Wechselarie nach Walkenhorst-Aus Verlassene Beachvolleyballerin Laboureur spricht von "bitterer Enttäuschung"

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Ein Bild aus vergangenen Tagen: Chantal Laboureur (l.) zusammen mit Partnerin Julia Sude. Foto: dpa/Georg WendtEin Bild aus vergangenen Tagen: Chantal Laboureur (l.) zusammen mit Partnerin Julia Sude. Foto: dpa/Georg Wendt

Hamburg. Nach dem Karriereende von Kira Walkenhorst gab es bei den deutschen Beachvolleyballerinnen eine kuriose Kettenreaktion mit einer Verliererin: Chantal Laboureur.

Das plötzliche Karriereende von Olympiasiegerin Kira Walkenhorst hat in der deutschen Beachvolleyball-Szene für ein mittelschweres Erdbeben gesorgt und eine Kettenreaktion in Gang gesetzt, an deren Ende Chantal Laboureur ohne Spielpartnerin dasteht. Die aktuelle deutsche Beachvolleyballerin des Jahres ist nach der Wechselarie derzeit auf der Suche nach einer neuen Partnerin. 

Nach Walkenhorst-Aus begann die Wechselarie  

Aber der Reihe nach: Am 7. Januar bestätigte Kira Walkenhorst, dass sie ihre Karriere aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr fortführen kann. Damit stand die andere Hälfte des überaus erfolgreichen Beachvolleyball-Duos, Laura Ludwig, auf einmal ohne Partnerin dar. Ludwig reagierte schnell auf den Ausfall ihrer langjährigen Partnerin und holte sich Blockerin Margareta Kozuch ins Boot. Die wiederum hatte zuvor an der Seite von Karla Borger gespielt, die nun ihrerseits auf Suche nach Ersatz war. Nun fehlte Borger eine Blockspezialistin und ihre Wahl fiel dann auf Laboureurs bisherige Partnerin Julia Sude. Borger und Sude hatten schon früher einmal zusammengespielt. Am Ende dieser Kettenreaktion steht Laboureur nun vorerst alleine da und der große Traum von Olympia 2020 ist für sie in weite Ferne gerückt.

Die aktuelle Weltrangliste der FIVB

Laboureur/Sude im letzten Jahr bestes deutsches Duo

Die 29-Jährige spielte zusammen mit Sude 2018 ihr bislang bestes Profijahr. Das Duo stand sogar kurzzeitig in der Weltrangliste auf Platz eins. Am Ende der Saison rutschten die Beiden auf Platz sechs ab. Dennoch waren sie, in Abwesenheit von Ludwig/Walkenhorst, das beste deutsche Beachvolleyball-Paar. Das ist auch ein Grund, warum Laboureur die Entscheidung ihrer Ex-Partnerin nicht ganz nachvollziehen kann. "Wir haben uns fünfeinhalb Jahre etwas aufgebaut und uns zwischenzeitlich bis auf Weltranglistenplatz 1 vorgekämpft...das ist schon eine bittere Enttäuschung", offenbart Laboureur, die in Tübingen Medizin studiert, im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie hatte nicht damit gerechnet, dass das aus ihrer Sicht erfolgreiche Duo durch den Wegfall von Kira Walkenhorst gesprengt wird. "Wenn eine Topspielerin von oben wegfällt, ist es schon klar, dass sich das auf andere Teams auswirken kann. Ich dachte allerdings, dass Julia Sude und ich davon nicht betroffen sein würden, weil wir ja auf ähnlicher Stufe mit diesem Beachvolleyball-Duo standen und dass der Kelch an uns vorbeigeht", erklärt Laboureur.

Chantal Laboureur (l) und Julia Sude waren 2018 das beste deutsche Beachvolleyball-Duo. Foto: imago/Beautiful Sports

Falsch gedacht. Als Julia Sude ihrer Partnerin die Entscheidung ausgerechnet an Laboureurs 29. Geburtstag in einem persönlichen Gespräch mitteilte, war die gebürtige Friedrichshafenerin schon perplex. "Ich war sehr überrascht, auch wenn ich von den Gerüchten schon gehört hatte. Dass es dann tatsächlich so kommt, hätte ich im Leben nicht erwartet. Es war eine bittere Enttäuschung. Und dieser Zeitpunkt, wo die Olympia-Qualifikation bereits angefangen hat, war auch nicht optimal. Dazu kommt, dass sich durch den Wegfall von Walkenhorst bereits ein Top-Team im Rennen um die begehrten Startplätze gezwungener Maßen auflösen musste. Meiner Meinung nach hatten wir ein großes Potenzial, Top-Ergebnisse bei der diesjährigen Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen 2020 zu erzielen", erklärte die 29-Jährige rückblickend. 

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Ob es auch atmosphärische Störungen zwischen den Beiden gab, dazu wollte sich die "Verlassene" nicht weiter äußern. Ihre Ex-Partnerin ließ folgendes Statement via Pressemitteilung zur Trennung verkünden: "Ich habe in unserem Team nicht die Weiterentwicklung gesehen, die ich mir für die Qualifikation für die Olympischen Spiele vorgenommen habe. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, das Ziel Olympia-Qualifikation mit Karla Borger ins Visier zu nehmen", so Julia Sude. "Ich danke Chantal für die gemeinsamen und erfolgreichen Jahre und freue mich jetzt auf die neue Herausforderung mit Karla."
Ich war sehr überrascht, auch wenn ich von den Gerüchten schon gehört hatte. Dass es dann tatsächlich so kommt, hätte ich im Leben nicht erwartet. Es war eine bittere Enttäuschung.

Laboureur schaut nach vorne

Laboureur möchte nach diesem ganzen Wechseldrama jetzt dieses leidige Thema hinter sich lassen und lieber den Blick nach vorne richten, um das angestrebte sportliche Ziel nicht weiter aus den Augen zu verlieren: Die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Auch wenn die Trennung noch in ihrem Kopf herumspukt: "Ich denke nicht, dass der Prozess schon abgeschlossen ist und ich schon alles verarbeitet habe. Ich muss und werde nach vorne schauen und mir intensive Gedanken machen." An ein vorzeitiges Karriereende dachte Laboureur nie: "Im April geht es mit den Turnieren weiter. Ich hoffe sehr, dass ich weiterspiele – das ist Plan A. Der Plan mit dem Beachvolleyball aufzuhören, wäre im Moment ganz weit hinten auf meiner Liste. Wer mich kennt, weiß, ich bin eine Kämpferin, und ich werde nicht so einfach den Traum von den Olympischen Spielen aufgeben."

Wer mich kennt, weiß, ich bin eine Kämpferin, und ich werde nicht so einfach den Traum von den Olympischen Spielen aufgeben.

Ein wenig Zeit eine neue Partnerin zu finden, hat Laboureur noch. Erst im April steht das erste Turnier wieder auf dem Programm. Trotzdem läuft die Zeit gegen die deutsche Beachvolleyball-Meisterin von 2017, die derzeit in Stuttgart individuell trainiert. 


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