"Ick würd‘ ja jerne mal wissen..." Heinevetter: Lustiges Interview mit Rückkehrer Häfner

Stephan Sonntag

Meine Nachrichten

Um das Thema Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Gut aufgelegt: Silvio Heinevetter, Torhüter der Nationalmannschaft, fotografiert während einer Pressekonferenz bei der Handball-WM. Foto: dpaGut aufgelegt: Silvio Heinevetter, Torhüter der Nationalmannschaft, fotografiert während einer Pressekonferenz bei der Handball-WM. Foto: dpa

Köln. Kai Häfner ist zurück im deutschen Handball-Nationalteam und kam gegen Island zu seinem ersten WM-Einsatz. Danach musste sich der nachnominierte Rückraumspieler den Fragen der Journalisten stellen – und denen seines Mitspielers Silvio Heinevetter. Der Torhüter hatte sich dreist unter die Reporterschar gemischt.

In der Mixed Zone, in der die Journalisten nach den WM-Partien auf die Spieler warten, herrscht immer Gedränge. Insofern wunderte es zunächst nicht, als mitten im Gespräch mit Kai Häfner ein weiterer Arm mit einem Aufnahmegerät in der Hand in Richtung des deutschen Nationalspielers gestreckt wurde. Eher als in schönstem Berliner Dialekt die Frage gestellt wurde: „Ick würd‘ ja jerne mal wissen, wo Sie die letzten Wochen waren?“

Torhüter Silvio Heinevetter hatte sich zunächst unentdeckt unter die Journalistenschar gemischt, irgendwo ein Smartphone aufgetrieben und die Frage gestellt. „Urlaub hab‘ ick gehabt“, antwortete der Angesprochene brav im Hauptstadtslang.

Wurfgewaltig: Kai Häfner (am Ball) gab gegen Island sein WM-Debüt. Foto: imago/Marco Wolf


Die kleine Szene nach dem Spiel gegen Island zeigt: Der nachnominierte Kai Häfner ist sofort wieder im inneren Kreis der Nationalmannschaft aufgenommen worden. „Das ist ein Riesen-Geschenk für mich“, sagt der 29-Jährige. 

Dabei hatte er trotz Vollsprints auf den letzten Metern zunächst den Sprung auf den WM-Zug verpasst. Nach einer langwierigen Bauchmuskelverletzung war der Kapitän der Turn- und Sportvereinigung Hannover-Burgdorf zwar gerade rechtzeitig wieder fit geworden, Bundestrainer Christian Prokop gab aber in der Endauswahl dem jungen Leipziger Franz Semper den Vorzug. Nicht nur bei den Niedersachsen stieß diese Entscheidung auf Unverständnis. Gerade weil der Bundesligist einem seiner wichtigsten Spieler extra viel Regenerationszeit eingeräumt hatte, um Häfners WM-Ambitionen nicht zu gefährden.

Häfner: Wer weiß was noch passiert

„Einen so spiel- und schussstarken Mann wie Kai zu Hause zu lassen, ist fahrlässig“, hatte Sven-Sören Christophersen, Sportlicher Leiter der Recken und ZDF-Handballexperte, gepoltert.

„Das habe ich mir anders erhofft, das war natürlich keine schöne Nachricht“, war Häfner gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen“ diplomatisch geblieben, hatte aber offenbar schon eine Ahnung, dass damit noch nicht das letzte Wort gesprochen sein muss: „Wer weiß, was noch passiert.“

In Sachen Nachnominierung hat Häfner schließlich Erfahrung. Bei der EM 2016 in Polen war der Linkshänder vor dem letzten Hauptrundenspiel in den Kader berufen worden – für den verletzten Steffen Weinhold. Mit sieben Toren im Finale gegen Spanien hatte er damals maßgeblichen Anteil am deutschen Titelgewinn. Geschichte könnte sich wiederholen: „Nein, das würde ich nicht sagen. Es können sich aber alle darauf verlassen, dass ich alles geben, alles reinlegen werde.“

"Das war bombastisch, Gänsehaut pur. Für solche Tage stehst du jeden Morgen auf und gehst ins Training"Kai Häfner nach dem Spiel gegen Island


Gegen Island hat noch nicht alles geklappt. Bei zwei Kreuzungen funktionierte die Ballübergabe nicht, erst sein dritter Wurf landete im Tor. Trotzdem war Häfner nach dem Spiel überglücklich: „Das war bombastisch, Gänsehaut pur. Für solche Tage stehst du jeden Morgen auf und gehst ins Training.“

Von langer Hand geplant war der Tausch mit Semper nach der Vorrunde allerdings nicht. „Die Trainer haben mich erst am Freitagabend nach dem Training über den Tausch informiert“, versichert Häfner. Gegen Kroatien dürfte Steffen Weinhold wieder in der Start-Sieben stehen. Häfner wird aber bereit sein. Sobald er aufs Feld gerufen wird.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN