Die gegenseitige Entdeckung Interesse am American Football wächst in Deutschland

Von Tobias Kemberg

Spektakuläres Spiel: Zach Ertz (Eagles) mit dem entscheidenden Touchdown im Finale 2018. Foto: Witters/Brad RempelSpektakuläres Spiel: Zach Ertz (Eagles) mit dem entscheidenden Touchdown im Finale 2018. Foto: Witters/Brad Rempel

Atlanta. Im Gegensatz zu den anderen US-Ligen wächst in Deutschland das Interesse an der National Football League. Am Sonntag findet mit dem Super Bowl das Finale statt, das wieder Millionen Zuschauer vor den Fernseher zieht.

Wenn alle vier Jahre eine Fußball-WM ausgetragen wird, ist Deutschlands beliebteste Sportart allgegenwärtig – und noch präsenter als ohnehin schon. Menschen, die sonst keinen Fuß in das Innere eines Stadions setzen, kleben gebannt vor den Fernsehgeräten. Weil nun mal WM ist.

In der Nacht zu Montag, 4. Februar um 0.30 Uhr, findet das einzige Sportereignis statt, bei dem hierzulande ebenfalls viele Menschen vor den Bildschirmen hocken werden, obwohl sie sich für den weiteren Saisonverlauf weniger oder gar nicht interessieren. Der 53. Super Bowl, das Finale der US-amerikanischen National Football League, zwischen den Los Angeles Rams und den New England Patriots, führt beide Teams nach Atlanta im Bundesstaat Georgia.

Interesse merklich gestiegen

Obwohl es für viele in Deutschland zweifellos das erste live verfolgte Spiel der Saison sein wird, so ist das Interesse an der mit jährlich rund 15 Milliarden US-Dollar umsatzstärksten Sportliga der Welt in den vergangenen Jahren hierzulande merklich gestiegen. Letztes Jahr sahen das Finale 1,38 Millionen Menschen hierzulande.

Einer der Gründe dafür ist die TV-Präsenz. Während andere amerikanische Top-Ligen wie die NBA (Basketball), NHL (Eishockey) oder MLB (Baseball) nur über Pay-TV-Kanäle oder Streaming-Dienste empfangbar sind, hat der American Football seit einigen Jahren bei Pro Sieben Maxx ein neues Zuhause gefunden und so Einzug in neue Wohnzimmer gehalten. Zudem bietet das Internet inzwischen eine ganze Reihe an Podcasts zur NFL, die auch „Einsteigern“ passende Unterhaltung liefern.

Sportliche Kontinuität

Einen kleinen Teil zur gestiegenen Popularität beigetragen hat die sportliche Kontinuität der National Football League. 16 reguläre Saisonspiele, drei Wochen Play-offs, immer im K.-o.-Modus, und jenes große Finale bieten nicht nur dem langjährigen Fan Verlässlichkeit. Jede Partie hat eine hohe sportliche Relevanz – anders als beispielsweise in der NBA, in der jede Mannschaft 82 Begegnungen absolviert, bevor es richtig ernst wird.

Mehrere deutsche NFL-Profis

Durch die alljährlichen „International Games“, von denen in der kommenden Saison erneut vier in London ausgetragen werden, ist die NFL dem deutschen Fan zudem räumlich so nah wie seit dem Ende der NFL Europe im Jahr 2007 nicht mehr. Robert Kraft, Besitzer der New England Patriots, hatte bei Liga-Boss Roger Goodell bereits vor einem Jahr angeregt, eines der für Großbritannien geplanten Spiele in Deutschland auszutragen. Konkreter wurden diese Pläne bislang nicht, doch auch Goodell ist bewusst, welche Möglichkeiten der deutsche Markt bietet – nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass es unter anderem mit Sebastian Vollmer, Markus Kuhn und Björn Werner in den vergangenen Jahren mehrere deutsche NFL-Profis gab.

Parallele Mediennutzung möglich

Ein weiterer Grund für die gestiegene Popularität ist der Ablauf des Spiels. Einzelne Spielzüge, die meist nur wenige Sekunden dauern, wechseln sich mit kurzen Pausen ab. Was für den einen oder anderen eher langweilig erscheint, passt in das Mediennutzungsverhalten der heutigen Zeit. Der Zuschauer hat die Möglichkeit, eine parallele Mediennutzung zu betreiben, ohne den Faden des Spiels zu verlieren. Die NFL nutzt diese Pausen wiederum zur Vermarktung. Gerade in der Zielgruppe der 14- bis 34-Jährigen funktioniert diese Strategie seit Jahren.


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