Großer Bruder, Trainer-Adjutant Wieso Teammanager Oliver Roggisch so wichtig ist für die DHB-Auswahl

Stephan Sonntag

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Wichtig für das Team: DHB-Manager Oliver Roggisch. Foto: Witters/TayDuc LamWichtig für das Team: DHB-Manager Oliver Roggisch. Foto: Witters/TayDuc Lam

Berlin. 2007 holte Teammanager Oliver Roggisch mit den deutschen Handballern den WM-Titel. Heute ist er Teammanager der DHB-Auswahl, seine Aura und sein Kreuz sind immer noch groß. Der 40-Jährige ist ein wichtiger Faktor für das Binnenklima in der deutschen Nationalmannschaft.

Wenn Oliver Roggisch in diesen Tagen mit der deutschen Nationalmannschaft in die Berliner Mercedes-Benz-Arena eingelaufen ist, dann war diese Aura des langjährigen Abwehrchefs immer noch zu spüren. 2,02 Meter groß, die breitesten Schultern des gesamten Teams, ein Turm von einem Mann – aus jeder Faser des deutschen Teammanagers spricht noch immer: „Mich kann nichts erschüttern und wenn ihr gegen uns gewinnen wollt, dann müsst ihr erst einmal an mir vorbei.“ 

Großer Bruder für die Spieler

Der 40-Jährige aus Villingen-Schwenningen ist eine Art großer Bruder der Spieler und Adjutant der Trainer. „Ich sorge dafür, dass sich unser Trainerteam komplett auf Handball konzentrieren kann. Ich halte ihnen den Rücken frei“, sagt Roggisch.

Weltmeister 2007: Oliver Roggisch (rechts) mit Lars Kaufmann. Foto: Witters/Uwe Speck


Der Weltmeister von 2007 organisiert die Tagesabläufe der Nationalmannschaft. „Trainingszeiten, Abfahrtszeiten, Essenszeiten – alles Organisatorische ist mein Aufgabengebiet.“ Roggisch war es auch, der Kai Häfner kontaktierte, um ihn nach der Verletzung von Steffen Weinhold in den Kreis der Nationalmannschaft zurückzuholen. Als der Rückraumspieler im Hotel eintraf, empfing ihn Roggisch mit einer kräftigen Umarmung.

Kein dritter Trainer, aber mit auf der Bank

Aber warum sitzt der Organisator im Hintergrund während der Spiele mit auf der Bank? „Ich bin kein dritter Trainer“, versichert Roggisch. „Ich organisiere die Wechsel, habe die Zwei-Minuten-Strafen im Blick und versuche einfach jegliche Hektik auf der Bank zu vermeiden.“

Berater: Oliver Roggisch im Gespräch mit DHB-Kapitän Uwe Gensheimer. Foto: imago/Contrast


Immer gelingt das nicht. Im Spiel gegen Frankreich wurde Patrick Wienceks Trikot zerrissen. Der Kieler hätte damit nicht weiterspielen dürfen – Verletzungsgefahr. Eine Aufgabe für Problemlöser Roggisch. „Wir haben keine Ersatztrikots an der Bank. Daher habe ich mit unserem Teambetreuer Volker Schurr vereinbart, dass er die Trikots griffbereit auf der Tribüne vorhält“, erklärt Roggisch. Über die Pressetribüne hinweg reichte Schurr das neue Leibchen an die Bank. Wiencek reichte eine kurze Spielunterbrechung, um es schnell zu wechseln. 

Zweimal im Fokus

Im selben Spiel geriet Roggisch in den Fokus, nachdem zwei Mal versehentlich der Timeout-Buzzer betätigt wurde. „Einmal hat sich Steffen Fäth versehentlich dagegen gelehnt, den anderen Fall konnten wir bisher nicht aufklären“, unterrichtet Kommissar Roggisch über den Ermittlungsstand. Ausdrücklich lobt er die Schiedsrichter, die in beiden Fällen auf eine Bestrafung des deutschen Teams verzichtet hatten. „Bekommt man für so etwas eine Zwei-Minuten-Strafe, kann das großen Einfluss aufs Spiel haben. Deswegen bin ich da gleich eingeschritten und habe ihnen erklärt, dass es ein Versehen war.“ Der große Roggisch kann eben nicht nur mit seiner Präsenz überzeugen, sondern auch mit seinem verbalen Vermögen.

Fast wie früher

Diese Fähigkeit ist auch im Verhältnis mit den Spielern von Bedeutung. „Wenn ein Spieler nach einigen Fehlwürfen auf die Bank kommt, nehme ich ihn in den Arm, versuche ihn aufzubauen, neu zu motivieren.“ Da ist er dann fast wieder der Teamkapitän – wie früher. „Ganz ehrlich, ich genieße es, auf der Bank zu sitzen. Da kann ich viel mehr auf die Spieler einwirken, als wenn ich auf der Tribüne sitzen müsste. So kann ich hoffentlich meinen Teil zum Erfolg beitragen.“


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