"Gemeinsames Zeichen setzen" Protestaktion: Deshalb steht die 3. Liga still

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Bandenwerbung in der 3. Liga. Foto: imago/HübnerBandenwerbung in der 3. Liga. Foto: imago/Hübner

Osnabrück. So etwas gab es im deutschen Fußball noch nie. Eine Minute lang wird bei allen Partien der 3. Liga an diesem Spieltag nicht gegen den Ball getreten. Die 20 Clubs protestieren gemeinsam gegen den Stillstand bei der Reform der Regionalliga. Die Gründe aber sind vielfältiger. Es hat sich einiges angestaut an Frust und Unmut.

Wie sah die Aktion genau aus? Beim Freitagsspiel der 3. Liga zwischen Unterhaching und Kaiserslautern wurde ein so genannter Freundschaftsanstoß von den Gastgebern ausgeführt. Der Ball ging zu den Gästen, die gaben ihn wieder zurück. Dann wurde eine Minute lang gewartet. Zudem gab es eine Durchsage des Stadionsprechers, die wohl bei allen Partien verlesen werden soll.

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Und um was geht es? „Stillstehen gegen den Stillstand“, heißt die Aktion, unter der die Drittligisten protestieren. Geschlossen wollen sie ein Zeichen setzen, so geht es aus einer Pressemitteilung hervor, „gegen die Pläne des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zur Aufstiegsregelung in die 3. Liga.“ Im Zuge der Reform der Regionalliga hatten die Drittligisten zugestimmt, dass künftig vier Vereine absteigen. Im Gegenzug sollten die Regionalligen reformiert werden – aus bisher fünf sollten vier werden. So sollte gewährleistet werden, dass alle Meister aufsteigen. „Das ist unserem Vernehmen nach gescheitert, die Kommission hat ihren Dienst eingestellt“, sagte Jürgen Wehlend Geschäftsführer des VfL Osnabrück. Die Drittligisten forderten daher Mitte der Woche eine Rückkehr zu drei Absteigern.

Wie ist die Aktion entstanden? Laut Ronald Maul, Geschäftsführer des SV Meppen, wurde die Idee dazu bei „einer Telefonkonferenz“ geboren. Ziel sei es gewesen, „ein gemeinsames Zeichen zu setzen“ – noch vor der nächsten DFB-Präsidiumssitzung. „Alle beteiligen sich. Das ist ein gutes Signal.“

VfL-Geschäftsführer Wehlend: Das wäre das Aus der 3. Liga

Hat der DFB darauf reagiert? Ja. Er hat in einer Mitteilung noch einmal klargestellt: „Der Auftrag ist unverändert, einen Zuschnitt mit vier Regionalligen zu finden. Das Ergebnis der Ad-hoc-AG geht weiterhin von einer eingleisigen 3. Liga aus“, wird Peter Frymuth zitiert. Der Leiter der Ad-hoc-AG, die für die Reform zuständig ist, ist als DFB-Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung zuständig für die 3. Liga. Man befinde sich „mitten in einem demokratischen Prozess“. Vor diesem Hintergrund empfindet Frymuth die „Protestaktion als nicht zielführend“.

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Geht es nur um die Reform? Ausgelöst in dieser Heftigkeit hat ihn wohl auch der von DFB-Vizepräsident Rainer Koch in die Debatte gebrachte Vorschlag, die 3. Liga zu splitten. Dazu herrscht bei vielen Vereinen eine generelle Unzufriedenheit – auch wenn viele der Meinung sind wie Manfred Wilke, Sportlicher Leiter der Sportfreunde Lotte, der sagt: „Die 3. Liga ist eine gute Sache.“ Die Schwierigkeit der Vereine ist es, sich in einer attraktiven, aber oft wirtschaftlich schwierigen Liga zu bewegen. Manfred Schwabl, Präsident der Spielvereinigung Unterhaching, schimpft daher: „Es gibt die 3. Liga seit zehn Jahren, und sie ist immer noch ein Stiefkind. Jetzt ist das Fass übergelaufen.“ Die Vereine hätten gerne ein größeres Stück vom finanziellen Kuchen des Profifußballs und mehr Mitsprache. „Wir haben keine echte Interessenvertretung“, sagt auch Wehlend und schlägt etwa ein „Büro 3. Liga beim DFB“ vor.


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