Rennsport-Experte Kai Ebel skeptisch Eigene Rennserie für Frauen? Formel W "in erster Linie Marketing"

Meine Nachrichten

Um das Thema Sport Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Kai Ebel begegnet der Formel W skeptisch. Doreen Seidel, Angelique Germann und Michelle Halder haben sich aus Deutschland für die neue Rennserie beworben. Foto: imago/GEPA Pictures/Zink/Christian Schroedter/wseriesKai Ebel begegnet der Formel W skeptisch. Doreen Seidel, Angelique Germann und Michelle Halder haben sich aus Deutschland für die neue Rennserie beworben. Foto: imago/GEPA Pictures/Zink/Christian Schroedter/wseries

Hamburg. Die Einführung der Formel W, einer neuen Rennserie ausschließlich für Frauen, wird in der Szene heiß diskutiert: Nicht zielführend oder eine Chance, gute Fahrerinnen näher an die Formel 1 heranzuführen? Experte Kai Ebel steht der Formel W skeptisch gegenüber.

Im Mai ist es soweit, dann gehen erstmals 18 Fahrerinnen in der neu geschaffenen Formel W an den Start. Es wird die erste Rennserie sein, in der ausschließlich Frauen im Cockpit sitzen. Ende Januar werden aus vorläufig 60 Bewerberinnen – darunter drei aus Deutschland – 18 ausgewählt, die zwischen Mai und August sechs Rennen in Europa bestreiten werden. TV-Motorsport-Experte Kai Ebel spricht im Interview über die neue Rennserie – und hat eine deutliche Meinung.

Herr Ebel, was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der neuen Rennserie erfahren haben?

Kai Ebel: Erstmal denkt man: Wenn eine neue Serie kommt, ist das sicherlich etwas Schönes, Interessantes, Neues. Allerdings weiß ich nicht, ob das dem Ziel gerecht wird, dass dadurch mehr Frauen in den Motorsport kommen. Wenn man vorher nur in einem internen Kreis gegeneinander fährt, ist das ganz harmonisch und ein gutes Marketingtool, wenn da nur Fahrerinnen auf der Start- und Ziel-Geraden hat. Danach irgendwann müssen sie sich ja doch mit dem anderen Geschlecht messen.

Also ist die Formel W am Ende doch eher nur ein gutes Marketing-Konzept?

In erster Linie ist es Marketing. Wenn ich irgendwann in die Bundesliga will, dann kann ich mich in einer noch so guten Thekenmannschaft vorbereiten, aber irgendwann muss ich den normalen Weg durch die Verbände einhalten, damit ich dahin komme, wo ich hin will. Irgendwann müssen sie auf den anderen Weg abbiegen. Es gibt ja keine Vergleichswerte, sind sie dann wirklich besser als zum Beispiel die Formel-3-Fahrer? Das wissen wir alles nicht, wenn man sich nur intern misst.

Auch Frauen dürfen in der Formel 1 fahren. In der Praxis ist es jedoch knapp 27 Jahre her, dass sich eine Frau in das Cockpit eines Formel-1-Boliden gesetzt hat, um an einem Rennen teilzunehmen. Wieso gehen seitdem keine Frauen mehr an den Start?

Wenn ich das wüsste. In der Formel 1 ist es so, dass eine ganze Zeit lang die schnellsten Deutschen maximal auf der zweiten Seite des Computers rumgefahren sind und dann auf einmal – mit Michael Schumacher – platzte der Knoten, und seitdem haben wir durchgängig erfolgreiche Deutsche in der Formel 1. Es gab immer wieder Nationen, die vorher nicht im Geschäft waren und auf einmal da sind. Bisher war halt keine Frau schnell genug, um in der Formel 1 Fuß zu fassen. Vielleicht ist auch einfach keine Nachwuchs- oder Testfahrerin lange genug dabei geblieben, um es zu schaffen. Körperlich spricht nichts dagegen. Es ist die Aufgabe der ersten Frau, das zu schaffen.

RTL-Moderator Kai Ebel ist für seinen ausgefallenen Kleidungsstil bekannt. Foto: imago/Eibner

Könnte die Formel W eine Plattform für Frauen sein, um sich für die Formel 1 zu empfehlen? 

Vielleicht ist es so, dass durch die Formel W mehr Frauen auf die Idee kommen, überhaupt Rennsport zu betreiben. Dadurch kommt man eventuell auch von einer quantitativen zu einer qualitativen Verbesserung.

Fehlt es den Nachwuchsfahrerinnen auch an der finanziellen Unterstützung? Stichwort Sponsoren.

