Zwischenfazit nach der Vorrunde Handball-Expertin Anett Sattler: Das sind meine Tops und Flops der WM

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Für Handball-Expertin Anett Sattler (eingeklickt) ist der Heimvorteil für das DHB-Team von unschätzbarem Wert. Foto: imago/Matthias Koch/foto2press/CollageFür Handball-Expertin Anett Sattler (eingeklickt) ist der Heimvorteil für das DHB-Team von unschätzbarem Wert. Foto: imago/Matthias Koch/foto2press/Collage

Hamburg. Handball-Expertin Anett Sattler erklärt, warum die Nationalmannschaft selbstbewusst in die Hauptrunde gehen kann und spricht über ihre persönlichen Tops und Flops der WM.

Die Vorrunde der Handball-WM ist Geschichte und für das DHB-Team stehen ab Samstag die drei Hauptrunden-Partien in Köln an. Handball-Expertin Anett Sattler erklärt, warum die Nationalmannschaft selbstbewusst in die Duelle gegen Island, Kroatien und Spanien gehen kann und spricht über ihre persönlichen Tops und Flops der WM-Vorrunde.

So geht es für die deutsche Mannschaft weiter

Anett Sattlers Tops: Fans, Strobel und Team-Chemie

Der große Zuschauerzuspruch

In den Spielorten der Handball-WM Berlin und München war die Hallenauslastung bei nahezu 100 Prozent. Foto: imago/Revierfoto

"Der Fan-Support in Berlin war unglaublich, jetzt geht es nach Köln, wo noch einmal 6.000 Zuschauer mehr in die Halle gehen. Ich kenne die Lanxess-Arena sehr gut, weil ich seit 2013 dort jedes Jahr das Championsleague Final-Four moderiere. Schon alleine durch die Bauweise der Halle sind die Zuschauer sehr dicht dran am Geschehen. Es wird ein richtiger Kessel und die Stimmung wird tatsächlich noch einmal besser als in Berlin. Das wird sich noch mal positiv auf die Leistung der Mannschaft auswirken.


Das was in Berlin auf den Rängen passiert ist, hat schon eine gravierende Rolle gespielt für das positive Abschneiden des Teams. Speziell im Spiel gegen Frankreich war es zu einem gewissen Prozentsatz auch die Halle, die die Mannschaft angetrieben hat. Der große Zuschauerzuspruch bei dieser WM gehört für mich zu den positivsten Faktoren der WM. 8,53 Millionen Zuschauer haben im Fernsehen das Spiel gegen Frankreich gesehen und die Hallenauslastung liegt bei 97 Prozent für Berlin und München. Besonders die hohe Auslastung in München überrascht mich sehr."

Interview mit DHB-Vize Bob Hanning

Martin Strobel

Deutschlands Rückraumspieler Martin Strobel spielte bislang eine starke Vorrunde und machte sich vor allem in der Offensive fast unersetzlich. Foto: imago/Bernd König

"Die größte positive Überraschung im DHB-Team ist ohne Zweifel Martin Strobel. Die Position des Mittelmannes/ Regisseurs hatte dem Trainer in der Vorbereitung das meiste Kopfzerbrechen bereit. Wer übernimmt die Spielmacher-Position? Und am Ende ist es jemand, der seine nationalmannschaftskarriere schon beendet hatte und mittlerweile in der 2. Bundesliga (HBW Balingen-Weilstetten) spielt. Da ist überhaupt kein Klassenunterschied zu erkennen. Im Gegenteil, wie er das Spiel führt, wie er in jeder Situation die richtige Entscheidung trifft, ist absolut beeindruckend."

Die Team-Chemie

Auf und neben dem Platz eine echte Einheit: Die deutsche Mannschaft mit Bundestrainer Christian Prokop (Mitte). Foto: imago/Nordphoto

"Im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Serbien hat der Bundestrainer noch einmal vieles ausprobiert. Da hat fast alles geklappt, außer das Spiel mit dem siebten Feldspieler. Das war eher kontraproduktiv (lacht). Vor der WM war die Frage, ob Prokop es schafft, mit dem Team eine Einheit zu bilden, nur wenn das funktioniert, kann es auch eine erfolgreiche WM für das DHB-Team werden. 

