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Der deutsche Kader der Handball-WM 2019 DHB-Sportvorstand Kromer: Das sind die Stärken der deutschen Handballer

Gabriela Thoma und Nina Brinkmann

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Insgesamt 16 Spieler durfte Handball-Bundestrainer Christian Prokop für die Heim-WM nominieren. Foto: imago/Oliver RuhnkeInsgesamt 16 Spieler durfte Handball-Bundestrainer Christian Prokop für die Heim-WM nominieren. Foto: imago/Oliver Ruhnke

Hamburg. DHB-Sportvorstand Axel Kromer über die deutschen Spieler und das Ziel, die Schönheit des Handballsports zu vermitteln

Mit einem öffentlichen Training am Dienstag in Berlin sind die deutschen Handballer in ihre WM-Mission gestartet. "Wir wollten das Publikum frühzeitig ins Boot holen", begründete DHB-Sportvorstand Axel Kromer die Maßnahme zwei Tage vor dem WM-Auftaktspiel gegen Korea. Rund 2000 Menschen verfolgten im Berliner Sportforum die einstündige Übungseinheit der Schützlinge von Bundestrainer Christian Prokop, die im Anschluss auch für Autogramme zur Verfügung standen. Die Einnahmen der Tickets zum Preis von zwei Euro kommen dem Projekt der Kinderhilfsorganisation Plan International "Sport schafft sichere Schulen in Hanoi" in Vietnam zugute.

"Schönheit und Werte des Handballs weiter nach vorne bringen"

"Es ist ganz klar unser Ziel, dass wir bei unserer Heim-WM die komplette Schönheit und die Werte des Handballs weiter nach vorne bringen und die Menschen für diesen grandiosen Sport fesseln wollen. Das ist mit Erfolg am einfachsten zu erreichen", lobte Axel Kromer das Halbfinale als Minimal-Ziel aus. Der Diplom-Sportwissenschaftler und A-Lizenz-Trainer, der schon in vielen leitenden Funktionen für den deutschen Handballbund (DHB) tätig war und am Tag des Eröffnungsspiels 42 Jahre alt wird, stellt die ersten 16 Spieler des deutschen 28er-Kaders vor.

Das ist der deutsche Kader für die Handball-WM 2019

Tor

Silvio Heinevetter: 34 Jahre, Füchse Berlin

Silvio Heinevetter. Foto: dpa/Frank Molter

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Heinevetter: "Er ist mit seinem teils unorthodoxen Torhüterspiel ein hervorragendes Pendant zu Andreas Wolff. Was er zuletzt in der Bundesliga und im Nationalteam gezeigt hat, ist super. Seit sich Bundestrainer Christian Prokop für die zwei als Gespann entschieden hat, beide ihre Rolle kennen, ist merklich Ruhe ins Torhüterteam eingekehrt."

Andreas Wolff: 27 Jahre, THW Kiel

Andreas Wolff. Foto: dpa/Monika Skolimowska

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Wolff: "Er ist einer unserer ganz großen Hoffnungsträger. Er ist 2016 beim EM-Titelgewinn vom No-Name-Mann zum Weltklasse-Torhüter gereift und zum großen Schreckgespenst der gegnerischen Angreifer mutiert. Er hat das Ziel, der beste Torhüter der Welt zu sein und besitzt ein hervorragendes Verständnis im Zusammenspiel mit der Abwehr, zumal er mit Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek – dem Innenblock der Nationalmannschaft – im Verein zusammenspielt."

Kreisläufer

Patrick Wiencek: 29 Jahre, THW Kiel

Patrick Wiencek. Foto: dpa/Axel Heimken

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Wiencek: "Am Kreis bieten wir insgesamt drei Haudegen auf – da brauche ich nicht lyrisch zu werden –, das sind einfach Maschinen. Patrick ist ein riesengroßer Arbeiter, ein Malocher, der in verschiedenen Abwehrformationen die zentrale Position abdecken kann und dort der absolute Führungsspieler ist. Und vorne im Angriff ist 'Bam-Bam' eigentlich von keinem zu halten. Dazu pusht er die Zuschauer, was auch den Rücken der Mitspieler stärkt."

