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Vor dem Gipfeltreffen in der Bundesliga Dortmund oder Bayern? Zwei Redakteure legen sich fest auf den Sieger

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Vor acht Monaten war das Duell eine klare Sache: Robert Lewandowski traf, die Bayern siegten 6:0. Foto: imago/SimonVor acht Monaten war das Duell eine klare Sache: Robert Lewandowski traf, die Bayern siegten 6:0. Foto: imago/Simon

Osnabrück. An diesem Samstagabend steigt um 18.30 Uhr das Topspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München. Zwei Redakteure legen sich vorab auf den Sieger fest. Darum siegt Borussia Dortmund - oder doch die Bayern?

Der BVB ist als einziger Bundesligist ohne Niederlage und kann mit einem Sieg seinen Abstand zum FC Bayern auf sieben Punkte ausbauen. Doch die zwischenzeitlich wankenden Münchner haben sich offenbar gefangen: Seit dem 0:3 gegen Gladbach gab es in sechs Pflichtspielen fünf Siege und ein Remis. 

Benjamin Kraus: Darum siegt Dortmund: Zeit für eine Wachablösung

FC Bayern, deutscher Meister? Scheibenkleister. Wir erleben am Samstagabend die Beschleunigung des Niedergangs einer großen Elf – und die Reifung des neuen Titelfavoriten BVB.
Erfolg macht oft satt und arrogant. Selbstgewissheit nach errungenen Titeln lässt vergessen: Mindestens das gleiche Investment an Fokussierung, Anstrengung und Ausdauer braucht es, um erneut den Thron zu besteigen. Bestes Beispiel ist der Absturz der Nationalelf im Jahr 2018 – ihre Protagonisten waren vor allem Spieler des FC Bayern, die auch aktuell im Ligabetrieb die Souveränität der letzten Jahre vermissen lassen.
Manuel Neuer im Tor unsicher, Mats Hummels in der Abwehr fehlerbehaftet, Thomas Müller im Mittelfeld fahrig – der Beginn einer Liste von Kickern außer Form, die nach Misserfolgen auf internationaler Bühne nun ihrem Selbstvertrauen auch national hinterherlaufen. Dazu sind aktuell leise Zweifel am Teamgeist der Bayern auf dem Feld erlaubt – wenn man die Rückwärtsbewegung von Spielern wie Franck Ribéry oder Robert Lewandowski beobachtet.
Was bleibt bei solchen Problemen? Der Versuch, die eigenen Reihen zu schließen durch Erzeugung von Wirbel nach außen, wie beim völlig überzogenen Medienschelte-Event vor ein paar Wochen. Angesichts des Aufruhrs geriet der größte Fehler der Bayern-Führung völlig aus dem Blick: Die verpasste Verjüngung ihres Kaders. Bayern stellt inzwischen die älteste Mannschaft der Liga – die so träge auch spielt und angesichts dieser Personalpolitik kein „Pech“ bei Verletzungen beklagen darf.
Wie wohltuend ist es da, den jungen Dortmundern zuzusehen: Wie Manuel Akanji (23), Abdou Diallo (22) und Dan-Axel Zagadou (19) in der Abwehr elegant die Bälle gewinnen. Wie Maximilian Philipp (24), Jaco Bruun Larsen (20) und Jadon Sancho (18) im Angriff mutig ihre Gegner überrennen. Wie erfahrene, aber noch erfolgshungrige Spieler wie Thomas Delaney, Marco Reus oder Paco Alcacer den Laden steuern – und ein Team aufblüht, das lebt und diesen Namen verdient hat. Gecoacht vom fantastischen Lucien Favre, einem der meist unterschätzten Fußball-Fachleute des Planeten.
Ja aber, jetzt kommen doch die Bayern, heißt es, und dann geht das Spiel aus wie immer. Wer das glaubt, verkennt: Gegen einen so starken BVB haben schwächelnde Bayern seit 2013 nicht mehr gespielt.


Malte Schlaack: Darum siegt der FC Bayern - in solchen Spielen sind sie groß

Der Gedanke ist schon sehr verlockend: Die Bayer verlieren in Dortmund, und es gibt eine Wachablösung im deutschen Fußball. Dazu wird es aber nicht kommen. 
Rückblende: Als die Bayern Anfang Oktober das Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach mit 0:3 verloren, schien das Ende des (bayrischen) Abendlandes nah. Eine solch handfeste Krise hatte der Rekordmeister gefühlt seit einer Ewigkeit nicht mehr gehabt, alles wurde öffentlich infrage gestellt.
Und nun, fünf Wochen später? Sagen wir es so, die Ergebnisse stimmen wieder einigermaßen. Aus fünf Spielen in der Bundesliga und der Champions League gab es vier Siege und ein Unentschieden – auch wenn der klangvollste Gegner wohl der VfL Wolfsburg war. Dazu gab es eine Pressekonferenz der Bayern-Bosse, die zwischen bizarr und lächerlich schwankte, aber immerhin vom Sportlichen kurz ablenkte.
Da stellt sich mit Blick auf diese ganzen doch eher negativen Aspekte nun die Frage: Warum um alles in der Welt sollten die Bayern jetzt ausgerechnet das Spitzenspiel in Dortmund gewinnen? Nun, die Antwort ist recht einfach: Weil es die Bayern sind. So umstritten Niko Kovac mittlerweile auch ist, die DNA des Vereins kennt der Trainer ganz genau. „Ich kenne den FC Bayern. In solchen Spielen ist er ganz groß“, sagte Kovac in der Pressekonferenz vor der Partie.
Da ist es also wieder, dieses oft unangenehme „Mia san mia“. Man mag davon halten, was man will, aber in den allermeisten Fällen waren die Bayern in den vergangenen Jahren zur Stelle, wenn es um die Wurst ging. Und auch, wenn ihnen im Vorfeld solch großer Spiele auf nationaler Ebene unterstellt wurde, jetzt aber wirklich mal fällig zu sein: Die Münchener lieferten.
Aller Voraussicht nach wird es ein atmosphärisch aufgeladenes Duell am Samstagabend in Dortmund. Hier liegt ein weiterer Vorteil der erfahrenen Bayern, die besser mit dem Druck umgehen können. Ob das dann für die ganze Saison reichen wird, sei dahingestellt. Aber in diesem einen Spiel werden sie mal wieder abliefern und die Wachablösung ein weiteres Mal verschieben – mindestens.



Weitere Infos

Personal: Beim BVB fehlt nur Schmelzer sicher. Offen ist, ob sein Abwehrkollege Diallo rechtzeitig gesund wird. Beim FC Bayern fällt Robben wegen Knieproblemen aus. Auch Thiago, Coman und Tolisso fehlen.

Statistik: Vor dem 99. Liga-Duell beider Teams liegen die Bayern mit 45 Siegen deutlich vorn. 29 Partien endeten unentschieden, 24-mal siegte der BVB.

Besonderes: Sechseinhalb Jahre ist es her, dass der BVB beim Ligagipfel vor dem FC Bayern lag. Am 11. April 2012 gelang dem BVB beim 1:0-Heimsieg ein großer Schritt Richtung Titel. In zwölf Duellen danach rangierte der FC Bayern stets auf dem ersten Platz, teilweise mit großem Abstand.

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