In dieser Saison unbezwungen Torwart Kevin Broll, der Elfmetertöter von Sonnenhof Großaspach

Von Johannes Kapitza

Unbezwungen ist Kevin Broll, Torwart bei der SG Sonnenhof Großaspach. Foto: imago/EibnerUnbezwungen ist Kevin Broll, Torwart bei der SG Sonnenhof Großaspach. Foto: imago/Eibner

Osnabrück . Wer einen Elfmeter gegen Sonnenhof Großaspach bekommt, sollte sich nicht zu früh freuen: Torwart Kevin Broll ist in dieser Saison unbezwungen. Gegen den VfL Osnabrück hielt er bereits seinen dritten Strafstoß und baute seine Bilanz aus. In 105 Drittligaspielen hat er acht von zwölf Elfmetern pariert.

Das ist eine Traumquote, aber „wenn man sich zu sehr mit Statistiken beschäftigt, lenkt das nur ab“, winkt Broll ab. Auch von den Videoanalysen, die er von den gegnerischen Elfmeterschützen sieht, will er sich nicht auf eine falsche Spur führen lassen. „Im Spiel entscheidet man nach Bauchgefühl.“ Die parierten Strafstöße reklamiert Broll daher nicht als überragendes Können. „Es ist eher Glückssache“, sagt er. Bei solchen Sätzen kommt er immer noch zum Vorschein, „der kleine, schüchterne Kevin“, der er laut eigener Aussage früher gewesen sei, als er zum Torwart wurde. 

Talent vom Vater geerbt

Das Torhütergen ist ihm in die Wiege gelegt. Sein Vater spielte in der polnischen Zweiten Liga. „Ich glaube, ich vertrete sein Erbe ganz gut“, sagt Broll, der schon im Bambinialter bei einem Turnier für einen verletzten Mitspieler vom Feld zwischen die Pfosten wechselte. „Das fand ich damals ganz cool“, erinnert er sich. Seine Lieblingsposition beim Ludwigshafener SC war gefunden.

Kein Konkurrenzkampf mit Bruder

Mit sechs Jahren wechselte er in seine Geburtsstadt Mannheim zum SV Waldhof und blieb dort 13 Jahre. Nach einer Saison bei den Männern ging er zum FC Homburg, auch um dem Konkurrenzkampf mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Dennis aus dem Weg zu gehen. „Ich wollte nicht, dass einer von uns auf der Strecke bleibt“, sagt Kevin Broll. Sein Bruder steht heute in der Verbandsliga im Tor, er hat sich in der vierten Saison in Großaspach längst zum Stammkeeper entwickelt – auch wenn er mit seinen 1,85 Metern noch „gefühlt auf die Streckbank“ müsste, um der „Gladiatorenpflicht“ eines groß gewachsenen Keepers nachzukommen.

Ländlich, nicht so hektisch

Broll ist seit 2015 eine personelle Konstante bei der SG. „Es ist ruhig, ländlich, nicht so hektisch“, kann sich der 23-Jährige gut mit der Philosophie des Vereins identifizieren. „Bescheiden und demütig bleiben, weiter hart arbeiten“, heißt das, vor allem im Abstiegskampf dieser Saison. „Hoffentlich ist der Knoten jetzt geplatzt“, sagt Broll nach dem 2:0-Sieg beim Spitzenreiter. Er konnte jedenfalls seinen Teil dazu beitragen.

Neulich hat Kevin Broll noch mal alte Videos gesehen aus der Zeit, als er noch nicht im Tor stand, sondern als kleiner Steppke dem Ball auf dem Feld hinterherjagte. „Es war eine gute Entscheidung, dass ich ins Tor gegangen bin“, sah er sich bestätigt – nur die gegnerischen Elfmeterschützen dürften mit dieser Entscheidung nicht so glücklich sein.


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