jacques Raynaud, Sport- und Vermarktungschef bei Sky, mit der Entwicklung jedoch zufrieden. Denn nimmt man alle Anstoßzeiten (dienstags und mittwochs, 18.55 Uhr und 21 Uhr) zusammen, schauten im Schnitt 3,35 Millionen Menschen die Spieltage der Gruppenphase zu. Das ist eine Steigerung von rund 28 Prozent (Vorjahr: 2,62 Millionen): "Die größere Exklusivität für unsere Kunden und die zweite Anstoßzeit haben die Einschaltquoten im Pay-TV signifikant gesteigert, aber auch das Free-TV-Segment auf Sky Sport News HD beflügelt", so Raynaud in der "Sport Bild". Sky erhofft sich besonders von den anstehenden K.o.-Spielen einen neuen Zuschauerrekord. Ganz besonders steht das Duell zwischen dem FC Liverpool und Bayern München im Fokus. Beide Partien überträgt Sky. DAZN überträgt dafür exklusiv die Partien Tottenham gegen Dortmund (Mittwoch, 13. Februar, 21 Uhr) und Schalke 04 gegen Manchester City (20. Februar, 21 Uhr).


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Bayern München ist Profiteur des Pay-TV

Zurück zu Rummenigges Forderung. Warum möchte ausgerechnet der Pay-TV-Profiteur Bayern München eine Rückkehr ins Free-TV? Der deutsche Rekordmeister bekam in der vergangenen Saison den größten Teil aus dem sogenannten Marktpool, den sich die deutschen Teilnehmer teilen müssen. Dank des Bieterwettbewerbs, bei dem sich DAZN und Sky durchsetzen, erhöhte sich der Wert des Medien-Paketes für den deutschen Markt um etwa 50 Prozent. Auch deshalb stieg der öffentlich-rechtliche Fernsehsender ZDF aus den Verhandlungen aus – er konnte einfach nicht mehr mitbieten.

Insgesamt schüttete die UEFA zuletzt mehr als 1,4 Milliarden Euro aus. Dank der jetzigen Medien-Verträge sind es diese Spielzeit 2,04 Milliarden. Dank des ebenfalls neuen Verteilungsschlüssels können Top-Clubs wie der FC Bayern oder Titelverteidiger Real Madrid mehr als 100 Millionen Euro an Preisgeld einnehmen.

Rückgang der Sponsoring-Verträge befürchtet

Rummenigge hat allerdings ein Problem ausgemacht – die Sponsoring-Verträge. "Die werden aber bei einem Zuschauerrückgang von 84 Prozent in Deutschland nicht mehr ausreichend bedient", sagte der Bayern-Boss. 13,09 Millionen TV-Zuschauer wie beim Bayern-Spiel gegen Real Madrid am 1. Mai im ZDF lassen sich im Pay-Bereich nicht erzielen.

Der Bayern-Boss forderte daher: "Der Mix aus Pay- und Free-TV muss stimmen, sonst besteht die Gefahr, dass sich die Champions League mittelfristig selbst einen Schaden beim Sponsoring zufügt." Er vermutet: "Das werden die Verantwortlichen in Dortmund, Schalke und Hoffenheim, die in dieser Saison die Bundesliga in der Champions League vertreten, wohl ähnlich sehen". 


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