Ich glaube, die Sponsoren haben immer darauf gewartet, dass eine Frau kommt. Das war schon immer so. Eine schnelle Frau…da bräuchte man nichts sagen, da kommen die Sponsoren von selbst.

Kennen Sie die deutschen Bewerberinnen für die Formel W Michelle Halder, Angelique Germann und Doreen Seidel?

Wenn ich ehrlich bin, nein. Ich kenne natürlich ihre Namen und weiß, dass sie im Motorsport aktiv sind. Ein paar Rennfahrerinnen kennt man, allerdings nicht so gut wie die, mit denen man im Tagesgeschäft in der Formel 1 oder GP 2 zu tun hat.

Werden Sie die Formel W verfolgen?

Vielleicht so ein bisschen am Rande, aber ich glaube nicht, dass ich jedes Rennen sehen kann. Ich bin ja selber in Sachen Formel 1 unterwegs.

In der Formel 1 sind zwar Testfahrerinnen aktiv, aber bei den offiziellen Rennen findet sich keine Frau im Teilnehmerfeld. Hat die Formel 1 ein Frauenproblem?

Es gibt ja Ingenieurinnen. In jedem Team arbeiten in verschiedensten Positionen Frauen, es gibt auch Mechanikerinnen, Fitnesstrainerinnen, Team-Managerinnen etc. Ich weiß auch nicht, ob das etwas mit #metoo zu tun hat oder eher mit Berufswünschen. Die einzige #metoo-Geschichte, die ich in der Formel 1 erlebt habe, die ich persönlich traurig finde: Dass sie die Grid-Girls abgeschafft haben. Die Frauen, die das gemacht haben, haben es ja freiwillig und super gerne gemacht. Die waren in der Regel auch nicht leicht bekleidet, sondern trugen viel mehr Sponsorenkleidung. 

Das sind die drei deutschen Bewerberinnen

Doreen Seidel

Doreen Seidel ist mit 33 Jahren die älteste Bewerberin für die Formel W. Foto: imago/Zink

Die 33-Jährige Chemnitzerin ist wohl die bekannteste deutsche Bewerberin der Formel W. Doreen Seidel nahm unter anderem am ADAC Cruze Cup, Audi Sport TT Cup sowie jüngst an der Creventic 24 Stunden Serie teil. Ihr erstes Rennen bestritt Seidel 2011 beim ADAC Chevrolet Cup. Seidel war das Playmate des Jahres 2008, nahm in der Folge auch an der Pro-7-Sendung „TV Total Turmspringen“ teil. Mit 33 Jahren ist die Chemnitzerin die älteste Bewerberin der Formel W. 

Michelle Halder

Michelle Halder ist mit 19 Jahren die jüngste Bewerberin aus Deutschland. Foto: imago/Christian Schroedter

Mit 19 Jahren ist die Oberschwäbin eine der jüngsten Bewerberinnen in der Formel W. Allerdings machte sie sich bereits trotz ihres jungen Alters einen Namen im Motorsport: Den dritten Platz in der Rookiemeisterschaft sowie den neunten Platz in der Gesamtwertung holte sich Michelle Halder beim ADAC TCR Germany in der zurückliegenden Saison. "Reizvoll ist natürlich, dass man von der Formel W finanziell komplett unterstützt wird, ohne finanzielle Unterstützung können die wenigsten Fahrer an den Start gehen", betont Halder. "Die Formel 1 ist für viele Rennfahrer das Ziel, jedoch reicht auch da das Talent alleine nicht aus." Die 19-Jährige glaubt fest an den Erfolg der Formel W, auch wenn sie in der jüngsten Vergangenheit immer wieder betont hatte, irgendwann in der Formel 1 starten zu wollen. Stellt die Formel W hierfür eine geeignete Plattform dar? "Zumindest kennt jeder in der Formel 1 die neue Rennserie", erklärt Halder. 

Angelique Germann

Angelique Germann gewann als erste Frau einen deutschen Titel. Foto: wseries

National machte Angelique Germann in der Saison 2016 auf sich aufmerksam. Sie war die erste Frau, die einen deutschen Titel gewann. Sie holte sich den deutschen Formel-3-Pokal. In der Saison 2017 sicherte sie sich den dritten Platz in der Rennserie FIA Central European Zone Formula 3. Seit 2014 sitzt die Pirmasenserin in einem Formel-Cockpit, ihr erstes Rennen bestritt die 27-Jährige auf dem Hockenheimring. 


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN