Patrick Wiencek bei der Handball-WM Die Abwehrkante bittet zum Kampf

Holger Petersen

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Patrick Wiencek jubelt beim Spiel gegen Frankreich. Foto: WittersPatrick Wiencek jubelt beim Spiel gegen Frankreich. Foto: Witters

Berlin . Patrick Wiencek ist ein wichtiger Baustein der deutschen Weltklasse-Deckung bei der Handball-Weltmeisterschaft. Nachdem Unentschieden gegen Frankreich, ist er sich sicher: Die Abwehr kann noch besser werden.

Der weiße Riese ist müde. Sehr müde. Er hatte in der Nacht zuvor wenig Schlaf bekommen, war erst gegen 4 Uhr morgens eingenickt. „Zu viel Adrenalin intus“, erklärt Patrick Wiencek. Sein verletzter Zimmergenosse Steffen Weinhold sei um 2 Uhr von der Physiotherapie zurückgekehrt, anschließend hätten sie sich noch die Wiederholung des RTL-Dschungelcamps angeschaut – zum Herunterfahren nach der Schlacht gegen Frankreich.

Deutsche Abwehr überzeugt gegen Frankreich

„Man liegt im Bett und denkt darüber nach: Was habe ich gut und was habe ich schlecht gemacht“, berichtet der deutsche Handball-Nationalspieler vom THW Kiel. Doch selbst ihm als sehr selbstkritischer Zeitgenosse dürfte in Sachen Kritik nicht viel eingefallen sein. Dass der finale Wurf des Franzosen Timothey N’Guessan zum 25:25 im deutschen Tor einschlug, war halt Pech.

Zuvor hatte der Mittelblock um Wiencek, seinem THW-Kollegen Hendrik Pekeler und Finn Lemke, die Herzkammer des deutschen Spiels, Fans und Experten gleichermaßen begeistert und die hochbegabten Franzosen verzweifeln lassen. In den ersten 25 Minuten ließ die „Kieler Mauer“ nur sieben Tore des vermeintlich weltbesten Angriffs zu. Ein unfassbarer Wert. Das Spitzenspiel der WM-Gruppe A war ein echter Festtag für Freunde leidenschaftlicher Deckungsarbeit.

Patrick Wiencek steht für kampfbetontes Spiel

Permanentes Zerren und Schubsen, blaue Flecken, zerschlissene Trikots, vorbildliches Teamwork und emotionale Ausbrüche – was könnte es Schöneres geben? Nichts, sagt der 29-jährige Wiencek, der diese Schlachten liebt: „Ein Highlightspiel gegen solch eine Weltauswahl pusht einen noch mehr – so ähnlich wie Bundesliga-Duelle mit Flensburg oder den Löwen.“ Auf der Außenposition würde er sich nicht wohlfühlen, der hünenhafte Haudrauf will mittendrin statt nur dabei sein. Dort, wo es weh tut. „Im Innenblock kann ich ordentlich austeilen, muss aber auch einstecken können“, sagt „Bam Bam“, der diesen Spitznamen vor langer Zeit in Anlehnung an eine Person aus der Zeichentrickserie Fred Feuerstein verpasst bekam. Weil er in der Deckung immer hart zupackte und im übertragenden Sinn die Keule rausholte. Denn: Wo der zwei Meter große und 116 Kilogramm schwere gebürtige Duisburger hinlangt, da wächst kein Gras mehr.

Im Angriff sind seine Einsatzzeiten während dieser WM bislang überschaubar. Die Kollegen Pekeler und Kohlbacher machen dort einen guten Job. Aus dem Abwehrmittelblock ist der große Motivator jedoch nicht wegzudenken. Der gelernte Anlagenmechaniker ist die Lebensversicherung im deutschen Spiel. Und was ist das Erfolgsgeheimnis der deutschen Defensive? 


Wir kennen uns aus dem Effeff. Jeder weiß, was der andere macht. Und wir leben davon, dass wir mit vielen Emotionen spielen. Patrick Wiencek


Eine Kostprobe deutscher Abwehrstärke wird in der Hauptrunde auch sein Kieler Vereinskollege Domagoj Duvnjak und dessen kroatisches Team serviert bekommen. „Ich habe noch nichts von ihm gehört“, berichtet Wiencek. In der THW-Whatsapp-Gruppe herrsche bis auf ein paar gepostete Trainingspläne der Daheimgebliebenen Funkstille. Jeder konzentriert sich auf sich selbst.

Wiencek jedenfalls freut sich auf Köln: „Dort sind dann ja nochmals 5000 Leute mehr in der Halle – wow.“ Und eine Kampfansage hat er auch schon parat: „Unsere Abwehr war schon gut, aber die kann noch besser werden.“ Eine Aussage, die bei Duvnjak und Co. keine Begeisterungsstürme auslösen dürfte. 


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