Erst Handball-WM, dann Hochzeit Wie Hendrik Pekeler vom Filou zum Führungsspieler avancierte

Holger Petersen

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Hendrik Pekeler überzeugt bei dieser Handball-WM. Foto: imago/ Jörg SchülerHendrik Pekeler überzeugt bei dieser Handball-WM. Foto: imago/ Jörg Schüler

Berlin. Am vergangenen Wochenende war Ehefrau Johanna los zum Brautkleidkauf. Für die nachträgliche kirchliche Hochzeit im Juli. Da musste ein Freund der Familie auf die beiden kleinen Töchter Fine Sophia und Stine Marie aufpassen, denn Papa Hendrik ist derzeit bei der Handball-WM in Berlin unabkömmlich.

Am vergangenen Wochenende war Ehefrau Johanna los zum Brautkleidkauf. Für die nachträgliche kirchliche Hochzeit im Juli. Da musste ein Freund der Familie auf die beiden kleinen Töchter Fine Sophia und Stine Marie aufpassen, denn Papa Hendrik ist derzeit in Berlin unabkömmlich.

Gemeint ist Hendrik Pekeler, seines Zeichens „Turm in der Schlacht“ des deutschen Handball-Nationalteams bei der Heim-WM. Der 2,03 Meter große Abwehrhüne mit den stahlblauen Augen erfährt momentan allerorts Lob und Preis für seine ausgeprägten Defensivkünste. „Einfach Weltklasse! Peke verfügt über ein enormes Raumgefühl in der Abwehr“, lobt Alexander Haase, Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft. „Er kann lesen, was der Gegner machen will und deshalb auch große Räume abdecken.“ Kein Wunder also, dass Bundestrainer Christian Prokop den in Glückstadt an der Unterelbe aufgewachsenen Kreisläufer als das „Herzstück“ des deutschen Spiels bezeichnet. Zusammen mit Patrick Wiencek dirigiert der 27-Jährige die deutsche Deckung. „Es gibt keinen Chef bei uns, wir sind alle Chef. Jeder kennt die Abläufe und die Taktik. Es sind viele Automatismen dabei“, sagt Pekeler, der vor einem Jahrzehnt keinen Start nach Maß in seine sportliche Laufbahn hinlegt hat.

Im Norden verwurzelt

Körper, Talent und Perspektive – alles war im Grunde top zu Beginn seiner Karriere beim THW Kiel . Nur der Kopf war noch nicht so weit. Party statt Profitum. Doch aus dem Filou, der 2009 sogar einmal die Abfahrt zu einem Champions-League-Spiel des THW in Skopje verschlief, ist ein Führungsspieler geworden – dank eines langen Reifungsprozesses beim Bergischen HC, TBV Lemgo und bei den Rhein-Neckar Löwen. Und seit dieser Saison wieder beim THW.

Hendrik Pekeler spielt seit dieser Saison bei THW Kiel. Foto: dpa/ Uwe Anspach


Fest verankert in Schleswig-Holstein: Seine Eltern wohnen in Glückstadt, die große Schwester lebt in der Nähe von Wilster, die kleine Schwester studiert in Kiel, auch die Schwiegereltern wohnen in der Landeshauptstadt – genauso wie Pekeler selbst, Ehefrau Johanna, die beiden Töchter und die Rhodesian Ridgebacks Hector und Lilo. Bereits während seiner Zeit in „Norditalien“, wie der Schleswig-Holsteiner und der Hamburger das Gebiet südlich der Elbe bezeichnen, wurde ihm nachgesagt, er sei ein typischer Norddeutscher. Kein großer „Schnacker“, der zu jederzeit viele Worte verliert, kein Marktschreier à la Aale-Dieter. „Ich habe West- und Süddeutschland kennen gelernt – und dort gemerkt, dass mir das Moin langsam abhanden kommt. Umso glücklicher bin ich, dass es jetzt nur noch das Moin gibt.“ Auch nach seiner aktiven Karriere will der gelernte Bankkaufmann dem hohen Norden treu bleiben. „Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, wird Kiel mein Lebenszentrum bleiben“, sagt Pekeler. Bis dahin wird aber wohl noch viel Wasser den Nord-Ostsee-Kanal entlang fließen.

Beim THW Kiel jedenfalls wissen sie genau, was sie an „Peke“ haben. Die Abwehr steht, die „Zebras“ schicken sich an, zu alter Stärke und Dominanz zurückzukehren. „Ich will vorangehen“, sagt der Abwehrhüne im Wissen, dass er Verantwortung tragen muss. Ein Glücksfall für den Kieler Traditionsclub. Denn wo Pekeler ist, ist auch Erfolg. Europameister 2016, Olympia-Bronze 2016, Deutscher Meister 2016 und 2017, Pokalsieger 2018 – kein anderer deutscher Handballer hat derart viele Titel in den vergangenen Jahren gesammelt wie der gebürtige Itzehoer. Und: Es ist nicht ausgeschlossen, dass diese Trophäensammlung schon bald Zuwachs erhält. In Form des WM-Pokals.


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