Hendrik Pekeler: 27 Jahre, THW Kiel

Hendrik Pekeler. Foto: dpa/Uwe Anspach

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Pekeler: "'Peke' ist keiner, der mit großen Tönen um sich wirft, aber er ist ein kompletter Handballer. Er macht einfach sein Ding. Seine Mimik sagt nichts aus über seine Stimmungslage. Fast wie beim Pokern. Es ist schwer zu deuten, was er denkt und ob er mit sich zufrieden ist. In der Abwehr ist er eine absolute Bank und inzwischen auch im Angriff top."

Jannik Kohlbacher: 23 Jahre, Rhein-Neckar Löwen

Jannik Kohlbacher. Foto: dpa/Uwe Anspach

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Pekeler zu Kohlbacher: "Es ist unglaublich, was er an Kraft besitzt. Jannik besitzt ein fantastisches Stellungsspiel, und wenn er den Ball hat, kann ihn keiner halten. Im Verhältnis zu seinen Pendants am Kreis ist er der kleinste, sodass er auch tief vors Schienbein oder per Aufsetzerpass in den Wurfkreis angespielt werden kann und trotzdem unter höchster Bedrängnis sicher den Ball fängt und verwandelt. Da er auch in der Abwehr sehr gut geworden ist, hat er einen riesengroßen Schritt vorwärts gemacht. Bislang hat er vielleicht zu wenig Einsatzzeiten in der Nationalmannschaft gehabt, weil seine Abwehrleistungen noch nicht so stabil waren wie jetzt."

Linksaußen

Uwe Gensheimer: 32 Jahre, Paris Saint-Germain HB

Uwe Gensheimer. Foto: dpa/Uwe Anspach

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Gensheimer: "Uwe ist unser Kapitän und koordiniert somit wichtige Prozesse sehr gut in der Nationalmannschaft. Im Starensemble von Paris ist er der Torschützenkönig in der Champions League. Uwe ist ein feiner Angriffsspezialist, der dank seiner flexiblen Wurftechniken kaum Torchancen liegen lässt. Wenn er bei der WM seine Qualität auf die Platte bringt, dann geht es uns gut."

Matthias Musche: 26 Jahre, SC Magdeburg

Matthias Musche. Foto: dpa/Jan Kuppert

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Musche: "Was er seit eineinhalb Jahren in der Bundesliga zeigt, ist Wahnsinn. Matthias macht jeden Sprung mit 100 Prozent und läuft jeden Gegenstoß am liebsten dreimal, wenn andere schon längst nicht mehr können. Er ist eine unglaubliche Kampfsau und ein verrückter Vogel, dabei aber total bodenständig. Eine Type, die wir brauchen."

Rechtsaußen

Patrick Groetzki: 29 Jahre, Rhein-Neckar Löwen

Patrick Groetzki. Foto: dpa/Uwe Anspach

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Groetzki: "Ihn kennen in ganz Süddeutschland alle Handball-Fans und Patrick bildet praktisch seit seinen Kindheitstagen die Flügelzange mit Uwe Gensheimer. Er ist mit der kreativste und schnellste Gegenstoßspieler und besitzt einen unglaublichen Spielwitz"

Rückraum links

Fabian Böhm: 29 Jahre, HBW Balingen-Weilstetten

Fabian Böhm. Foto: dpa/Peter Steffen

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Böhm: "Er ist der Arbeiter im Team. Ein ganz seriöser Handballer, der sehr reflektiert ist und vieles, wie aus dem Lehrbuch gelernt entscheidet. Er verfügt über ein sehr gutes Durchbruchverhalten und über gute Würfe. Zudem ist Fabian ein sehr variabler Abwehrspieler"

Steffen Fäth: 28 Jahre, Rhein-Neckar Löwen

Steffen Fäth. Foto: dpa/Soeren Stache

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Fäth: Teils ist es Wahnsinn, wozu der wurfgewaltige und torgefährliche Kerl in der Lage ist. Seine genialen Momente und hohe Qualität konnte der sehr konzentrierte und ruhige Spieler in der Bundesliga bei den Löwen nicht all zu oft zeigen sodass eine weitere Motivation für ihn sein könnte, dem dänischen Nationaltrainer Nikolaj Jacobsen, der auch sein Vereinstrainer bei den Rhein-Neckar Löwen ist, zu zeigen, wie gut er ist.

