Mensch Magnus Was Sie noch nicht über Schach-Weltmeister Carlsen wussten

Von Mareike Bader und Benjamin Havermann

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Stolzer Gewinner: Schach-Weltmeister Magnus Carlsen. Foto: dpa/Jon Olav NesvoldStolzer Gewinner: Schach-Weltmeister Magnus Carlsen. Foto: dpa/Jon Olav Nesvold

Osnabrück. Der alte und neue Schach-Weltmeister heißt Magnus Carlsen. Mit seinen erst 28 Jahren kann er bereits auf eine erstaunliche Karriere zurückblicken. Aber wer ist der Mensch hinter den Schachfiguren? Wir haben ein paar Fakten über das „Schach-Genie“ zusammengetragen.

Gegensätzliche Wunderkinder

Carlsen hat sich als 20-Jähriger als jüngster Spieler an die Spitze der Schach-Weltrangliste gesetzt, hatte mit 13 Jahren bereits den Titel als Schachgroßmeister erreicht und ist seit 2013 Weltmeister. Er wird auch „Mozart des Schachs“ genannt. Aber auch sein Finalkontrahent, der 25-jährige Amerikaner Fabiano Caruana, gilt als Wunderkind. Das klassische Duell ging nach zwölf Partien remis aus. Doch die beiden sind verschieden: Caruana gilt als kühler Analytiker. Carlsen spielt gern nach Gefühl, improvisiert, zeigt Mimik und Gestik am Schachbrett. Und er ist schnell, ein Meister im Blitzschach, sein großer Vorteil im Finale.

Der norwegische Superstar

Carlsens Erfolg hat zu einer Schacheuphorie in Norwegen geführt. Die WM wurde stundenlang live im Fernsehen übertragen, Hunderttausende schauten zu. Die Titelverteidigung wurde entsprechend groß in Carlsens Heimat gefeiert. Ministerpräsidentin Erna Solberg sendete ein Selfie mit ihrem Kontrahenten, dem sozialdemokratischen Parteichef Jonas Gahr Støre: „Lieber Magnus, in der Politik stehen wir alle zusammen, um Dir zuzujubeln, unser aller Weltmeister.“ 

Motivation Schwester

Bereits mit fünf oder sechs Jahren wurde ihm und seiner ältesten Schwester Ellen von seinem Vater das Schachspielen beigebracht. Im Gegensatz zu seiner Schwester hat es ihn aber nicht besonders interessiert. Er war schlecht darin und hat schnell wieder aufgehört. Mit acht Jahren versuchte er es dann aber erneut. Er nahm sich ein Brett und rekapitulierte Partien, die sein Vater ihm gezeigt hatte. Woher die plötzliche Begeisterung kam, kann er nicht mehr sagen. „Ich habe gesehen, wie Ellen gespielt hat. Ich denke, ich wollte sie gern besiegen“, sagte Carlsen in einem Interview. Dies hat er immer auf einem Brett versucht. Gegen Computer spielt er nämlich nicht. Er nutzt sie allein zur Analyse. Seine Schwester hat im Übrigen bis vor einiger Zeit auch Schach gespielt. Im Jahr 2014 belegte sie Platz 10 der norwegischen Frauenrangliste. Mittlerweile ist sie aber nicht mehr aktiv.

Faul und chaotisch

Leichte Übung: Mit 13 schon Schachgroßmeister. Foto: Witters/Jan Kanning

Mit 13 haben ihn seine Eltern für ein Jahr von der Schule genommen und sind mit ihm durch die Welt gereist. Statt von Lehrern wurde Carlsen von seinen Eltern unterrichtet. Diese Zeit betrachtet er als besonders positiv, weil er so viel effektiver lernen konnte als in der Schule. Zumal er sich selbst als faul und chaotisch bezeichnet. Er ist deshalb kein Freund vom systematischen Lernen. Er wollte lernen, wenn es ihm gut ging, und er wollte es sein lassen, wenn es ihm schlecht ging. So handhabt er es mit dem Training noch heute.

Freizeit

Lieblingsverein: Real Madrid.Foto: imago/ZUMA Press

Der Fußball ist neben dem Schach eine weitere Leidenschaft von Carlsen. Zu Hause spielt er im Verein, und auf dem Sofa schaut er sich die Spiele an – besonders die seines Lieblingclubs Real Madrid. 2013 durfte er sogar das Spiel gegen Valladolid symbolisch anstoßen.

Intelligenzquotient

Schachspieler gelten als enorm schlau. Garri Kasparow soll einen IQ von 190 haben, Bobby Fischer von 187. Auch Carlsen wird wahlweise als Schach-Genie oder Wunderknabe bezeichnet. Er selbst sieht sich aber als völlig normalen Kerl. Er kennt auch seinen Intelligenzquotienten nicht und will ihn gar nicht wissen. Es sei zwar wichtig, dass man sich als Schachspieler gut konzentrieren könne, doch Intelligenz könne auch eine Last sein, sagte Carlsen einmal. Sein Vater sei zudem wesentlich intelligenter als er.


Carlsen und Kasparow

Nur vier Jahre nach seinem ersten Turnier überhaupt saß der damals 13-jährige Carlsen der großen russischen Schachikone Garri Kasparow gegenüber. Die Partie verlor der Nachwuchsspieler letztendlich. Fünf Jahre später wurde Kasparow, der sich inzwischen als Schachspieler zurückgezogen hatte, für ein Jahr neuer persönlicher Trainer des Norwegers. Unter ihm wurde er zur Nummer eins der Weltrangliste und reifte zu einem Topspieler. „Magnus ist die große Zukunft des Schachs“, zollte Kasparow gegenüber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ seinem Schützling Respekt.

(mit dpa)


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