WM in Deutschland und Dänemark "In der Nische etabliert": Der Handball zwischen Event und Alltag

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Der Handball in Deutschland steckt in der Nische fest. Foto: imago/foto2pressDer Handball in Deutschland steckt in der Nische fest. Foto: imago/foto2press

Berlin. Knapp drei Wochen lang läuft im Januar die Handball-Weltmeisterschaft in Deutschland und Dänemark. Eine Zeit, in der die Sportart mehr Aufmerksamkeit genießt als üblich. Eine Möglichkeit für den Sport, dauerhaft im medialen Fokus zu bleiben? Nein, sagt Sportwissenschaftler Thomas Horky.

Handball gilt als extrem harte, aber zugleich faire und ehrliche Sportart. Zudem ist die deutsche Nationalmannschaft über Jahre hinweg erfolgreich. Und doch erfährt die Sportart hierzulande in den Augen vieler zu wenig Aufmerksamkeit. 

Anders während der aktuellen Weltmeisterschaft in Dänemark und Deutschland: Auf einmal rückt Handball wieder in den Fokus der Zuschauer. Wieso kommt die Sportart nur zu großen Turnieren aus ihrer Nische? Der promovierte Sportwissenschaftler Thomas Horky erklärt die Gründe. 

"Stark eventorientiert"

"Das ist kein ungewöhnliches Phänomen, dass Sportarten aus der zweiten Reihe wie Handball oder Basketball zu größeren Events Aufmerksamkeit bekommen. Wir wissen aus der Forschung, dass die Sportmediennutzung in Deutschland eine sehr stark eventorientierte Mediennutzung ist", erklärt Horky. Heißt: Das Publikum interessiert sich nur zu großen Turnieren für Handball.

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Tatsächlich regiert der Fußball in Deutschland. "Die Dominanz ist in den vergangenen Jahren sogar noch gestiegen. Wenn eine Sportart den Markt so dominiert wie Fußball, ist es für alle anderen Sportarten schwer. Handball hat sich in der Nische etabliert", sagt Horky.  

WM im Free-TV keine Selbstverständlichkeit

Entsprechend groß ist das Interesse der TV-Medien am Fußball. Längst herrscht unter den TV-Sendern ein großer Kampf um die Übertragungsrechte – Sky, Dazn, ARD, ZDF, Eurosport und Co. geben Millionen-Beträge aus, um Fußball ausstrahlen zu dürfen. Und Handball? Lange Zeit mussten die Fans zittern, ob der Gefahr hin, dass die WM im eigenen Land nicht im Free-TV zu verfolgen ist. Am Ende haben sich die öffentlich-rechtlichen Sender die Rechte für die WM in Deutschland und Dänemark geangelt.

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Die Handball-WM 2015 wurde auf dem Pay-TV-Sender Sky gezeigt, nach einem Rechtestreit bekam kein Sender die Möglichkeit, die WM 2017 zu zeigen. Stattdessen wurde das Turnier auf der Homepage eines Sponsors des DHB per Livestream ausgestrahlt. "Grundsätzlich haben es alle anderen Sportarten hinter Fußball schwer, entsprechende Medienakzeptanz zu bekommen", sagt Horky. 

Kein Durchbruch zu erwarten

In 2007 feierte der deutsche Handball ein wahres Sommermärchen: Im eigenen Land gewann das DHB-Team die Weltmeisterschaft. Spieler wie Pascal Hens, Johannes Bitter, Dominik Klein und Michael Kraus wurden gefeiert, über 16 Millionen TV-Zuschauer verfolgten das damalige Finale gegen Polen (29:24). "Das Team hatte es geschafft, eine hohe Sehbeteiligung zu erreichen. Damals hatte man sich auch gefragt: Ist das jetzt der Durchbruch für den Handballsport? Die Antwort: Nein.", weiß Horky. "Man stellt einen klaren Unterschied zwischen Event, also der erfolgreichen Handball-WM im eigenen Land, und dem Alltag Handball-Bundesliga fest. Das ist ein Effekt, den hat man in fast allen anderen Sportarten."

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Das jüngste Beispiel: Eishockey. Die deutsche Nationalmannschaft erreichte völlig überraschend das Finale bei den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. "Die Aufmerksamkeit war groß, danach interessieren sich wesentlich weniger Menschen dafür", erinnert sich Horky und attestiert dasselbe Phänomen bei der Handball-WM: "Dieser Effekt, der so stark das Eventpublikum belegt, der war eben damals so und wird – das prognostiziere ich – dieses Jahr genauso sein." 

Ein kurzer Moment Aufmerksamkeit

So genießt die deutsche Handball-Nationalmannschaft zumindest für knapp drei Wochen die Aufmerksamkeit des Sportpublikums. Im besten Fall, nach einem erneuten WM-Titel, bleibt das DHB-Team für eine Zeit lang weiter im Fokus der Zuschauer – zumindest für einen kurzen Moment.


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