Eine Bestandsaufnahme "Jürgen Klinsmann, bitte helfen Sie uns": Alarmstufe rot beim VfB Stuttgart

Von Alexander Barklage und dpa

Quo vadis? VfB-Vorstand Michael Reschke (l) und Trainer Markus Weinzierl. Foto: imago/DeFodiQuo vadis? VfB-Vorstand Michael Reschke (l) und Trainer Markus Weinzierl. Foto: imago/DeFodi

Hamburg. Stuttgarts Trainer Markus Weinzierl darf vorerst weitermachen. Aber wie lange noch? Und warum klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei den Schwaben derzeit so weit auseinander? Eine Bestandsaufnahme.

"Wir haben hochverdient verloren und müssen uns bei den mitgereisten Fans entschuldigen", erklärte Stuttgarts Mittelfeldspieler Daniel Didavi zerknirscht nach dem desaströsen 0:3 bei Fortuna Düsseldorf. Didavi legte sogar noch nach: "Wir müssen denen eigentlich das Geld zurückzahlen." Die Stimmung beim VfB Stuttgart ist auf dem Tiefpunkt angelangt.

Bei den Schwaben herrscht nach der Pleite gegen einen direkten Mitkonkurrenten im Abstiegskampf Alarmstufe rot. Trainer Weinzierl, der erst am 20. Oktober 2018 das Ruder beim VfB übernommen hatte, muss um seinen Job bangen, auch wenn ihm VfB-Sportvorstand Michael Reschke am Montag das vorläufige Vertrauen aussprach: "Er wird heute das Training leiten, er wird auch in dieser Woche das Training leiten, und er wird gegen Leipzig auf der Bank sitzen".

Weinzierls Bilanz beim VfB mehr als dürftig

Weinzierl konnte die Talfahrt des VfB nicht stoppen. Im Gegenteil: Seine Bilanz als VfB-Coach ist mehr als dürftig. In 14 Partien holten die Schwaben unter ihm nur drei Siege, ein Remis und zehn Niederlagen, ein Punktedurchschnitt von 0,71 – so schlecht war noch nie ein Trainer des VfB Stuttgart.

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Weinzierl selbst blockte am Sonntag noch alle Fragen ab: "Meine Zukunft interessiert mich nicht". Auf die Frage, ob er das Gefühl habe, dass sich jeder seiner Spieler mit 100-prozentiger Leidenschaft gegen den Abstieg stemme, erwiderte er: "Ja." Das Spiel in Düsseldorf sprach jedoch eine ganz andere Sprache.

Auch Vorstand Michael Reschke stark in der Kritik

Auch VfB-Vorstand Michael Reschke steht immer mehr in der Kritik. Sollte er seinen Wunschtrainer Weinzierl entlassen, wäre es der dritte Trainerwechsel in seiner bisher 18 monatigen Ägide. Zuvor trennte er sich von Aufstiegstrainer Hannes Wolf sowie dessen Nachfolger Tayfun Korkut. Nicht nur wegen seiner Fehlentscheidungen auf der Bank des VfB muss sich Reschke einige unbequeme Fragen gefallen lassen.

Für viele Fans und Experten ist er das Problem, nicht der Trainer. In dieser Saison gab der VfB fast 45 Millionen Euro für neue Spieler aus. Kein Neuzugang konnte jedoch bislang überzeugen. In der Winterpause holte Reschke noch einmal den türkischen Verteidiger Ozan Kabak für rund zehn Millionen Euro. 

Bei keinem anderen Verein – abgesehen von Schalke 04 – hinken Anspruch und Wirklichkeit in der aktuellen Spielzeit so weit auseinander wie beim VfB. Nach der überragenden letzten Rückrunde, als unter Trainer Korkut fast noch der Sprung in die Europa League gelang, steckten sich die ehrgeizigen Stuttgarter für die hohe Ziele: Man wolle um die Europa-League-Plätze mitspielen, hieß es im Vorfeld der Saison großspurig. Die Realität sieht anders aus

Stimmungslage bei den VfB-Fans

Zwar hat der VfB alles noch selbst in der Hand und als Tabellen-16. nur drei Punkte Rückstand auf das rettende Ufer, dennoch spricht der derzeitige Trend nicht für die Schwaben. In der Rückrundentabelle liegt der VfB auf dem letzten Platz. 

Gisdol, Magath oder Klinsmann?

Sollte sich der VfB wirklich von Weinzierl trennen, stünden ein paar gestandene Nachfolger bereit. Allen voran Markus Gisdol. Der ehemalige Trainer des HSV steht bei den Hamburgern noch bis Ende der Saison unter Vertrag. Der finanziell angeschlagene Zweitligist könnte bei einer Verpflichtung Gisdols als Stuttgart-Trainer noch den einen oder anderen Euro an Gehaltsauszahlung sparen. Der VfB liegt Gisdol besonders am Herzen, denn er ist nur 60 Kilometer von Stuttgart entfernt in Geislingen geboren und war bei den Schwaben schon einmal Jugendtrainer. 

Dieser VfB-Fan hat ein eindeutigen Wunsch

Als weitere Kandidaten werden derzeit Felix Magath (65/zuletzt in China bei Shandong Luneng) und Jürgen Klinsmann (49) gehandelt. Der "Kicker" bringt auch eine Interimslösung ins Spiel. Demnach könnten übergangsweise Co-Trainer Andreas Hinkel und U19-Coach Nico Willig übernehmen. So würde der VfB mehr Zeit gewinnen, um einen Kandidaten zu finden und man würde verhindern, dass der neue Trainer gleich einen Fehlstart hinlegen könnte. Die nächsten Gegner des VfB heißen nämlich RB Leipzig (zuhause) und Werder Bremen (auswärts). 












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