Handball-WM in Deutschland Handball-Expertin Anett Sattler: "Erhoffe mir einen nachhaltigen Boom"

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Die Moderatorin Anett Sattler ist ausgewiesene "Handball-Fachfrau": Von 2009 bis 2017 berichtete sie im Rahmen diverser Formate regelmäßig für Sport1 von der Handball-Bundesliga, auch bei Europa- und Weltmeisterschaften war sie im Einsatz. Foto: imago/foto2pressDie Moderatorin Anett Sattler ist ausgewiesene "Handball-Fachfrau": Von 2009 bis 2017 berichtete sie im Rahmen diverser Formate regelmäßig für Sport1 von der Handball-Bundesliga, auch bei Europa- und Weltmeisterschaften war sie im Einsatz. Foto: imago/foto2press

Hamburg. Handball-Expertin Anett Sattler glaubt, dass die Nationalmannschaft bei der WM im eigenen Land über sich hinauswachsen kann.

Bereits im Alter von vier Jahren hielt Anett Sattler zum ersten Mal einen Handball in der Hand, seitdem brennt die 35-Jährige für den Sport. Die gebürtige Brandenburgerin hat sich als TV-Moderatorin und ausgewiesene "Handball-Fachfrau" einen Namen gemacht: Von 2009 bis 2017 berichtete sie im Rahmen diverser Formate regelmäßig für Sport1 von der Handball-Bundesliga, auch bei Europa- und Weltmeisterschaften war sie im Einsatz – 2017 erhielt sie gar den deutschen Sportjournalistenpreis in der Kategorie "Beste Sportmoderation". Im Interview mit unserer Redaktion erklärt Sattler unter anderem, welchen Effekt sie sich von der Handball-WM im eigenen Land erhofft und was sie der deutschen Mannschaft im Turnierverlauf zutraut.

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Wieviel Lust verspüren Sie als leidenschaftliche Handballspielerin auf die Handball-Weltmeisterschaft im eigenen Land? 

Anett Sattler: Ich muss gestehen, dass die Heim-WM lange Zeit überhaupt nicht präsent war, weil ich selbst so in meiner Arbeit vertieft war. Allerdings hat sich das seit dem Jahreswechsel in den letzten Wochen und Tagen geändert. Kurz vor dem Start kribbelt es schon gewaltig. Die Vorfreude ist riesig und ich kann es kaum erwarten, dass es endlich los geht.

Welche Erwartungen haben Sie an diese Heim-WM, unabhängig vom Abschneiden der deutschen Mannschaft?

Ich kann spüren, dass Deutschland absolut im Handball-Fieber ist. Ich habe noch nie so viel über Handball in den Medien gelesen, wie aktuell. Selbst Menschen, die sich sonst nicht mit Handball beschäftigen, interessieren sich für diese Weltmeisterschaft. Das öffentliche Training der deutschen Mannschaft in Berlin vor fast 2000 Zuschauern zeigt, dass die Euphorie in Deutschland riesig ist. Über 500.000 Karten wurden alleine in Deutschland verkauft. Deshalb erhoffe ich mir – anders als nach dem Titelgewinn 2007 – einen nachhaltigen Boom für "unsere" Sportart.

Ich erhoffe mir - anders als nach dem Titelgewinn 2007 - einen nachhaltigen Boom für "unsere" Sportart.

Einen Boom kann die deutsche Handball-Nationalmannschaft wahrscheinlich nur auslösen, wenn das Team mindestens das Halbfinale erreicht.

Das sportliche Abschneiden der Mannschaft ist natürlich die Basis, ganz klar. Sollte das Team in der Hauptrunde ausscheiden, wird es sicherlich den bisherigen Boom abschwächen. Aber alleine die Berichterstattung vor dem Turnier und die Tatsache, dass sich so viele Menschen auf einmal für Handball interessieren, ist schon eine gute Grundlage, auf der man aufbauen kann und muss.

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Wie wichtig ist nach dem erwartbaren Auftaktsieg gegen Korea ein erfolgreicher Start in der mit Brasilien, Frankreich, Rusland und Serbien nicht gerade leichten Vorrundengruppe?