Nach der Vorrunde konnten alle, auch die Fernsehzuschauer sehen, dass Prokop die Mannschaft mit in seine Überlegungen einbezogen hat. In den Auszeiten hat der Bundestrainer die Mannschaft immer wieder nach ihrer Meinung gefragt und die Spieler selbst gefragt, wie sie gewisse Situationen einschätzen. Da sind tatsächlich beide Seiten aufeinander zugegangen und haben verstanden, dass es nur gemeinsam funktionieren kann. Man hört auch aus dem Umfeld der Mannschaft, dass die Trainingseinheiten mit deutlich mehr Spaß ablaufen und auch Teambuilding-Maßnahmen abseits der Platte die gute Stimmung hochhalten. Dieses Umdenken war schon ein entscheidender Faktor für Bundestrainer Prokop."

Flops: Groetzki, Fäth und die Schiedsrichter

Patrick Groetzki und Steffen Fäth

So hat man Deutschlands Rechtsaußen Patrick Groetzki bislang zu selten gesehen. Foto: imago/Camera 4

"Patrick Groetzki und Steffen Fäth: Eine wirklich negative Überraschung gibt es im Kader eigentlich nicht. Es gibt nur Spieler, die ihr Potenzial noch nicht zu 100 Prozent ausgeschöpft haben - wie zum Beispiel Patrick Groetzki, der auf seiner Position als Rechtsaußen ein bisschen verhungert und es manchmal scheint, als würde er gar nicht mitspielen. Auch Steffen Fäth kann noch deutlich mehr zeigen als er das im bisherigen Turnierverlauf getan hat."

Die Schiedsrichter

Besonders in den beiden Eröffnungsspielen zeigten die Schiedsrichter-Gespanne zu häufig Karten und Zeitstrafen. Foto: imago/Annegret Hilse

"Der internationale Handballverband (IHF) hat den Schiedsrichtern zu Beginn des Turniers eine klare Vorgabe gegeben die Härte aus dem Spiel zu nehmen. Die Maßnahmen sollten dazu dienen, das Spiel noch attraktiver zu machen. Vor allem in den ersten Spielen der Deutschen und der Dänen hagelte es Zeitstrafen. In beiden Partien zehn Zwei-Minuten-Strafen. 

Da hatte ich schon ein wenig Sorge, aber im Laufe des Turniers hat sich das wieder etwas reguliert. Das wäre auch ein entscheidender Eingriff in den Grundcharakter eines Handballspiels gewesen, wenn Spieler, die jahrelang auf eine gewisse Art und Weise gespielt haben, genau das nicht mehr machen dürfen."

Weinholds Verletzung? "Häfner wäre ein super Backup"

"Fakt ist, dass Steffen Weinhold für die Mannschaft unheimlich wichtig ist und wir alle die Daumen drücken, dass er wieder fit wird (Annahme d. Redaktion: Weinhold pausierte gegen Serbien und ist derzeit verletzt). Ich finde es war eine gute Entscheidung vom Bundestrainer, Kai Häfner jetzt schon zum Team zu holen und sich die Entscheidung noch offen zu lassen. Aber auch ohne Weinhold muss man sich keine Sorge um das Abschneiden der deutschen Mannschaft machen, sollte der Wechsel vollzogen werden. Häfner wurde bei der EM 2016 auch nachnominiert und hat dann eine entscheidende Rolle im Team gespielt. Er wäre ein super Backup."

Ausblick auf die Hauptrunde: "Spanien wird der Gradmesser"

"Im Prinzip hätte es gar nicht besser laufen können: Mit jetzt drei Punkten in die Hauptrunde zu gehen ist für das DHB-Team sehr gut. Dazu kommt noch das wesentlich bessere Torverhältnis gegenüber Frankreich und auch Kroatien, das könnte am Ende vielleicht noch wichtig werden. 

In der Hauptrunde empfinde ich insbesondere die Ansetzungen der Spiele als Vorteil für Deutschland. Es ist gut, dass wir gegen Island starten. Das Spiel muss die Mannschaft gewinnen, auch wenn Island alles andere als einfacher Gegner ist, aber von den drei Teams aus der anderen Gruppe schon der vermeintlich einfachste. Auch wenn Kroatien die Gruppe B als Erster abgeschlossen hat, habe ich die Kroaten nicht so gut und auch vor der WM nicht als Topfavoriten gesehen. 

Ich glaube, der Gradmesser wird die letzte Partie gegen Spanien werden. Ich schätze die Spanier stärker ein als Kroatien. Im Idealfall gewinnt Deutschland vorher gegen Island und Kroatien, dann stellt sich die Frage womöglich gar nicht mehr. Allgemein stehen die Chancen auf einen Halbfinaleinzug des DHB-Teams sehr, sehr gut."


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