Finn Lemke: 26 Jahre, MT Melsungen

Finn Lemke. Foto: dpa/Monika Skolimowska

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Lemke: "Die Handballfans wissen, dass Finn der große Abwehr-Chef und Abwehr-Motivator ist. Bei der MT Melsungen bekommt er wegen der Verletzung von Julius Kühn verstärkt Einsätze auch im Angriff. Auch bei uns hat er gezeigt, dass er im Angriff eine gute Variante sein kann, die unsere Gegenspieler vor ungewohnte Aufgaben stellen wird."

Rückraum zentral

Martin Strobel: 32 Jahre, HBW Balingen-Weilstetten

Martin Strobel. Foto: dpa/Marijan Murat/epa

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Strobel: "Er zeigt auch in der 2. Liga beim Tabellenführer seine Qualität wie zu Erstligazeiten. Er ist ein erfahrener Spieler, kennt das hohe internationale Niveau und hat körperlich noch mal zugelegt. Der stressresistente Denker und Lenker hat die Fäden im Angriff in der Hand. Wir haben in der EM-Analyse festgestellt, dass der Nationalmannschaft so einer zuletzt gefehlt hat. Schön, dass er auch selbst den Torabschluss sucht und sich nicht nur auf Kreuzungen und finale Pässe an unsere Kreisspieler konzentriert."

Fabian Wiede: 24 Jahre, Füchse Berlin

Fabian Wiede. Foto: dpa/Jan Kuppert

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Wiede: "Es passt zu ihm, dass er als Straßenhandballer bezeichnet wird. Fabian ist ein ziemlich kompletter und torgefährlicher Linkshänder, der nicht aus dem System heraus Dinge macht, sondern intuitiv für Überraschungen sorgt. In wichtigen Situationen übernimmt er selbstbewusst Verantwortung und erzielt immer wieder die enorm wichtigen Tore in Stressphasen. Auch für die Drecksarbeit in der Defensive ist er sich nicht zu schade."

Paul Drux: 23 Jahre, Füchse Berlin

Paul Drux. Foto: dpa/Monika Skolimowska

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Drux: "Er zählt immer noch zu unseren Jungstars. Gottseidank erlebt er gerade eine gesunde Phase und einen zuletzt starken Formanstieg, denn trotz seiner Jugend war er leider schon sehr viel verletzt. Als starker Durchbruchspieler, der im offensiven Zweikampf nicht einfach zu stoppen ist, wird er die gegnerischen Abwehrspieler intensiv fordern. Hoffentlich sucht er bei de WM aber auch außerhalb des Neunmeter-Raums den Weg zum Tor. Diese Tore gelten ja gemeinhin als einfache Tore, und die brauchen wir auch."

Rückraum rechts

Steffen Weinhold: 32 Jahre, THW Kiel

Steffen Weinhold. Foto: dpa/Axel Heimken

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Weinhold: "Steffen ist auch in der Abwehr bei uns eine feste Größe, weil variabel an verschiedenen Positionen und Systemen einsetzbar. Dabei saugt er selbst den größten gegnerischen Werfern die Kraft aus dem Körper, indem er sie ständig in Zweikämpfe verwickelt. Als ruhige Persönlichkeit und als stiller Leitwolf überrascht er aber auch mit platzierten Toren wie aus dem Nichts. In die offensiven Zweikämpfe geht er ohne Rücksicht auf eigene Verluste voller Dynamik und ist nur durch Fouls zu stoppen."

Franz Semper: 21 Jahre, SC DHfK Leipzig

Franz Semper. Foto: dpa/Peter Steffen

DHB-Sportvorstand Axel Kromer zu Semper: "Unser absolutes Küken. Unglaublich. Für Franz gibt es nur Vollgas. Er scheut sich vor nichts und besitzt Strahlkraft im Wurfarm und dabei noch enorme Präzision in den Würfen. Aber er ist so jung, dass seine Laufwege noch nicht immer clever sind. Somit begibt er sich öfter in Situationen, die auch schmerzhaft enden können."



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