Wenn Ponomarev die Geduld verliert … KFC Uerdingen: Effenberg und Slomka aussichtsreichste Trainerkandidaten

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Stefan Effenberg (links) saß bei der Uerdinger Heimniederlage gegen die Würzburger Kickers neben der Führungsriege mit Präsident  Mikhail Ponomarev (rechts). Foto: imago/RevierfotoStefan Effenberg (links) saß bei der Uerdinger Heimniederlage gegen die Würzburger Kickers neben der Führungsriege mit Präsident Mikhail Ponomarev (rechts). Foto: imago/Revierfoto

Osnabrück. Stefan Effenberg und Mirko Slomka gelten beim Fußball-Drittligisten KFC Uerdingen als aussichtsreichste Kandidaten für die Nachfolge von Stefan Krämer. Nach dem 0:3 im Heimspiel gegen Würzburg riss der Geduldsfaden des mächtigen KFC-Präsidenten Mikhail Ponomarev. Der KFC entband Krämer von seinen Trainerpflichten.

Die Gerüchteküche hatte zwischenzeitlich auch Felix Magath, Claus-Dieter Wollitz und Pavel Dotchev als Trainerkandidaten ins Spiel gebracht. Dotchev reagierte jedoch gegenüber unserer Redaktion überrascht: „Von einem Uerdinger Interesse weiß ich nichts. Es hat niemand mit mir Kontakt aufgenommen“, sagte der 53-Jährige. „Die Freistellung von Krämer hat mich sehr überrascht. Er hat dort als Aufstiegstrainer starke Arbeit abgeliefert. Ich denke, Uerdingen hat sich schon vor der Entlassung eindringlich damit beschäftigt, wer Krämers Nachfolger wird.“

Effenberg saß beim 0:3 gegen Würzburg neben der KFC-Führung auf der Tribüne

Der Name Effenberg hält sich am hartnäckigsten. Beim desolaten Auftritt am Sonntag beim 0:3 im Heimspiel gegen die Würzburger Kickers hatte der ehemalige Nationalspieler und spätere Trainer des Zweitligisten SC Paderborn neben der KFC-Führung gesessen.

Auch als Kandidat für die Position eines Sportlichen Leiters in Krefeld wurde Effenberg bereits genannt. Der TV-Experte bei Sport1 wurde im Dezember 2018 bei der Volks- und Raiffeisenbank Bad Salzungen als mobiler Berater im Firmenkundengeschäft eingestellt und kümmerte sich seitdem um das Thema Fußballfinanzierung.

Slomka trainierte zuletzt vor eineinhalb Jahren den Karlsruher SC

Kandidat Slomka hatte indes vor mehr als eineinhalb Jahren beim damaligen Zweitligisten Karlsruher SC seine letzte Trainerstation. Zuvor hatte er Schalke 04, Hannover 96 und den Hamburger SV in der Bundesliga gecoacht. Nicht ausgeschlossen ist, dass am Samstag im Duell beim SV Meppen erst noch Co-Trainer Stefan Reisinger die Kommandos gibt.

Gilt ebenfalls als Kandidat beim KFC Uerdingen: Mirko Slomka, hier noch als Coach des Karlsruher SC. Foto: imago/Sportfoto Rudel

Der in Uerdingen entlassene Stefan Krämer hatte im November nach drei Niederlagen erstmals auf der Kippe gestanden. Mit fünf Siegen war der KFC anschließend auf Platz drei geklettert. Nach dem herben 0:4 vor der Winterpause bei der Spvg. Unterhaching hielten sich die aufkommenden Gerüchte um eine Ablösung des 51-Jährigen hartnäckig. Nach der Schmach gegen Würzburg war dem mächtigen KFC-Präsidenten, Mehrheitsgesellschafter der ausgegliederten Fußball-GmbH, Sponsor und Investor Mikhail Ponomarev offenbar der Kragen geplatzt. Am Montag wurde die Trennung von Krämer verkündet.

Investor Ponomarev griff in der Vorsaison zu ähnlichen Maßnahmen

Der Russe hatte also zu den Mitteln gegriffen, die er bereits im März 2018 gewählt hatte, als der KFC Tabellenzweiter der Regionalliga West war. Damals entließ er Trainer Michael Wiesinger. Nach drei Unentschieden in Folge sah Ponomarev das Aufstiegsziel gefährdet. Er verpflichtete Krämer, zudem mit Maximilian Beister einen gut bezahlten Flügelstürmer und somit den von ihm gewünschten Erfolg: Mit zwölf Siegen in Serie gelang die Meisterschaft und dann in der Relegation gegen Waldhof Mannheim der Drittliga-Aufstieg. In diesem Winter kamen mit Adriano Grimaldi (1860 München), Osaymen Osawe (FC Ingolstadt) und Roberto Rodriguez (FC Zürich) gleich drei Offensivkräfte hinzu. Keine Frage: Ponomarev drängt auf den dritten Aufstieg in Serie.

Drittliga-Etat des KFC liegt eher bei sieben als bei sechs Millionen Euro

Dazu hatte der Gründer und Sprecher von Energy Consulting, dem größten russischen Beratungsunternehmens in Management Consulting und Informationstechnologien, bereits im Sommer 2018 einmal mehr seine Schatulle großzügig geöffnet. Mit Weltmeister Kevin Großkreutz (zuvor Darmstadt 98), Abwehrchef Dominik Maroh (1. FC Köln) und Stürmer Stefan Aigner (Colorado Rapids) kam die geballte Erfahrung von 445 Bundesligaspielen an den Niederrhein – offenbar gegen den Willen von Krämer, der junge Spieler für sein schnelles Umschaltspiel gefordert hatte. Der großzügige Etat für die aktuelle Mannschaft samt Trainer und Betreuer dürfte eher sieben als sechs Millionen Euro betragen.

Als Ponomarev 2015 als Sponsor beim KFC eingestiegen war, steckte der damals klamme Club in der fünftklassigen Oberliga fest. Mittlerweile ist er auf dem Weg, mit dem ehemaligen Erstligisten und Halbfinalisten des Europapokals der Pokalsieger ähnliche Erfolge zu feiern wie mit dem AFC Bournemouth. Bei den Engländern war er 2012 eingestiegen und bejubelte 2017 den erstmaligen Aufstieg in die Premier League. Dann zog er sich aus Bournemouth zurück.

Ponomarev drängt Stadt Krefeld zur Gründung einer gemeinsamen Stadiongesellschaft

Kurz gab es in der zurückliegenden Winterpause in Krefeld ähnliche Befürchtungen. Gespräche von Ponomarev mit dem Aufsichtsrat des Ligakonkurrenten 1. FC Kaiserslautern machten die Runde. Zu einer Einigung über einen Einstieg des Russen kam es aber nicht. Vermutlich hat Ponomarev nur seine Kontakte in die Fußballszene genutzt, um die Stadt Krefeld weiter unter Druck zu setzen. Seit Langem führt er mit dieser Gespräche über eine Beteiligung an einer Sanierung und Modernisierung der Grotenburg-Kampfbahn. Das Stadion erfüllt die Sicherheitsauflagen für die 3. Liga nicht, der KFC trägt in dieser Saison seine Heimspiele in der Duisburger Schauinsland-Reisen-Arena aus. Auch die Trainingsstätten sind nicht drittligawürdig. Womöglich zahlen sich die strategischen Maßnahmen von Ponomarev bald aus. Mit der Stadt befindet sich der Investor in mittlerweile weit gediehenen Planungen zur Gründung einer gemeinsamen Stadiongesellschaft.

Quellen: Westdeutsche Zeitung, Die Rheinpfalz.


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