Traditionsverein vor dem Aus Keine Hilfe von Sané für Wattenscheid 09: "Das macht mich traurig"

Nationalspieler Leroy Sané könnte seinen Ausbildungsverein theoretisch im Alleingang retten. Gemeldet hat sich der 23-Jährige bei der von der Insolvenz bedrohten SG Wattenscheid 09 jedoch nicht, sagt Aufsrichtsratsvorsitzender Oguzhan Can. Foto: dpa/Roland Weihrauch/imago/Sportimage/CollageNationalspieler Leroy Sané könnte seinen Ausbildungsverein theoretisch im Alleingang retten. Gemeldet hat sich der 23-Jährige bei der von der Insolvenz bedrohten SG Wattenscheid 09 jedoch nicht, sagt Aufsrichtsratsvorsitzender Oguzhan Can. Foto: dpa/Roland Weihrauch/imago/Sportimage/Collage

Bochum. Der Traditionsverein SG Wattenscheid 09 steht vor dem Aus: Bis Montagabend muss der Regionalligist 350.000 Euro zusammenbringen, ansonsten droht die Insolvenz. Leroy Sané, ein Kind des Vereins, hat sich noch nicht an der Hilfe beteiligt.

An diesem Montag entscheidet sich das Schicksal der SG Wattenscheid 09. Nach knapp 110 Jahren des Bestehens droht dem Regionalligisten das Aus. Bis 20 Uhr muss der Verein 350.000 Euro zusammenbringen, um die drohende Insolvenz abzuwenden und die laufende Saison überhaupt zu Ende spielen zu können. 

UPDATE: Die SG Wattenscheid 09 ist gerettet

Ein Mitte Dezember vom Verein ins Leben gerufenes Crowdfunding-Projekt hat durch die Hilfe von über 2000 privaten Unterstützern und Unternehmen bis Montagmittag knapp 150.000 Euro zusammengebracht – es fehlen also noch rund 200.000 Euro zur Rettung des aus Bochum stammenden Traditionsvereins. Die Erlösung scheint illusorisch. 

Dabei hatte der Club jahrzehntelang großen Anteil daran, dass es vielversprechende Talente aus dem eigenen Nachwuchsbereich sehr weit bringen konnten. So stammen beispielsweise die Zwillinge Hamit und Halil Altintop (beide kommen zusammen auf insgesamt 543 Bundesligaspiele) ebenso aus der Wattenscheider Fußballschmiede wie auch Leroy Sané, dessen Vater Souleymane in den 80er und 90er Jahren für die SG kickte und damals so etwas wie ein Publikumsliebling war. Leroy Sané spielt mittlerweile für Manchester City, hat laut transfermarkt.de einen Marktwert von 75 Millionen Euro und verdient angeblich 90.000 Pfund (ca. 100.000 Euro) in der Woche.

Leroy Sané. Foto: dpa/Jens Büttner

Der Nationalspieler könnte seinen Ausbildungsverein theoretisch im Alleingang retten. Gemeldet hat sich der 23-Jährige bei seinem früheren Verein jedoch nicht, sagte Wattenscheids Aufsrichtsratsvorsitzender Oguzhan Can kürzlich zu "n-tv". Auch auf Unterstützung anderer Art verzichtete Sané bislang: Angesichts von über vier Millionen Followern in den Sozialen Netzwerken wäre ein Hinweis auf die Crowdfunding-Aktion eigentlich ein Leichtes gewesen – Sané entschied sich offenbar dagegen. "Das macht mich traurig", so Oguzhan Can. 

Trotzdem fehlt es dem Club nicht an Sympathiebekundungen und Solidarität. Das verdeutlichte in der vergangenen Woche eine von Fans veranstaltete Mahnwache vor dem Lohrheidestadion, der Heimspielstätte der SG Wattenscheid 09. 250 Anhänger hatten sich dort versammelt, um in diesen schweren Zeiten ihre Solidarität und Zuneigung zu bekunden.

Viel mehr scheint jedoch nicht mehr möglich zu sein, so dass der Club aller Voraussicht nach Mitte Februar gar nicht mehr zum Punktspiel gegen den Bonner SC wird antreten können. Ein Aus des ehemaligen Bundesligisten (1990 bis 1994) beträfe neben der Herrenfußballabteilung insgesamt rund 200 Fußballspieler und wäre somit auch das Ende der erfolgreichen Jugendabteilung.

In der Versenkung verschwunden: Das wurde aus den Fußball-Traditionsvereinen

Immerhin hat sich die SGW für den Aufsichtsrat noch kompetente Hilfe holen können: Schalkes Ex-Präsident Josef Schnusenberg wirkt seit vergangener Woche an der versuchten Rettung der 09er mit. "Mit seinem Wissen und seinem großen Netzwerk werden wir den Verein wieder auf Kurs bringen", sagt Can hoffnungsvoll.

Unterstützung aus der Nachbarschaft

Doch ohne die nötigen finanziellen Mittel wird das nicht möglich sein. Daran ändert auch die Solidarität von anderen Clubs aus der Region nichts. Der große Nachbar und Zweitligist VfL Bochum, der selbst unter chronischer Geldnot leidet, hatte seine Unterstützung in Form eines Benefizspiels angeboten. Auch die Ligakonkurrenten Rot-Weiss Essen und Rot-Weiß Oberhausen helfen, wo sie nur können.

"Wir wissen selber nur zu gut wie sich Überlebenskampf anfühlt und wie wichtig die Hilfe von außen ist. Wir sehen es als unsere Pflicht an, dass sich Traditionsvereine gegenseitig im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen. Mit der SG Wattenscheid verbindet uns eine mehr als 40-jährige Geschichte und wir hoffen auf viele weitere gemeinsame Jahre", sagt RWO-Präsident Hajo Sommers.

Hoeneß über Wattenscheid-Aufstieg: "Das Schlimmste, was passieren konnte"

Vom FC Bayern, der sich jahrelang als "Robin Hood" des deutschen Fußballs verdingte und angeblich insgesamt schon 15 Vereinen finanziell aus der Patsche half, ist in diesem Fall vermutlich keine Hilfe zu erwarten. Das dürfte aber nicht daran liegen, dass der damalige Bayern-Manager und heutige Präsident Uli Hoeneß über den Bundesliga-Aufstieg der "grauen Maus" 1990 einst sagte, das sei "das Schlimmste, was der Bundesliga passieren konnte."

In ihren vier Jahren in der höchsten deutschen Spielklasse schafften es die Wattenscheider übrigens zwei Mal, die Bayern zu besiegen. Lange ist's her.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN