Interview zur Handball-WM DHB-Vizepräsident Hanning: Wir können es nach ganz oben schaffen

Arne Wohlfahrth

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DHB-Vizepräsident spricht über die Aussichten der deutschen Mannschaft bei der WM. Foto: dpaDHB-Vizepräsident spricht über die Aussichten der deutschen Mannschaft bei der WM. Foto: dpa

Berlin . Ein Dreivierteljahr hat sich Bob Hanning in der Öffentlichkeit merklich zurückgehalten. Zumindest wenn es um Themen rund um den Deutschen Handballbund ging, dessen Vizepräsident er ist. In diesen WM-Tagen äußert sich der 50-Jährige aber wieder vermehrt. Und er tut es gerne. Denn es läuft. In Berlin, seiner Wahl-Heimat. Aber auch bei der deutschen Mannschaft, die am Dienstagabend beim 25:25 gegen Weltmeister Frankreich bewiesen hat, dass sie mit den Topteams mithalten kann.

Herr Hanning, ist das für Sie jetzt gerade wie ein gemaltes Bild? Tolle Stimmung in Berlin, im gesamten Land und damit einhergehend reist die deutsche Mannschaft vermutlich mit 3:1 Punkten nach Köln und hat sich damit eine gute Ausgangsposition für die Hauptrunde verschafft.

Bob Hanning: Ja, das ist so wie wir gehofft haben. Ich muss aber auch sagen, wir sind jetzt sehr euphorisch, es kann aber am Donnerstag noch ganz anders kommen. Wenn die Koreaner die Brasilianer schlagen oder die Russen die Franzosen, dann verändert sich wieder alles.

Im Sport geht es manchmal sehr schnell. Wie groß war denn Ihre Angst am Montagabend nach dem Remis gegen Russland, dass das deutsche Team eventuell mit 1:3 Punkten in die Hauptrunde geht und die gerade Schwung aufnehmende WM-Stimmung schon dahin wäre?

Da ich ein Grundoptimist bin, habe ich mir dazu nicht so viele Gedanken gemacht. Ich hatte keine Angst, sondern habe gedacht, dass wir gegen die Franzosen gewinnen. Wir haben in dieser Vorrunde ein bisschen von den Brasilianern profitiert und deswegen am Dienstag auch zwei Punkte gewonnen.

Mal angenommen, es läuft am Donnerstag alles normal. Deutschland wird Zweiter und nimmt 3:1 Punkte mit, weil Brasilien den dritten Platz erreicht. Welche Perspektiven sehen Sie dann für die deutsche Mannschaft?

Dann haben wir die beste aller Möglichkeiten. Warum? Weil wir gegen Mazedonien oder Island anfangen. Das ist als Einstieg für Köln perfekt. Wenn du ins Halbfinale willst, musst du diese beiden Mannschaften schlagen. Und: Frankreich müsste einen Punkt auf uns aufholen, denn wir würden elf Tore Vorsprung mitnehmen. Das ist ein Riesenpfund. Normalerweise holen das die Franzosen in drei Spielen nicht auf. Also müssen wir Spanien oder Kroatien hinter uns lassen, um das Halbfinale zu erreichen. So ist meine Rechnung.

Die Euphorie ist groß. Sie ist natürlich durch diesen Auftritt gegen Frankreich weiter geschürt worden. Was muss aber dennoch besser werden?

Wir brauchen Steffen Fäth. Er muss für uns die Kohlen aus dem Feuer holen, weil er das kann. Er ist ein ganz toller Spieler. Generell müssen wir im Angriff häufiger abschließen. Gegen die Franzosen haben wir im ersten Durchgang zu viele Bälle verloren, weil der letzte Zug zum Tor gefehlt hat. Auch im Gegenstoß muss es noch besser laufen. Das war gerade gegen die Russen ein Problem.

Bob Hanning wünscht sich einen starken Steffen Fäth. Foto: AFP/ Tobias Schwarz


Und in der Abwehr?

Ganz ehrlich: Das geht nicht mehr besser.

Wie erleben Sie Bundestrainer Christian Prokop bei dieser WM – gerade im Vergleich zu der Europameisterschaft in Kroatien im vergangenen Jahr?

Ich nehme ihn so wahr, wie ich ihn von Anfang an erwartet habe. Das ist der Christian Prokop, den ich kenne und den wir verpflichtet haben. Wir haben einen Fehler gemacht: Nach dem Achtelfinal-Aus bei der WM 2017 und dem Trainerwechsel hin zu Prokop haben wir das einfach so hingenommen. Wir sind einfach zum Alltag übergegangen und haben nicht analysiert, welche Prozesse da gerade stattfanden. Deswegen sind wir ins offene Messer gelaufen, wozu alle beigetragen haben. Und ich betone: alle. Da meine ich uns als Verband, den Trainer, aber auch die Mannschaft. In den vergangenen Monaten habe alle brutal an sich gearbeitet. Und jetzt ist es für einen Trainer natürlich auch viel einfacher. Wir wissen auch: Du lernst am meisten, wenn du am Boden liegst. Jetzt zahlen alle wieder mehr ein als sie sich herausnehmen. Das ist nach wie vor keine Garantie, dass es ganz nach oben geht, weil sieben, acht Mannschaften auf dieser Welt das gleiche schaffen können. Aber wir haben wieder das Gefühl, dass es möglich ist.

Es gab muntere Diskussionen um die Nicht-Nominierung von Tobias Reichmann. In den ersten drei Spielen hatte Patrick Groetzki auf Rechtsaußen eine Wurfquote unter 50 Prozent? Wie erleichtert waren Sie, dass Groetzki gegen Frankreich eine gute Partie abgeliefert hat?

Oh sehr, wie sich jeder vorstellen kann. Vor allem habe ich mich für den Spieler gefreut – unabhängig von einer aufkommenden Diskussion auf dieser Position war es schön, dass er sich am Dienstag mal freigeschwommen hat.

Das heißt, es gibt keine Überlegungen, Tobias Reichmann für die Hauptrunde nach zu nominieren?

Nein. Die gibt es definitiv nicht.


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