"Get Back Coaches" American Football: Warum NFL-Coaches einen Aufpasser haben

Der Head Coach der Los Angeles Rams, Sean McVay vorne während eines Spiels. Sein "Get back Coach", Ted Rath, rechts hinter ihm im weißen Shirt, hat ihn immer im Blick. Foto: imago/Icon SMIDer Head Coach der Los Angeles Rams, Sean McVay vorne während eines Spiels. Sein "Get back Coach", Ted Rath, rechts hinter ihm im weißen Shirt, hat ihn immer im Blick. Foto: imago/Icon SMI

Los Angeles. Hinter NFL-Teams stehen neben dem Head Coach eine große Anzahl von weiteren Trainern. Während eines Spiels hat einer von diesen eine besondere Aufgabe.

Als Head Coach (Cheftrainer) hat Sean McVay das NFL-Team der Los Angeles Rams nach einem spannenden Spiel gegen die New Orleans Saints in den Super Bowl geführt. Natürlich hat der erst 33-Jährige eine Reihe an Trainer-Assistenten an seiner Seite, die ihn auf den Weg dorthin in verschiedenen Bereichen unterstützt haben. 

"Get Back Coach" bewahrt Team vor Strafen

Eine besondere Rolle hat hier Ted Rath, der "Director of strength training and performance" im Team ist, sich also eigentlich um das Kraftraining und die körperliche Leistungssteigerung der Spieler kümmert. Aufmerksamen Zuschauern ist aber aufgefallen: An Spieltagen hat Rath eine besondere Aufgabe. Dann agiert er als "Get Back Coach". Das heißt, er passt darauf auf, dass Head Coach McVay nicht die Teamzone verlässt und den Offiziellen, die immer an der Seitenlinie hin und her laufen, nicht im Weg steht. So bewahrt er das Team aus Kalifornien vor so manch einer möglichen Strafe. 

Rath erklärt: "Wenn die Offense auf dem Feld ist, stehe ich die meiste Zeit direkt hinter Sean, um ihn aus dem Weg zu ziehen, wenn die Officials an der Sideline entlanglaufen. Und das nur, damit wir keine Strafe bekommen." Dazu hat er einen recht anschaulichen Vergleich: "Es ist fast eine Kunst, wie ein Tanz, vielleicht wie Tango? Ein Seitschritt in dem Weg des Officials und dann zurück." Mit der passenden Musik unterlegt, wirkt es wirklich, wie ein einstudierter Tanz. So greift Rath immer wieder beherzt an die Hüfte seines Head Coaches, der sich voll und ganz aufs Spiel konzentriert und nicht unbedingt merkt, dass er gerade dort steht, wo er nicht stehen sollte, und zieht ihn aus der Gefahrenzone. 

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Auch bei vielen anderen Teams gibt es jemanden, meist einer der Assistent Coaches, der dafür verantwortlich ist, dass sich alle von der Seitenlinie fern halten. An diese Nebenrichtlinien der Liga erinnerte die NFL die Teams auch in einem Schreiben. Darin heißt es "Jedes Team ist dafür verantwortlich, einen "Get Back Coach" zu haben. Dieser muss sich allen Regeln für das Verhalten an der Seitenlinie bewusst sein und dafür sorgen, dass das Team und die Mitarbeiter sich an diese halten." Es gibt also nicht nur bei den Rams jemanden, der während der Spiel zum "Schattenmann" wird.

Keine "Get Back Coaches" in der Bundesliga

In der Bundesliga gibt es ebenfalls eine Coachingzone, die laut Regelwerk nicht verlassen werden darf. Es ist aber nicht festgelegt, was bei einem Verstoß droht, wodurch der Schiedsrichter einen gewissen Spielraum zur Auslegung der Regel hat. Alex Feuerherdt vom Schiedsrichter-Podcast "Collinas Erben" erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion: "Im Normalfall wird nicht gleich jedes Übertreten der Begrenzungslinie der technischen Zone mit einem Innenraumverweis geahndet, erst recht nicht, wenn es versehentlich geschieht, also beispielsweise im Zuge eines besonders engagierten Coachings."

Allerdings ist es in der Bundesliga nicht üblich, dass die Teams einen "Get Back Coach" abgestellt haben, um den Trainer und Spieler davon abzuhalten, diese technische Zone, wie die Coachingzone offiziell heißt, zu verlassen. Normalerweise achtet nämlich der Vierte Offizielle darauf, dass niemand die Coachingzone verlässt. Sollte es doch jemand tun, wird er zunächst einmal "nur" darauf angesprochen und ermahnt. "Strenger sanktioniert, nämlich mit einem Tribünenverweis, wird das wiederholte Verlassen der technischen Zone, wobei dabei oftmals eine Tateinheit mit weiterem unsportlichen Verhalten vorliegt, etwa einer übermäßigen Kritik am Schiedsrichter", sagt Feuerherdt. Er ist auch der Meinung, dass diese Handhabung gut funktioniere und sowohl von Schiedsrichter- als auch von der Trainerseite aus akzeptiert werde. Insgesamt lasse der Fußball gerne mehr Spielräume bei der Auslegung von Regeln als andere Sportarten.


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