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Handballer im WM-Halbfinale 2019 Nachfolger für verletzten Strobel steht fest – Verrückter Kretzschmar-Wetteinsatz

Von Nina Brinkmann und dpa

Die Fans feierten die deutschen Handballer nach dem Halbfinal-Einzug – doch ohne Martin Strobel, der schon nach zehn Minuten verletzt aus der Halle getragen wurde. Foto: imago/Eibner, imago/NordphotoDie Fans feierten die deutschen Handballer nach dem Halbfinal-Einzug – doch ohne Martin Strobel, der schon nach zehn Minuten verletzt aus der Halle getragen wurde. Foto: imago/Eibner, imago/Nordphoto

Hamburg. Was für ein Spiel: Trotz eines Ausfalls von Spielmacher Martin Strobel kämpften sich die deutschen Handballer ins WM-Halbfinale. Die Euphorie ist groß – auch bei Handball-Legende Stefan Kretzschmar, der sich zu einer Wette hinreißen ließ.

Bereits vor dem letzten Hauptrundenspiel steht fest: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft steht im WM-Halbfinale. Angepeitscht von einem frenetischen Kölner Publikum setzten sich die Deutschen gegen Kroatien durch – doch einen Wermutstropfen gab es auch: Spielmacher Martin Strobel wird die kommenden Spiele verpassen. (Weiterlesen: Handball-Thriller: Deutschland im WM-Halbfinale – Drama um Strobel)

Operation bei Strobel in den nächsten Tagen

Der Europameister von 2016 zog sich am Montagabend einen Kreuzbandriss und einen Innenbandriss im linken Knie zu. "Es hat mich leider hart erwischt", sagte Strobel in einer Mitteilung des Verbandes. "Ich glaube an diese Mannschaft und wünsche den Jungs für das weitere Turnier, dass sie ihren Weg gehen." 

Mit schmerzverzerrtem Gesicht lag Martin Strobel auf der Trage, bevor er aus der Halle abtransportiert wurde. Foto: imago/Agentur 54 Grad

Strobel wird das DHB-Teamquartier noch am Dienstag verlassen und soll in den nächsten Tagen operiert werden. Nachdem die Diagnose feststand, sagte Bundestrainer Christian Prokop: "Martin hat die Nationalmannschaft mit großem Einsatz auf den Weg gebracht. Dafür sind wir ihm sehr dankbar", sagte Prokop. "Wir spielen jetzt auch für ihn." Für Strobel rückt jetzt Tim Suton nach. Der 22 Jahre alte Rückraumstratege vom Bundesligisten TBV Lemgo stößt im Verlauf des Tages zum WM-Team, wie Bundestrainer Christian Prokop am Dienstagmorgen sagte. "Er wird heute eintreffen, so dass er gegen Spanien einsatzfähig ist", sagte Prokop in Köln. Im abschließenden Hauptrundenspiel geht es am Mittwoch (20.30 Uhr/ARD) gegen die Spanier, anschließend steht am Freitag das Halbfinale in Hamburg an. 

Kroaten-Kritik an Schiri-Leistung

Bei den Kroaten war die Stimmung hingegen auf dem Tiefpunkt. Superstar Domagoj Duvnjak schimpfte nach Spielende mehrmals: "Lächerlich! Absolut lächerlich." Damit spielte er die Schiedsrichterentscheidungen des dänischen Duos Mads Hansen und Martin Gjeding an. Schon während der Partie machte Duvnjak durch seine Gesten und Mimik deutlich, wie wenig er von manchen Entscheidungen der Dänen hielt. Immer wieder beschwerte er sich bei den Referees, applaudierte in der Schlussphase sogar höhnisch, nachdem die deutschen Handballer einen Pfiff bekamen, den er nicht für richtig hielt. Auf Nachfrage des ZDF-Reporters sagte er allerdings: "Ich werde dazu öffentlich nichts sagen."  

Sein Coach hielt sich nach dem Schlusspfiff hingegen nicht zurück: "Die Schiedsrichter haben ihren Job nicht gut gemacht heute", sagte Lino Cervar. Und weiter: "Unser Team hatte heute nicht die gleichen Chancen wie Deutschland. Das ist die dritte WM, bei der wir um unsere Chance betrogen wurden." Die Schiedsrichter hatten am Montagabend einen schweren Job. Bis zum Schluss war es eine mitunter hektische Partie. Am Ende verzeichneten die Deutschen fünf, die Kroaten vier Zeitstrafen. Nach der Niederlage gegen Deutschland hat Kroatien keine Chance mehr auf das Halbfinale

Frisuren-Wette von Kretzschmar

An anderer Stelle lässt man sich die Laune durch den Strobel-Ausfall nicht komplett verderben. Ex-Handballer Stefan Kretzschmar kündigte nach dem Sieg gegen Kroatien an: Wenn die Deutschen den WM-Titel gewinnen, lässt er sich eine neue Frisur schneiden. 

Sollte Deutschland Weltmeister werden, will sich Stefan Kretzschmar einen Iro schneiden lassen. Foto: imago/Eduard Bopp

Kretzschmar moderiert nach jedem deutschen Spiel eine Talk-Runde auf Facebook.Der "Bild"-Zeitung sagte Kretzschmar zu seinem Wetteinsatz: "Mit dieser genialen Abwehr traue ich unseren Jungs alles zu. Sogar den Titel! Deshalb habe ich mich auch völlig irre zu einer Wette mit meiner Talk-Runde hinreißen lassen. Gewinnen die Deutschen den Titel, lasse ich mir mit 'Pommes' einen Irokesen-Schnitt machen. Ist mit 45 Jahren vielleicht ein bisschen albern, aber das muss dann sein." 

Pascal Hens mit Irokesenschnitt bei der WM 2007. Das Vorbild für die Kretzschmar-Wette. Foto: imago/WEREK

"Pommes", also der Handball-Weltmeister von 2007, Pascal Hens, war zu seiner aktiven Zeit für seine Irokesen-Frisur berühmt. 

Gratulation aus allen Reihen

Beim Spiel gegen Kroatien hatten die deutschen Handballer Unterstützung von allen Seiten. Beispielsweise waren die Fußball-Nationalspieler Sebastian Rudy und Matthias Ginter in der Kölner Arena, Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) gratulierte über die soziale Netzwerke. 

Auch Regierungssprecher Steffen Seibert zeigte sich bewegt auf Twitter: "Dermaßen spannend – jetzt freuen wir uns aufs Halbfinale. Glückwunsch!"

Der FC Schalke 04 postete ein Foto von Stürmer Mark Uth aus der Arena, auf dem neben Uth und Mittelfeldspieler Rudy unter anderen Alessandro Schöpf und Sascha Riether zu sehen sind. 

Nationalspieler Ginter war mit seiner Ehefrau in der Halle, wie einem Foto seines Clubs Borussia Mönchengladbach zu entnehmen war. 

Auch der Ex-Profi Hans Sarpei ist offenbar im Handball-Fieber. "Life is fast. Handball is faster. Ein Wahnsinns-Sport", twitterte er. "Halb-Finale. Ganz-Geil. Wir sehen uns in Hamburg." 

Auch München sendete FC-Bayern-Profi Thomas Müller seine Glückwünsche: "Meine herzlichsten Glückwünsche zum Erreichen des Halbfinales an die deutsche Handball-Nationalmannschaft", schrieb der 29-Jährige.



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