Regeln neu interpretiert Internationale Handball-Föderation: Sport soll weniger brutal werden

Von Arne Wohlfarth

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Handball soll weniger brutal werden, findet die Internationale Handball-Föderation (IHF). Foto: imago/NordphotoHandball soll weniger brutal werden, findet die Internationale Handball-Föderation (IHF). Foto: imago/Nordphoto

Berlin. Die Internationale Handball-Föderation (IHF) hat entschieden die Regeln des Spiels neu zu interpretieren. Das Ziel: weniger Unterbrechungen, mehr Spielfluss. Insgesamt soll Handball weniger brutal werden. Dazu müssen die Schiedsrichter, die Spieler jedoch zunächst umerziehen.

Auf einmal ist Platz auf dem Feld. Die deutschen Spieler dürfen sich nur noch zu dritt plus Torwart den Koreanern entgegenstellen. Hendrik Pekeler, Martin Strobel und Steffen Weinhold brummen jeweils eine Zeitstrafe ab. Das kann im Handball schon einmal vorkommen. Es ist eben ein harter Sport. Aber im WM-Eröffnungsspiel geht es überhaupt nicht hart zur Sache. Die Statistik weist dennoch insgesamt elf Zwei-Minuten-Strafen und eine rote Karte auf. Das ist ein Vorgeschmack auf das, was den Spielern in den kommenden zwei Wochen blüht.

Zähe Partie

Die Internationale Handball-Föderation (IHF) hat nämlich entschieden, die Regeln ab sofort etwas anders zu interpretieren. Verantwortlich dafür ist Ramon Gallego, Chef der IHF-Schiedsrichter. Eine Stunde vor dem WM-Auftakt am Donnerstag sitzt der hagere Spanier, der unter anderem die Olympia-Finals 1992 und 1996 geleitet hat, im Bauch der Berliner Arena und erläutert die Hintergründe. Sein Ziel ist: weniger Unterbrechungen, mehr Spielfluss. Insofern dürfte der 62-Jährige am Donnerstagabend enttäuscht ins Bett gegangen sein. Denn die Partie zwischen Deutschland und Korea ist extrem zerfahren. „Sehr zäh“, wie es Hendrik Pekeler einordnet. Also genau das, was Gallego eigentlich nicht mehr sehen will.

Prozess anstoßen

Doch der Schiri-Boss weiß natürlich, dass das ein Prozess ist, der nun angestoßen wurde. Seine Referees sollen die neue, sehr progressive Bestrafung einhalten und die Spieler damit erziehen. Insbesondere Fouls, die sich bloß gegen den Körper richten, darunter Schlagen oder Stoßen, sollen hart sanktioniert werden. Aber das, was der Koreaner Dongmyung Kim in der zwölften Minute gegen Steffen Fäth macht, ist ein Allerweltsvergehen. Trotzdem sieht der Kreisläufer des Außenseiters die rote Karte.

Weniger brutal

Der Handball, so wünscht es sich die IHF, soll nicht mehr so brutal daherkommen. „Man sollte die Gesundheit immer im Auge haben. Die Schiedsrichter müssen mithelfen, Verletzungen zu verhindern. Das übergeordnete Ziel ist, Kinder und andere für den Handball zu begeistern. Die Gesundheit und der Spaß am Spiel stehen im Vordergrund“, sagt Gallego.

Ob das der richtige Weg ist, wird sich zeigen. Den Spielern bleibt nichts anderes übrig, als sich schnell darauf einzustellen. „Sauberer verteidigen“, heißt die Devise von Hendrik Pekeler, der die Aufregung jedoch nicht ganz teilt: „Das war das erste Spiel der WM. Im Vorfeld sind die Schiedsrichter genau instruiert worden. Die wollten das nun perfekt umsetzen und waren zu kleinlich. In den nächsten Spielen wird sich das regulieren.“ Zumal der deutsche Kreisläufer das Gefühl hatte, dass die dänischen Unparteiischen Martin Gjeding und Mads Hansen, eines der besten Gespanne weltweit, die eine oder andere Zeitstrafe am liebsten nicht gegeben hätten. Aber sie mussten. Der Chef Gallego saß draußen und beobachtete es genau.

Junge und fitte Schiedsrichter

Der Spanier gilt als harter Hund. Er hat nicht nur die Regelauslegung verändert, sondern auch etliche Abläufe. Gallego baut vor allem auf junge und fitte Schiedsrichter. Und er hat das Leistungsprinzip verstärkt. Waren bei vergangenen Turnieren immer noch Unparteiische aus allen Kontinenten vertreten, so sind es nun 13 europäische Gespanne, eins aus Tunesien, eins aus Argentinien und eins aus dem Iran. Sie werden sich auf Gegenwind von den Tribünen einstellen müssen. Am Donnerstag wird in Berlin deutlich: Den Fans gefällt die neue Linie nicht.


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