Nach Korea müssen auch die Partien gegen Brasilien und Russland gewonnen werden, das ist ganz klar. Da sind Siege Pflicht. Dann kommt mit Weltmeister Frankreich der mit Abstand härteste Brocken und ein erster Gradmesser. Aber auch Serbien ist im abschließenden fünften Gruppenspiel eine Mannschaft, die auf keinen Fall zu unterschätzen ist. Sollte das DHB-Team mit zwei Niederlagen in die Hauptrunde einziehen, wird es gegen Gegner wie Spanien oder Kroatien umso schwerer, sich noch für das Halbfinale zu qualifizieren. Siege steigern die Euphorie, aber auch das Selbstbewusstsein des Teams – auch das wird ein großer Faktor sein.

Siege steigern die Euphorie, aber auch das Selbstbewusstsein des Teams – auch das wird ein großer Faktor sein.

Apropos Spanien und Kroatien. Welche Mannschaft ist Ihr persönlicher Favorit auf den Titel?

Es ist in der Tat so, dass man nicht mehr sagen kann: Diese Mannschaft ist der absolute Topfavorit. Es gibt mehrere Teams, die den Titel holen können. Die Spitze des Welthandballs ist breiter geworden. Das zeigen auch die letzten Ergebnisse. Dänemark ist aktueller Olympiasieger, Frankreich ist aktueller Weltmeister und Spanien Europameister. Diese drei Teams gehören automatisch zum Favoritenkreis. Dazu traue ich Teams wie Schweden oder Norwegen einiges zu. Mein persönlicher Topfavorit ist allerdings Co-Gastgeber Dänemark, vor allem mit dem Heimvorteil im Rücken. Bei den Dänen ist der Hunger nach dem ersten WM-Titel riesig nach drei WM-Finalniederlagen. Die haben einen tollen Kader, in meinen Augen das beste Torhüter-Duo mit Niklas Landin und Jannick Green, dazu Topspieler wie Rasmus Lauge oder und Casper Mortensen. Kapitän Mikkel Hansen überstrahlt dann noch einmal alle.

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Dänemarks Keeper Niklas Landin spielt für den THW Kiel. Foto: imago/Dreisicht

Welcher Chancen hat in Ihren Augen die deutsche Mannschaft?

Für mich ist die deutsche Mannschaft eine Wundertüte. Es ist schwierig vorherzusehen, was am Ende als Ergebnis dabei herauskommt. Deutschland hat auch den Heimvorteil und kann, wie beim EM-Titelgewinn 2016 gesehen, mit einem tollen Teamgeist über sich hinauswachsen. Aber das ist genau der entscheidende Faktor, den ich nicht einschätzen kann: Inwiefern diese Mannschaft als Gefüge funktioniert. Wenn sie die Dynamik und die Teampower von 2016 auf die Platte bringen, dann zählen sie für mich auch zu den Favoriten, aber um das beurteilen zu können, würde ich gerne die ersten Spiele abwarten.

Deutschland hat auch den Heimvorteil und kann, wie 2016 gesehen, mit einem tollen Teamgeist über sich hinauswachsen.

Die letzte Europameisterschaft vor einem Jahr beendete das DHB-Team auf einem enttäuschenden 9. Rang. In der Kritik stand nach dem Turnier vor allem Bundestrainer Christian Prokop. Viele Experten prognostizierten ihm schon einen vorzeitigen Rauswurf. Er schwamm sich aber frei und sitzt nun (vorerst) fest im Sattel. Trauen Sie ihm zu, das DHB-Team zum Titel zu führen?

Ja, aber....Es geht nicht alleine um Christian Prokop, sondern um das Gefüge Prokop und Mannschaft. Wenn das funktioniert – und das war in meinen Augen bei der EM im vergangenen Jahr nicht der Fall – wird die WM erfolgreich werden. Dann ist dem Team sehr viel zuzutrauen. Der Trainer steht auf jeden Fall unter Druck und ich glaube, dass das Ziel Halbfinale, das der Verband ausgegeben hat, über seine persönliche Zukunft als DHB-Trainer entscheiden wird.


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