Ex-Fußball-Profi inszeniert sich als Marke Provokation, Alkohol und Sexismus: Mario Basler als Ich-AG

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Mario Basler auf der Bühne im Osnabrücker Rosenhof. Foto: Hermann PentermannMario Basler auf der Bühne im Osnabrücker Rosenhof. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Sein letztes Bundesliga-Spiel absolvierte er vor über 15 Jahren. Bei seinem letzten ernsthaften Engagement als Trainer stieg er 2012 aus der 3. Liga ab. Höher gecoacht hat er nie. Es gibt viele, die größere Erfolge im Fußball gefeiert haben als Mario Basler – überall präsent ist er trotzdem: im Bundesliga-Business, in den TV-Talkshows der Republik – und nun auch noch mit einem Soloprogramm auf der Bühne. Warum eigentlich?

„Ich werde der Bundesliga mehr fehlen als sie mir.“ Das sagte Basler nach seiner letzten Partie im Mai 2003 – und viele sagen: Unrecht hatte er nicht. Galt er doch als einer der letzten „echten Typen“ des Fußballs: einer, der sagt, was er denkt. Der auffiel in Zeiten, in denen PR-Strategen der Clubs anfingen, Spieler stromlinienförmig zu schulen, damit sie nicht anecken und seither Medien Sätze sagen wie: „Wir schauen nur auf das nächste Spiel“ oder „Wir gewinnen und verlieren zusammen als Mannschaft.“

Basler sagte: „Man kann ja Fehler machen. Aber nicht 150 in 90 Minuten.“ Den Vorwurf, er sei hoch bezahlt, aber trotzdem faul auf dem Platz, konterte er mit einem Vergleich: „Ich laufe in einer Stunde so viel wie andere Arbeitnehmer in acht.“ Nach einer Pleitenserie schlug er als Lösungsansatz für sein Team ernsthaft vor: „Vielleicht sollten wir einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen.“

Baslers Karriere war schillernd. Er galt als einer jener wenigen Kicker, die man jetzt Unterschiedsspieler nennt: fähig zu genialen Aktionen, tödlichen Pässen, direkt verwandelten Ecken und Freistößen aus krassen Winkeln. Sechsmal wurde er als ARD-Torschütze des Monats ausgezeichnet. Es ist der Titel, den Basler mit Abstand am häufigsten erhielt. Deutscher Meister und DFB-Pokalsieger wurde er je zweimal, internationale Titel errang er nicht. Mit seinem Talent hätte er sicher weit mehr erreichen können. Sich aber zu disziplinieren, zu quälen, während die Annehmlichkeiten des Lebens lockten: Das war nicht sein Ding. Basler hat auch selbst daraus nie einen Hehl gemacht.

Vielleicht lieben ihn deshalb jene Kreisliga- und Freizeitkicker, die sonntags merken, wie das Bier vom Abend zuvor die Leistung bremst. Die aber gern in der Kabine trotzdem erzählen, was sie alles draufhaben. Das Prinzip entspricht dem Comedy-Programm „Basler ballert“, mit dem der 49-Jährige aktuell durch Deutschland tourt. „Ich war halt der Beste“, sagt Basler oft auf der Bühne im Osnabrücker Rosenhof am Rande seiner Anekdoten – und wer dann lacht, wird böse angeguckt.

Sonst erzählt Basler halt: alte Saufgeschichten. Vom nächtlichen Ausbruch aus dem Teamhotel von Werder Bremen etwa, als Teamkollege Uli Borowka mitsamt dem geklauten Fahrrad im Straßengraben landete. Lustig – wie Berichte unreifer Teenager zu durchzechten Nächten. Befremdlich jedoch, dass Basler sich noch einige weitere Male über den besoffenen Borowka lustig macht, ohne zu erwähnen, dass diesen die Krankheit Alkohol fast in den Tod getrieben hätte.

Das passt eben nicht ins Basler-Konzept. Es geht um Machos, die im Fußball Leistung bringen, dabei trotzdem jedes Weizenbier niedermachen und alle Frauen haben können. Basler erzählt von einer Ex-Gespielin, die er in seiner Werder-Zeit bei der Zimmerkontrolle durch Trainer Otto Rehhagel unter einer Bettdecke versteckt hat. Das Wort, mit dem er sie tituliert, lässt darauf schließen, dass er sie aufgrund ihrer Körpergröße als gut geeignet befand für eine bestimmte Sexspielart. Als Basler über Ex-Mitspieler Thorsten Legat berichtet, der auf einer Europapokal-Reise in Minsk in Weißrussland angeblich eine spezielle Einweisung zwischen Klosett und Bidet auf dem Doppelzimmer des Hotels gebraucht hat, korrespondieren vor allem zwei Dinge: Thema und Niveau.

In seiner Karriere-Rückschau sagte Basler vor Jahren übrigens selbst, er würde sich mit dem Wissen von heute zumindest die eine oder andere Kapriole sparen. Es sind aber vor allem diese Kapriolen, die ihm geblieben sind. Nun ist es nur konsequent, dass Basler sie zu Markte trägt und eine eigene Marke daraus macht. Sie weckt Interesse, man kann sie gut finden. Muss man aber nicht.

Weiterlesen: Basler ballert in Osnabrück: leicht gewonnenes Heimspiel


Mario Basler

ist heute 49 Jahre alt. Der in Neustadt/Weinstraße geborene Ex-Profi spielte unter anderem für den 1. FC Kaiserslautern, RW Essen, Hertha BSC Berlin, Werder Bremen, Bayern München und diverse Amateurclubs. Basler wurde zweimal Deutscher Meister und zweimal DFB-Pokalsieger. Stets bewahrte er sich den Ruf des unangepassten Profis, der sagt, was er denkt, teilweise ohne darüber vorher groß nachzudenken. Als Trainer hatte er ebenfalls diverse Engagements (Wacker Burghausen, RW Oberhausen), kam aber nie über die 3. Liga hinaus. Anfang des Jahrzehnts lebte er für ein paar Jahre in der Osnabrücker Innenstadt am Schlosswall mit seiner damaligen Freundin. Inzwischen wohnt Basler im Osnabrücker Stadtteil Lüstringen. 

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